Elektrische Bauelemente im Schaltschrank kennzeichnen

Autor / Redakteur: Danny Siriboe * / Kristin Rinortner

Die eindeutige Kennzeichnung elektrischer Bauelemente und Betriebsmittel ist ein wesentliches Element des zeitgemäßen Schaltschrankbaus. Der Artikel erläutert das Vorgehen.

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Schnell und einfach beschriften: Der mobile Handdrucker Thermofox wird über ein USB-Kabel von der Android-Smartphone-App gesteuert.
Schnell und einfach beschriften: Der mobile Handdrucker Thermofox wird über ein USB-Kabel von der Android-Smartphone-App gesteuert.
(Bilder: Phoenix Contact)

Die beiden Teile der Norm – EN 81346-1 und EN 81346-2 – definieren präzise, wie zum einen die Strukturierungsprinzipien und zum anderen die entsprechenden Referenzkennzeichnungen für industrielle Systeme, Anlagen und Ausrüstungen auszusehen haben. Damit hat der Bedarf, elektrische Bauelemente und Betriebsmittel fachgerecht zu kennzeichnen, deutlich zugenommen.

Markierung darf nicht zur Qual der Wahl werden

Zum Zwecke der späteren präzisen Identifizierung elektrischer Komponenten gibt es unterschiedliche Möglichkeiten der Betriebsmittelkennzeichnung (BMK), die bereits frühzeitig im Planungsprozess berücksichtigt werden sollten. Nachdem alle benötigten Referenzkennzeichen im Schaltplan dokumentiert wurden, wird im nächsten Schritt eine für die jeweilige Applikation geeignete Kennzeichnungslösung ausgewählt.

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Aufgrund der hohen Anzahl unterschiedlicher Markierungsmöglichkeiten am Markt hat der Schaltschrankbauer hier die Qual der Wahl, eine voreilige Entscheidung kann sich später schnell als falsch erweisen. Nachdem eine passende BMK ausgewählt wurde, durchlaufen Schaltschränke zudem nach der Herstellung, Auslieferung und Inbetriebnahme im Laufe ihres Einsatzes in der Regel Umbau-, Modernisierungs- oder Wartungsmaßnahmen.

In den meisten Fällen geschieht dies dezentral vor Ort im Feld. Bei Wartungsmaßnahmen muss die BMK im Feld überprüft und gegebenenfalls erneuert oder komplett ausgetauscht werden. Um eine durchgängige BMK – insbesondere bei stromführenden Teilen – sicherzustellen, warten Montageteams weltweit die Schaltschränke vor Ort.

Daher legen Entscheider immer mehr wert darauf, größere und komplexere BMK-Projekte so schnell und einfach wie möglich direkt im Feld umzusetzen.

Hohen Rechercheaufwand vermeiden

Die Auswahl einer geeigneten Beschriftungslösung spielt für die professionelle Betriebsmittelkennzeichnung eine wichtige Rolle. In Anbetracht der zahlreichen unterschiedlichen Anforderungen ist dies mit einem hohen Rechercheaufwand verbunden.

Die zu erwartenden Umwelteinflüsse – Kontakt mit Ölen, Chemikalien oder auch mit direktem UV-Licht – können die Beständigkeit einer Kennzeichnung beeinträchtigen und müssen bei der Materialauswahl berücksichtigt werden.

Eine wichtige Rolle spielt hier die Drucktechnik, wie Thermotransfer, Inkjet oder Laser, sowie – davon abhängig – das richtige Druckmedium. Dabei empfiehlt es sich, ein gut aufeinander abgestimmtes Markierungssystem zu verwenden.

Dann müssen häufig noch die benötigten Komponenten aus einem großen Angebot individuell ausgewählt werden. Dabei werden oft Produkt-Kataloge studiert oder Online-Recherchen betrieben. Beides ist nicht nur zeitintensiv, sondern auch fehlerträchtig. Viele Anwender wünschen sich daher einen einfacheren Auswahlprozess.

