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Studie zum Unternehmensvergleich Top 100 Ein systematisch aufgebautes Innovationsmanagement lohnt sich

| Redakteur: Claudia Mallok

„Innovative Unternehmen schaffen es, den Markt mit neuartigen Angeboten zu begeistern und ihre Prozesse ständig neu zu erfinden“, resümiert Prof. Dr. Franke von der WU Wien in der Studie zum Unternehmensvergleich TOP 100 2010. Die in der Studie betrachteten 100 deutschen Mittelständler haben die Auszeichnung TOP 100 erhalten.

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Prof. Dr. Nikolaus Franke leitet am Institut für Betriebswirtschaftslehre der Klein- und Mittelbetriebe der Wirtschaftsuniversität Wien den Lehrstuhl für Entrepreneurship und Innovation.
Prof. Dr. Nikolaus Franke leitet am Institut für Betriebswirtschaftslehre der Klein- und Mittelbetriebe der Wirtschaftsuniversität Wien den Lehrstuhl für Entrepreneurship und Innovation.
( Archiv: Vogel Business Media )

Die „Top 100“-Unternehmen 2010 erwirtschafteten insgesamt 48,4% ihres Umsatzes mit Marktneuheiten und innovativen Verbesserungen der vergangenen 3 Jahre. Bei durchschnittlichen deutschen KMUs sind das nur 9,96% (Zahlen stammen aus dem ZEW-Bericht zum Innovationsverhalten der deutschen Wirtschaft 2009). Das bedeutet auch: Produkte, die 2016 die Basis für die „Top 100“ darstellen, existieren heute noch gar nicht. 86% der „Top 100“-Firmen sind im Zeitraum der vergangenen drei Jahre schneller gewachsen als der Branchendurchschnitt. Ihr Umsatzwachstum lag im Zeitraum von 2007 bis 2009 18,5%-Punkte über dem Branchenschnitt, lautet ein Ergebnis der Studie TOP 100.

Die neue Studie von Prof. Dr. Nikolaus Franke von der Wirtschaftsuniversität Wien beschreibt die Erfolgsgeschichte der 100 innovativsten deutschen Mittelständler. Am 1. Juli 2010 hatten diese Firmen das Gütesiegel „Top 100“ erhalten. Mentor des Projekts ist Lothar Späth, Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg a. D. Die wissenschaftliche Leitung hat seit 2002 Prof. Dr. Nikolaus Franke inne. Er ist Professor für Entrepreneurship und Innovation an der Wirtschaftsuniversität Wien.

Was die TOP 100-Firmen unterscheidet, hat Prof. Dr. Nikolaus Franke in einer Studie zusammengefasst.

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Agiles Top-Management: Die „Top 100“-Chefs 2010

  • wenden ein Drittel ihrer Arbeitszeit für das Thema Innovation auf.
  • stecken 12,1% des Umsatzes in Innovationsprojekte.
  • betreiben durchschnittlich 15 Tage Weiterbildung pro Kopf und Jahr.
  • haben eine schriftliche Innovationsstrategie, die regelmäßig überprüft und klar vermittelt wird.

Gerade in mittelständischen Firmen mit ihren überschaubaren Strukturen ist die klare Hand-chrift des Unternehmers allgegenwärtig und deshalb so wichtig. Firmenlenker der „Top 100“ sind ansteckend innovativ. Die Neuerungsfähigkeit ihrer Unternehmen ist für sie eine Herzensangelegenheit.

Vom Mitarbeiter zum Mitunternehmer: Bei den „Top 100“-Firmen 2010

  • geben 82% ihren Mitarbeitern Freiräume für das Entwickeln eigener Ideen.
  • fördern 48% die Risikobereitschaft der Belegschaft mit einem Budget für innovative Projekte.
  • haben 89% einen Schutz, der den frühzeitigen Abbruch besonders radikaler Innovati-onsprojekte verhindert.
  • bilden sich zwei Drittel der Mitarbeiter an mehr als fünf Tagen pro Jahr fort.

Ein gutes Innovationsklima fördert autonome und risikobereite Mitarbeiter, unterstützt ihr angstfreies Engagement, gewährt Freiräume und honoriert Ideen.

Auch Ordnung muss sein: Die „Top 100“-Unternehmen 2010

  • haben zu 93% ein Monitoring von Markt, Technologie und Wettbewerb institutionalisiert.
  • kooperieren zu vier Fünfteln mit Universitäten und Forschungseinrichtungen.
  • verfügen zu 100 Prozent über einen klar festgelegten Innovationsprozess.

Der Mittelstand widmet der systematischen Organisation von Innovationen typischerweise eher weniger Aufmerksamkeit als Großunternehmen und unterschätzt ihre Bedeutung. Die „Top 100“ nutzen das kreative Potenzial des Unternehmens hingegen nahezu komplett. Dafür organisie-ren sie Innovationsprozesse ganz bewusst und systematisch.

Ohne Marktbewusstsein keine Innovation: Das Marketing der „Top 100“

  • beschäftigt sich zu 40% seiner Arbeitszeit mit Innovationsprojekten.
  • ist bei Innovationsprojekten zu 96% intensiv in wichtige Entscheidungen eingebunden.
  • erstellt zu 93% routinemäßig Absatzprognosen für Innovationsideen vor deren Entwicklung.
  • testet zu 98% die Akzeptanz neuer Produkte regelmäßig vor der Markteinführung.

Kreativität und technisches Know-how allein entscheiden nicht über den Erfolg einer Innovation. Der Kunde muss sie auch wollen. Der Großteil der „Top 100“-Unternehmen arbeitet deshalb, wenn er neue Produkte und Dienstleistungen entwickelt, sehr eng mit den Kunden zusammen.

Paradebeispiel

Ein Vorzeigeinnovator ist Harro Höfliger und seine gleichnamige Verpackungsmaschinen GmbH. Der „Top 100“-Gesamtsieger 2009 zeigt, wie es geht: ein schwäbischer Chef mit Visionen, ein Top-Management, das 60% seiner Arbeitszeit mit dem Thema Innovation verbringt und 16% des Umsatzes in Innovationen investiert, sowie für ein vorbildliches Inno-vationsklima sorgt. Ergebnis: 520 zufriedene Mitarbeiter, mehr als 100 Patentanmeldungen pro Jahr, ein Umsatz, der sich zwischen 2004 und 2008 verdoppelt hat auf ca. 94 Mio. Euro, und Neuprodukte aus den vergangenen 3 Jahren, die 90% vom aktuellen Umsatz und Gewinn ausmachen.

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