Leitungen für Energieketten Ein Produkt sollte halten was es verspricht

Autor: Dipl. -Ing. Ines Stotz

Nutzer auf der ganzen Welt wünschen sich von den Produkten ihrer Wahl mehr Transparenz. Wofür das Institut UL ein spezielles Konzept entwickelt hat, das Markenversprechen wissenschaftlich bewertet. Igus ist das erste Unternehmen in Europa, dass das für seine Energieketten-Leitungen genutzt hat.

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Eigenentwicklung: Igus entwickelt seit über 25 Jahren im hauseigenen 3.800 m² großen Testlabor Chainflex Leitungen, die speziell für den Einsatz in der Energiekette ausgelegt sind.
Eigenentwicklung: Igus entwickelt seit über 25 Jahren im hauseigenen 3.800 m² großen Testlabor Chainflex Leitungen, die speziell für den Einsatz in der Energiekette ausgelegt sind.
(Bild: Igus)

Es rattert, rotiert, saust hin und her, es zischt und rauscht. Steht der Besucher auf der Brüstung oberhalb des Testlabors in der Fabrikhalle bei Igus, ist überall Bewegung. Ein Areal, das niemals stillsteht. Zu sehen ist von hier aus über 2.000 m2 Testfläche allein im Innenbereich. Insgesamt sind es über 3.800 m². Seit über 30 Jahren testet das Unternehmen in Köln seine Chainflex-Leitungen in Energieketten unter realen Bedingungen auf Herz und Nieren.

Das bedeutet über 1,4 Mio. elektrischer Tests pro Jahr, insgesamt rund 2 Mrd. Leitungs-Zyklen. Sowohl in unterschiedlich langen linearen Bewegungen mit Verfahrwegen bis 240 m als auch in Vertikal-, Kreis- oder Torsionsbewegungen. Ziel dabei: verlässliche Aussagen zur erwarteten Lebensdauer treffen zu können. Nicht von ungefähr kann Igus daher eine auf dem Markt wohl einzigartige 36-Monate-Garantie auf das Leistungssortiment geben.

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Dieses Qualitätsversprechen ist der Knackpunkt. „Es herrscht eine klare Vorgabe unseres Geschäftsführers Frank Blase, nur Produkte auf den Markt zu bringen, die technisch dem Anwender einen Vorteil bieten“, sagt Rainer Rössel, Leiter Geschäftsbereich Chainflex-Leitungen.

Doch ein Versprechen allein reicht dem Kunden oft nicht aus. Aufgrund selbst erlebter Reinfälle, trauen Verbraucher im Konsumgüterbereich Marketingversprechen oft nicht mehr über den Weg. So trickst etwa die Lebensmittelindustrie, wo sie nur tricksen kann. Die Praline Mon Chérie wirbt mit der berühmten Piemontkirsche. Es gibt in Piemont aber gar keine Kirschen. Ganz zu schweigen vom Versprechen gesunder Inhaltsstoffe, die das nicht sind. Das enttäuscht und macht per se skeptisch.

Aussagen müssen verlässlich sein

Das gilt auch für die Industrie. Jedoch ist hier der Verlust eines Kunden schlimmer, weil Geschäftsbeziehungen über Jahre hinweg aufgebaut werden. Markenversprechen zu hoher Qualität müssen also dauerhaft gehalten werden können.

Um solchen Vertrauensverlust in der Industrie entgegen zu wirken, hat das US-Institut Underwriters Laboratories (UL) den „UL verified Marketing claim“ ins Leben gerufen. Er unterscheidet sich von der bekannten UL-Zertifizierung, die im Allgemeinen eine Produktprüfung ist, durch einen anderen Ansatz: Neben den technischen Beschreibungen sollen gewisse Marketingaussagen wahrhafter und ehrlicher werden. Damit der Nutzer anhand der Aussagen sicher entscheiden kann.

Der Sicherheitsgedanke, der Sicherheits-Aspekt für das Produkt – das ist der Kern von UL, das seinen Ursprung einer Feuerversicherung in den USA verdankt. Produkte, die in die vielen brandgefährdeten Holzhäuser verbaut wurden, mussten zuvor bestimmte Brandschutzprüfungen bestanden haben. Hinzu kommt nun, dass Aussagen der Hersteller, die sie zu einem Produkt treffen, stimmen müssen. Anders gesagt, will UL mit dem Programm verify erreichen, dass Unternehmen keine Aussagen treffen, die nicht stimmen. Der Vorteil also für den Nutzer: Produktaussagen, die nicht in einer Norm beschreibbar sind, werden sicherer.

