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Eine (Software) für alle (Controller)

| Redakteur: Michael Eckstein

NXP entwickelt eine neue Controller-Plattform für die Automobilbranche. Weitreichende Software- und Funktionskompatibilität soll die Mehrfachverwendung von Code für unterschiedliche Produkte ermöglichen – und so den Entwicklungsaufwand um bis zu 90 Prozent verringern.

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Immer mehr Software: Moderne Autos haben schon heute Programme mit über 100 Mio. Zeilen Code an Bord. Tendenz: Exponentiell steigend.
Immer mehr Software: Moderne Autos haben schon heute Programme mit über 100 Mio. Zeilen Code an Bord. Tendenz: Exponentiell steigend.
(Bild: NXP)

Der niederländische SoC-Spezialist NXP Semiconductor hat eine neue Rechenplattform vorgestellt. Das NXP S32 genannte System zielt auf OEM-Kunden und System-Lieferanten im Automotive-Sektor.

Der Clou: Die zur S32-Familie zählenden Komponenten sollen Software-kompatibel sein, sodass Entwickler Code auf allen Controllern der Plattform einsetzen und mehrfach verwenden können. Zudem sollen wichtige Funktionen beispielsweise für die funktionale Sicherheit und die Informationssicherheit hardwareseitig implementiert sein, was den Programmieraufwand verringern würde.

Auch wenn aktuell noch kein Silizium verfügbar ist, hat die Vorstellung doch einiges an Gewicht. Denn NXP ist nach Untersuchungen von Marktforscher Semicast Research mit 14 Prozent Marktanteil (2016) der mit einigem Abstand führende Chip-Lieferant für die Automobilindustrie – noch vor Infineon, Renesas, ST Microelectronics, Texas Instruments und weiteren bekannten Halbleiterproduzenten. Die Übernahme von Freescale machte NXP 2015 auf einen Schlag zum Schwergewicht der Branche.

Heutige Software: nicht kompatibel, schlecht skalierbar, nicht wiederzuverwenden

Mitte 2018 sollen erste Systems-on-a-Chip-Bausteine (SoCs) der S32-Plattform auf den Markt kommen. NXP will damit im zukunftsträchtigen Markt für Fahrerassistenzsysteme (Advanced Driver Assistence System, ADAS) und autonomes Fahren große Herausforderungen adressieren: Entwickler kämpfen hier mit immer rechenintensiverer Software, komplexen Applikationen, die sich nicht ohne weiteres integrieren lassen und die sich aufgrund der Variantenvielfalt nicht oder nur mit sehr großem Aufwand auf mehrere Modelle portieren lassen.

Matt Johnson, Senior Vice President und General Manager für Product Lines and Software, Auto MCU and Processors bei NXP, fasste die Lage gegenüber eetimes.com so zusammen: „Die Programme sind untereinander nicht kompatibel, sie sind nicht skalierbar, und ihr Code lässt sich nicht wiederverwenden.“ Mit seiner neuen S32-Plattform will NXP diesen Missstand beheben. Demnach eignet sich die Plattform für sämtliche Funktionsgruppen im Kraftfahrzeug. 8 von 15 der führenden OEMs würden NXP S32 bereits adaptieren, weitere sollen folgen.

Übergreifende Kompatibilität – das soll NXP S32 bringen

Seine aktuellen Paradedisziplinen für den Automobilsektor – funktionale Sicherheit, IT-Security und Over-the-Air-Updates (OTA) – will NXP mit der S32-Plattform noch stärker in den Fokus rücken. Die entsprechenden Funktionen sollen für jede MCU und jedes SoC der Plattform verfügbar sein. Unabhängig davon, wo im Fahrzeug die Komponenten zum Einsatz kommen. So will NXP laut Johnson eine dem ASIL-D-Standard entsprechende Funktionalität im gesamten Vehikel verfügbar machen. Dazu hat NXP bereits alle verwendeten ARM-Cores inklusive Cortex-A, Cortex-R und Cortex-M für ASIL D zertifiziert.

Darüber hinaus würde NXP elektronische Steuergeräte (Electronic Control Units, ECU) mit weit reichenden Funktionen für die Ausfallsicherheit und Selbstkorrektur ausrüsten. Wie diese Korrektur letztlich arbeitet, bestimmt der OEM. Da der Controller laut NXP bereits per Hardware grundlegende Funktionen für die Ausfallsicherheit bereitstellen wird, verringert sich für die Entwickler der Programmieraufwand.

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