Ein Roboter für Urban Gardening

| Redakteur: Katharina Juschkat

Die automatisierte Fassadenbegrünung ist modular aufgebaut. Sie soll die aufwendige und teure manuelle Pflege überflüssig machen.
Die automatisierte Fassadenbegrünung ist modular aufgebaut. Sie soll die aufwendige und teure manuelle Pflege überflüssig machen. (Bild: Fraunhofer IPA)

Fraunhofer-Forscher haben gemeinsam mit der Universität Stuttgart einen Roboter entwickelt, der eine Fassadenbegrünung komplett autonom anlegen, pflegen und überwachen soll. Die Wissenschaftler wollen damit das Urban Gardening für Unternehmen rentabel gestalten.

Fassadenbegrünung schaut nicht nur schön aus, sie hat eine ganze Reihe von Vorteilen: So sorgt sie für eine reine Luft, reguliert das urbane Mikroklima, verringert den Energieverbrauch für die Klimatisierung, ist Wohnort für Insekten, senkt im Winter die Abwärme und ist lärmabsorbierend. Allerdings ist die Pflege der vertikalen Begrünung aufwendig und teuer. Man benötigt Gerüstbauten und Hebebühnen oder Industriekletterer. Deshalb haben Forscher am Fraunhofer IPA und der Universität Stuttgart einen Roboter entwickelt, der alle anfallenden Arbeiten problemlos übernehmen soll.

Bildverarbeitungs-Software erkennt Zustand der Pflanzen

„Mit dem Green Wall Robot möchten wir neue Potenziale für den Pflanzenanbau im urbanen Umfeld schaffen“, fasst Kevin Bregler vom Fraunhofer IPA das Ziel seiner Forschungsarbeit zusammen. Gemeinsam mit seinem Kollegen Martin Reisinger vom Institut für Energieeffizienz in der Produktion (EEP) an der Universität Stuttgart entwickelt er derzeit ein Konzept für neue, vollautomatisierte Fassadenbegrünungen. Ein intelligenter, schienenbasierter Roboter soll sich autonom bewegen und sämtliche Pflanz-, Pflege- sowie Instandhaltungsarbeiten übernehmen. Der Green Wall Robot ist mit Hilfe von künstlicher Intelligenz in der Lage, die Fassade optimal zu bewirtschaften.

Mit einer speziellen Bildverarbeitungssoftware soll der Green Wall Robot in die Lage versetzt werden, die einzelnen Pflanzen voneinander zu unterscheiden. „Damit kann er den Zustand der Vegetation bestimmen, Schädlings- oder Pilzbefall detektieren und beurteilen, was getan werden muss“, erklärt Bregler.

Mit seinem Roboterarm kann der Green Wall Robot außerdem sämtliche mechanische Aufgaben übernehmen: Pflanzen säen, schneiden oder austauschen. „Unsere Fassadenbegrünung ist aus Modulen und Submodulen aufgebaut“, erläutert Bregler. „So kann der Green Wall Robot gezielt einzelne Submodule mit kranken oder abgestorbenen Pflanzen entnehmen und durch neue ersetzen.“

Luftreinigung statt Luftverschmutzung

Bewässert werden die Pflanzen über ein Leitungssystem, das in die Module integriert ist. „Im industriellen Kontext kann Abwärme für die Fassadenbegrünung nutzbar gemacht werden“, erklärt Reisinger, der mit seinem Team auch zu Ultraeffizienzfabriken forscht. „Dadurch könnten Fabriken im urbanen Umfeld aktiv zur Luftreinhaltung beitragen, anstatt die Situation für Anwohner durch Emissionen weiter zu verschärfen.“ Großflächig bepflanzte vertikale Flächen könnten in Städten künftig zu profitablen landwirtschaftlichen Produktionsflächen avancieren und helfen, die Bewohner zumindest teilweise mit Lebensmitteln zu versorgen.

„Die modulare Fassadenbegrünung und der Green Wall Robot könnten das Urban Farming aus seinem Nischendasein befreien“, prophezeien Reisinger und Bregler. Aktuell sind die beiden Forscher auf der Suche nach interessierten Unternehmen, die die Konzepte an ihre konkreten Gegebenheiten anpassen lassen möchten.

Dieser Beitrag stammt von unserem Partnerportal Elektrotechnik.de.

Pflanzenlicht: Völlig neue Märkte für die Pflanzenbeleuchtung mit LED

Pflanzenlicht: Völlig neue Märkte für die Pflanzenbeleuchtung mit LED

01.03.18 - LED-Licht speziell für Pflanzen ist ein Wachstumsmarkt. Mögliche Anwendungen sind vielfältig. Allerdings müssen die LED-basierten Leuchten passgenau auf die Anwendung abgestimmt werden. lesen

Reinigungsroboterrennen am Berliner Hauptbahnhof

Reinigungsroboterrennen am Berliner Hauptbahnhof

30.01.18 - Mehr Sauberkeit in deutsche Bahnhöfe: Im ersten Reinigungsroboterrennen Deutschlands möchte die Deutsche Bahn das Potential vollautomatisierter Bahnhofsputzer ermitteln. Vier Reinigungsroboter kämpften am Dienstag um einen Zweijahres-Vertrag. lesen

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 45223155 / Drohnen & Roboter)