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Einen E-Antrieb für Passagierjets wird es nicht geben

| Autor / Redakteur: dpa / Julia Schmidt

Passagierflugzeuge sind vielen Umweltschützern ein Dorn im Auge, was allerdings das stetige Wachstum des zivilen Luftverkehrs nicht bremst. Die Suche nach alternativen Antrieben läuft - doch elektrisch wird die Zukunft der Passagierluftfahrt nicht sein.

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Einen CO2-freien Elektroantrieb für Passagierflugzeuge wird es nach Ansicht des Triebwerkshersteller MTU nie geben.
Einen CO2-freien Elektroantrieb für Passagierflugzeuge wird es nach Ansicht des Triebwerkshersteller MTU nie geben.
(Bild: Lars_Nissen_Photoart / Pixabay )

Einen CO2-freien Elektroantrieb für Passagierflugzeuge wird nach Einschätzung von Deutschlands führendem Triebwerkshersteller MTU ein Hirngespinst bleiben. Grund dafür ist das hohe Gewicht der Batterien, das notwendig wäre, um ein größeres Passagierflugzeug in die Luft zu befördern. „Bei 100 Tonnen Abfluggewicht etwa brauchen Sie 100 Tonnen Batterien“, sagte MTU-Finanzchef Peter Kameritsch am Donnerstag (20.2.) in München. „Da gibt's noch nicht mal ansatzweise eine Idee, wie man das machen kann“. Langfristig sei „wohl eher die Brennstoffzelle das Konzept, das sich durchsetzen wird“, sagte der Manager, der unter anderem studierter Physiker ist.

Die Luftfahrt trägt nach Statistiken von Umweltbehörden einen Anteil von etwa drei Prozent zum weltweiten CO2-Ausstoß bei, ist aber bei Umweltschützern unter Druck, dies noch weiter zu reduzieren. Für die nähere Zukunft realistisch ist nach Kameritschs Worten eine weitere Reduktion des Treibstoffverbrauchs um etwa 10 Prozent bei kleineren Passagierjets, die lediglich einen Gang in der Passagierkabine haben.

Eine Alternative sind synthetische Kraftstoffe

Eine klimafreundliche – und jetzt schon technisch mögliche Alternative – wäre nach Kameritschs Worten die Verwendung synthetischen Flugbenzins, bei dessen Verbrennung kein zusätzliches CO2 freigesetzt wird. Dabei wird mit Hilfe von Wind- oder Solarstrom Wasserstoff hergestellt und mit CO2 aus der Atmosphäre zu künstlichem Kerosin verbunden. Der Haken sind die hohen Kosten: „Das ist in den kleinen Mengen, die es heute gibt, massiv teurer, als wenn man in Saudi-Arabien den Finger in den Boden steckt und Öl rauskommt“, sagte Kameritsch.

Der Münchner Dax-Konzern hat wegen des kontinuierlichen Wachstums der internationalen Luftfahrt ein gutes Jahr hinter sich – und erwartet auch in den nächsten Jahren keine schlechten Zeiten. Im abgelaufenen Jahr steigerte MTU den Umsatz um gut ein Prozent auf gut 4,6 Milliarden Euro und verfehlte damit das Ziel von 4,7 Milliarden. Der Nettogewinn legte um knapp acht Prozent auf 488 Millionen Euro zu, wie der Münchner Triebwerksbauer mitteilte. „2020 wollen wir die Messlatte noch ein Stück höher legen und unsere eigenen Rekorde erneut übertreffen“, kündigte Vorstandschef Reiner Winkler an. MTU beschäftigt weltweit etwa 11 000 Menschen. Das Unternehmen entwickelt und produziert Triebwerke für zivile und militärische Flugzeuge in Kooperation mit anderen Herstellern wie General Electric oder Pratt & Whitney.

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