EMS-Provider Ein Pioniergeist ist in unserer Branche immer willkommen

| Aktualisiert am 26.02.2021Redakteur: Johann Wiesböck

Das EMS-Unternehmen A+B Electronic ist seit mehr als 50 Jahren Technologiepartner für die Elektronikindustrie. Geschäftsführer Jörg Kiehnscherf will seine Firma schon heute für viele weitere Jahre fitmachen.

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Jörg Kiehnscherf, A+B Electronic: „Wir stehen für Vielfalt mit System.“
Jörg Kiehnscherf, A+B Electronic: „Wir stehen für Vielfalt mit System.“
(Bild: A+B Electronic)

Jörg Kiehnscherf ist heute Geschäftsführer der Assmy & Böttger Electronic GmbH in Huntlosen – kurz A+B Electronic. Der Diplom-Ingenieur studierte an der Technische Universität Chemnitz Elektrische Energietechnik. Über die Jahre sammelte er viel Erfahrung in Entwicklungs- und Produktionsbereichen verschiedener Unternehmen und Branchen. In der Coronakrise hat Jörg Kiehnscherf den festen Willen, sein Unternehmen auf neue Beine zu stellen und fit für die nächsten 10 bis 15 Jahre zu machen. Im Leserinterview berichte er, wie es ihm und dem Unternehmen derzeit ergeht und was er von der Zukunft erwartet.

ELEKTRONIKPRAXIS: Bitte beschreiben Sie das aktuelle Stimmungsbild in Ihrem Unternehmen. Und wie geht es Ihnen?

Jörg Kiehnscherf: Man ist gefasst, hat sich ein Stück weit mit der Situation (weniger Aufträge, Kurzarbeit, weniger Besuchsterminen, Maske tragen etc.) arrangiert, aber viele Mitarbeiter und auch ich sind auch etwas von der Situation „genervt“. Die Stimmung ist verhalten optimistisch. Jeder wartet darauf, dass wir Corona hinter uns lassen, befreit aufatmen und wieder durchstarten können.

Welche Probleme und Herausforderungen traten und treten in Ihrem Unternehmen während der COVID-19-Krise auf?

Immer wieder gibt es Lieferschwierigkeiten von Komponenten wegen des weltweiten Lockdowns und zu wenig Transportkapazitäten, kurzfristige Preiserhöhungen von Lieferanten, Projektverschiebungen und -stornierungen von Kunden, stark eingeschränkte Vertriebstätigkeiten. Corona-Infektionen und Quarantäne von Mitarbeitern sind auch dank der getroffenen Maßnahmen bei uns im Unternehmen zum Glück nur sehr gering vorhanden und haben keine Auswirkungen auf den Betrieb des Unternehmens gehabt. Was aber eine Herausforderung darstellt, ist die Kommunikation mit den Mitarbeitern und innerhalb der Teams. Wo man früher sich spontan zusammengesetzt hat, um Themen zu besprechen und Lösungen zu finden, herrscht heute immer wieder Unsicherheit, ob dies unter Corona-Bedingungen überhaupt zulässig. Im Zweifelsfall verzichtet man lieber darauf, was im Umkehrschluss auch eine Einschränkung der Effizienz im Unternehmen bedeuten kann.

Werden wir wieder zu einem „Normalzustand“ wie vor der Krise zurückkehren? Oder rechnen Sie mit nachhaltigen Veränderungen und mit welchen?

Es wird eine nachhaltige Veränderung geben, denn „nach Covid-19“ ist „vor Covid-2x“. Reisen und persönliche Treffen werden auch in der Zukunft weniger sein. Die digitale Welt (Webmeetings, Online Marketing) und Home-Office wird weiterwachsen. Und vielleicht werden wir auch zukünftig regelmäßig Masken tragen und uns mehr in die Augen schauen müssen.

Für die Wirtschaft und die Märkte vertraue ich auf deren Selbstheilungskräfte. Das wird sicherlich mit viel Dynamik und Unruhe verbunden sein, aber in der Elektronikbranche sind wir es gewohnt damit umzugehen.

Welche Lerneffekte und Erkenntnisse nehmen Sie aus der Krisensituation mit und fühlen Sie sich für die Zukunft gewappnet?

Das Risikomanagement für das Unternehmen in alle Richtungen muss wieder bewusster durchgeführt werden. Der Umgang mit Mitarbeitern muss noch individueller sein, um auch in solchen Krisen jeden Mitarbeiter unterstützen und mitnehmen zu können. Eine solide Unternehmensstrategie ist auch widerstandsfähig in Krisen.

Welchen Herausforderungen abseits der Covid-19-Krise sehen Sie sich in Ihrem Arbeitsalltag derzeit ausgesetzt?

Ich sehe den Fachkräftemangel und das Führen von Mitarbeitern der Generation Z für mich als Herausforderungen. Und die Schnelligkeit der Digitalisierung ist Chance und Risiko für die Entwicklung eines Unternehmens. Als Ingenieur bin ich es gewohnt, die Dinge zu analysieren und zu verstehen. Und bei den täglich aufkommenden neuen Ideen zur Digitalisierung fällt es nicht immer leicht, den Überblick zu behalten und das Richtige und Sinnvolle für das Unternehmen auszuwählen.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den vergangenen Jahren verändert bzw. entwickelt?

Es gibt mehr Verantwortung, immer wieder neue Perspektiven, aber auch mehr Gelassenheit durch die wachsende Erfahrung. Verändert haben sich Technologien, auf die man sich immer wieder neu einstellen kann und muss. Verlässlich geblieben ist, dass man jeden Tag mit Menschen und Individuen zusammenarbeitet. Das macht es jeden Tag spannend und herausfordernd. Und das wird auch in Zukunft noch lange so bleiben.

Wie wollen Sie persönlich im Jahr 2021 durchstarten?

Mit vielen neuen Ideen die Mitarbeiter begeistern und zu erfolgreichen Projekten machen. Und vielleicht mal wieder ganz entspannt mit Familie und Freunden zusammen im Biergarten sitzen.

Wenn Sie einem/r Einsteiger*in Ihr Arbeitsgebiet schmackhaft machen wollen, was sagen Sie ihr/ihm?

Die Branche bietet viel Wachstumspotential und viel Raum für Veränderungen und Verbesserungen. Ein Pioniergeist ist immer willkommen.

Welche persönlichen Worte möchten Sie Kolleg*innen in Ihrer Branche und Ihrem Unternehmen mit auf den Weg geben?

Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit wird uns auch in Krisenzeiten stützen. Denn nur gemeinsam werden wir durch diese Krise kommen und uns optimal auf das Danach einstellen können. Und ich kenne einige Kollegen in der Branche, die dies genauso sehen und deshalb freue ich mich umso mehr auf das Danach.

Hintergrund: Die A+B Electronic ist seit mehr als 50 Jahren Technologiepartner für die Elektronikindustrie. Man sieht sich als Systemlieferant für Elektronikbedarf und Kunden als Partner. Dabei stehen Kundennähe, eine hohe Flexibilität und Fertigungstiefe ebenso im Fokus der Arbeit, wie der modernste Produktionsstandard im Bereich der Maschinen und Anlagen – technologischen auf höchstem Niveau. Das stete Bestreben, jedem Kundenwunsch gerecht zu werden, ein hohes Maß an Individualität sowie Sonderlösungen zu entwickeln, sind Vision und Motivation zugleich.

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