Produktfälschern das Leben schwerer machen

Ein weiterer Aspekt und der schlechteste aller Fälle: Unternehmen, die ihr Nutzenversprechen einhalten und belegen können, stehen wiederum im Fokus von Produktfälschern. Die fälschen das Produkt oder ahmen es nach und schmücken sich dennoch mit den Claims der Originale. Das UL verified Label kann Fälschungen nicht verhindern. Aber es legt die Messlatte für Marketingaussagen und Produktpiraterie deutlich höher – schließlich ist die Institution eine weitere Kontrollinstanz, mit denen Produktpiraten zu rechnen haben.

Erstes europäisches Unternehmen mit Label UL verified

Deshalb hat Igus diesen Ansatz genutzt, und zwar um seine Mehrkompetenz bei den Energiekettenleitungen zusätzlich zu unterstreichen. In einem aufwendigen Zertifizierungsprozess bestätigte UL die Richtigkeit der Aussage: „Igus 36-month chainflex cable guarantee and service life calculator based on 2 billion test cycles per year“.

Damit ist das Kölner Unternehmen das erste in Europa, was den Wahrheitsgehalt einer werblichen Aussage durch eine Prüfinstitution bestätigen lässt. „Es verlässt jetzt keine Chainflex-Leitung mehr das Werk, und zwar weltweit, die nicht durch das UL-Marketing Label mit seiner ein-eindeutigen – auf Igus verweisende – Nummer gekennzeichnet ist“ erklärt Rainer Rössel stolz.

Anerkannte Zertifizierung schafft Vertrauen

Igus hat sich mit dieser Thematik lange sehr intensiv beschäftigt und dementsprechend viel zu erzählen. Beispielsweise, dass in Asien – anders als in Europa – die Aussage der 36-monatigen Garantie für die Produkte und 2 Mrd. Zyklen nur einen begrenzten Wert hat. „Wir sind ja der Hersteller, der diese Behauptung aufstellt. Ein Asiate glaubt aber erst mal keinem Hersteller.“

In Japan verhält es sich ähnlich. „Selbst die eigenen Mitarbeiter haben uns diese Aussage nicht abgenommen und erst gar nicht an den Markt getragen. Kaum hatten wir das UL verified Programm durch, sind unsere japanischen Kollegen damit an den Markt gegangen und sind äußerst erfolgreich, weil die Kunden einem anerkannten Zertifizierungsunternehmen glauben.“

Die viele Arbeit mehrerer Wochen, die hinter der Auditierung steckt und auch die damit verbundenen hohen Kosten haben sich also bereits gelohnt: „Das UL-Auditierungsteam kam ins Haus, hat sich unser Labor und den gesamten Prozess genau angeschaut, von der Konstruktion bis hin zum Testen. Und wie schließlich alle aus dem Testlabor gewonnen Daten in den Lebensdauerrechner einfließen“, erläutert Rainer Rössel weiter. Dabei handelt es sich um ein Online-Tool, mit dem der Anwender in wenigen Sekunden, in Abhängigkeit der Anwendungsparameter und der gewählten Leitung die zu erwartende Lebensdauer einer Chainflex Leitung in einer Energiekette ermitteln kann.

Erleichtert die Inbetriebnahme

UL hat also mit dem „UL verified Marketing Claim“ Label ein Zertifikat geschaffen, das Industrieunternehmen die Möglichkeit eröffnet, ihr kommuniziertes Leistungs-/Nutzerversprechen für eine europäische/ deutsche Maschine, ein Bauteil oder eine Komponente nachzuweisen. Die Kombination aus UL-Zulassung und dem freiwilligen UL-Marketing-Label sichert damit den reibungslosen Export gerade doppelt. Es erleichtert neben der Verzollung auch die spätere Inbetriebnahme, weil der Hersteller neben dem Nachweis der elektrischen Sicherheit auch eine Laufzeitgarantie für 36 Monate bei einer definierten Zykluszahl an Bewegungen verspricht.

Fazit: Vertrauen und Sicherheit sind das A und O für Geschäftsbeziehungen, den Vertrieb und schlussendlich für den Gebrauch von Industriegütern. Die Zertifizierung eines Nutzenversprechens und die damit einhergehende verbriefte Qualität von Maschinen, Komponenten und Bauteilen leisten einen nicht zu unterschätzenden Beitrag für mehr Sicherheit – für beide Seiten. „Wir sind der Meinung: Nur mit guten, sicheren Produkten können wir die Welt ein kleines bisschen besser machen“, sagt Rainer Rössel abschließend.

* Ines Stotz ist Fachredakteurin Automatisierung bei Vogel Communication Group

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Über den Autor

Dipl. -Ing. Ines Stotz

Dipl. -Ing. Ines Stotz

Fachredakteurin Automatisierung, Maschinenbau-Ingenieurin, Fachjournalistin seit 2001; Vogel Communications Group