Einbruch bei Speichern drückt den Halbleitermarkt nach unten

| Redakteur: Sebastian Gerstl

Noch 2018 war der Speichermarkt um 26% gewachsen und hatte damit den Halbleitermarkt nachhaltig angetrieben. Nun kehrt sich der Effekt um: IC Insights progostiziert bei Speichern einen Umsatzrückgang von 24% - mit entsprechenden Folgen für das Gesamtvolumen des Chipmarkts.
Noch 2018 war der Speichermarkt um 26% gewachsen und hatte damit den Halbleitermarkt nachhaltig angetrieben. Nun kehrt sich der Effekt um: IC Insights progostiziert bei Speichern einen Umsatzrückgang von 24% - mit entsprechenden Folgen für das Gesamtvolumen des Chipmarkts. (Bild: gemeinfrei / Pixabay)

In den letzten Jahren waren Speicher die Triebfeder der weltweiten Halbleiterumsätze. Die nun bröckelnden Preise werden sich 2019 aber sehr negativ auf das Wachstum des gesamten Chipmarktes auswirken: Der Speichermarkt soll um fast ein Viertel seines Volumens einbrechen.

Die Prognosen des Marktforschungsinstituts IC Insights für den Halbleitermarkt sehen für das Jahr 2019 eher trübe aus. Schuld trage daran in erster Linie die volatile Natur des DRAM- und NAND-Flash-Speichersegments. Speziell der DRAM-Markt war in den letzten 25 Jahren immer einem regen Wechsel zwischen starkem Wachstum und darauf folgendem rapiden Einbruch unterlegen (Siehe Bild 1).

In den letzten vier Jahren eine Triebfeder des gesamten Marktes

Mit einem Umsatz von 99,4 Milliarden US-Dollar hatten DRAM-Speicher im Jahr 2018 noch den größten Einzelposten im Geschäft mit Halbleiterbausteinen (Gesamtvolumen: ca. 474 Milliarden US-$) dargestellt. Auf Rang 2 folgte NAND-Flash, dessen Umsatz schätzungsweise bei 59,4 Milliarden US-$ lag. Seit 2013 hatten ein steigender Bedarf als auch steigende Preise bei Speichern einen positiven Einfluss auf die Gesamtentwicklung des Marktes – nur im Jahr 2015 hatte es hier einen leichten Rückgang im Wachstum gegeben (siehe Bild 2).

Vor allem in den Jahren 2017 und 2018 stellten Speicher den Wachstumstreiber Nummer 1 für die starke positive Entwicklung des Halbleitermarkts dar. Allein 2017 war der Speichermarkt um 64% gewachsen, was maßgeblich dazu beitrug, dass in diesem Jahr der IC-Markt erstmals die Umsatzgrenze von 400 Milliarden US-$ knackte. 2018 hatte das Wachstum immerhin noch 26% betragen. Allerdings machte sich gegen Ende des Jahres bereits eine Abkühlung des Speichermarkts bemerkbar.

Speichermarkt soll um fast ein Viertel einbrechen

Für 2019 rechnen die Experten von IC Insights nun damit, dass der Speichermarkt einen erheblichen Gegenwind für das weltweite Wachstum des Chipmarkts darstellen wird: Demnach soll der gesamte Speichermarkt in diesem Jahr voraussichtlich um 24% fallen. Das würde einen Rückgang von 38,6 Milliarden US-$ im Gesamtvolumen bedeuten.

Entsprechend wirkt sich das auf den gesamten Markt aus: Der starke Rückgang des Speichermarktes soll das Wachstum des gesamten IC-Marktes voraussichtlich um 9% dämpfen. Unter Ausklammerung des Speichers sollte die Wachstumsrate des gesamten IC-Marktes 2019 unverändert (0%) bleiben. Der Markt bliebe also stabil – wächst aber auch nicht weiter.

Rückgang im Smartphone-Markt, steigende Fertigungskapazitäten und schwelender Handelsstreit

Schuld an diesem Rückgang dürften mehrere Faktoren liegen. So hatten in den vergangenen Jahren vor allem der Tablet- und Smartphone-Markt die Nachfrage für Flashspeicher hoch gehalten. In beiden Segmenten gingen allerdings die Verkaufszahlen in der zweiten Jahreshälfte 2018 deutlich zurück. Hinzu kommt, dass chinesische Geräteanbieter zunehmend in der Lage sind, ihren Bedarf aus einheimischen Foundries zu decken. Auch andere Speicherhersteller wie Samsung oder Toshiba haben mittlerweile weitere Fertigungsstätten in Betrieb genommen, was sich zusätzlich auf den Preis von Speicherbausteinen auswirkt.

Vergleichsweise unklar ist derweil, in wieweit sich Unsicherheiten im weiterhin schwelenden Handelsstreit zwischen den USA und China oder dem drohenden Brexit auf den Markt auswirken. Die politischen Unwägbarkeiten dürften aber sicherlich keine positive Entwicklung darstellen.

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