Schaltschränke werden zum Teil über mehr als 10 Jahre im Feld eingesetzt. Dabei kann es vorkommen, dass eine ungeeignete Betriebsmittelkennzeichnung mit der Zeit unkenntlich wird oder sich im schlimmsten Fall sogar von der Oberfläche ablöst. Dann sollte die BMK vollständig erneuert werden – oder direkt im Feld nachgebessert werden.

Für derartige Wartungsarbeiten kommen meist mobile Thermotransferdrucker zum Einsatz. Allerdings erreicht dieser Druckertyp schnell seine Leistungsgrenzen, denn für umfangreichere Nachbesserungen im Feld ist er meist nicht schnell und präzise genug. Auch hier suchen Anwender vermehrt nach neuen – mobilen – Lösungen.

Auch die Kennzeichnung wird digital

Diese Möglichkeit bietet jetzt die App „Marking System“ von Phoenix Contact (Bild 1). Über einen strukturierten Suchassistenten oder einen integrierten Barcode-Scanner gelangt der Nutzer bequem zur passenden Lösung. Unter den 3.000 Kennzeichnungslösungen sowie elf verschiedenen Drucksystemen – unterteilt in drei Beschriftungstechniken – findet nahezu jeder Anwender eine für seine Applikation passende Beschriftungslösung. Die einfach strukturierte und intuitiv bedienbare App enthält auch Suchassistenten für Markierungsmaterialien (Bild 2).

Mit Hilfe einer Filter-Funktion wird – auch ohne spezifische Produktkenntnisse - schnell die richtige Auswahl getroffen. Zudem erlaubt der Suchassistent den Einstieg über vier BMK-Hauptkategorien: Klemmen-, Leiter-, Geräte- und Anlagenmarkierung. Der integrierte „Application Guide“ wiederum löst ein anderes Problem – er kennt alle Kennzeichnungen hinsichtlich der benötigten Zulassungen, Umweltanforderungen oder Materialeigenschaften. Neu integrierte Auswahlkriterien vereinfachen dem Nutzer die Suche und die Selektion erfolgt automatisch.

Bei der Markierung der Reihenklemmen von Phoenix Contact unterstützt zudem ein Barcode-Scanner dabei, die passende Kennzeichnungslösung aufzurufen. Wird das Verpackungsetikett eingescannt, erscheinen Lösungsvorschläge auf dem Bildschirm. Und – last but not least – verweist die App auch auf geeignete Artikel aus dem umfangreichen Markierungs-Zubehörprogramm.

Auch im Feld vereinfacht und beschleunigt die App den Prozess, denn sie kann über ein Android-fähiges Smartphone per USB-Kabel mit dem Handheld-Drucker „Thermofox“ verbunden werden. Diese Kombination – Smartphone und Drucker – eignet sich auch für größere und komplexe BMK-Projekte im Feld.

Produktivität steigt deutlich mit Markierungssoftware

BMK-Projekte können im Büro mit der Markierungssoftware „Clip Project Marking“ mühelos erstellt und anschließend konvertiert werden. Die konvertierte Projekt-Datei kann per E-Mail an den jeweiligen Anwender vor Ort versendet werden.

Dieses Procedere ist in jedem Fall hilfreich, da der Anwender vor Ort für eine komplette und langwierige Erstellung der BMK in der Regel kaum Zeit hat. Zu guter Letzt wird das Druckprojekt vollständig mit dem Thermofox ausgegeben.

Eine digitale Lösung in Form einer App beschleunigt die Abläufe bereits während der Planungsphase – und sicherer werden sie auch (Bild 3). Auf Grund der hohen Aktualität der zu Grunde liegenden digitalen Daten wählt der Anwender immer die richtige Markierungslösung aus.

In Kombination mit der hohen Flexibilität im Feld ist eine digitale Lösung ein ideales Werkzeug zur industriellen Kennzeichnung. Die App „Marking System“ ist für Smartphones und Tablets kostenlos im Google Play Store und im Apple I-Tunes Store erhältlich.

* Dipl.-Ing. Danny Siriboe ist Bereichsleiter Produktmarketing und Customer Services Marking & Installation bei Phoenix Contact in Blomberg.

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