Aufbruch 2022 Ein offener und ehrlicher Austausch ist der Schlüssel

Redakteur: Gerd Kucera

Wir müssen offener sein für neue Ansätze und Denkweisen. Was in diesen schwierigen Zeiten hilft und wie sich man sich auf die Zukunft vorbereitet, sagt Rainer Koppitz, der CEO von KATEK SE.

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Rainer Koppitz, CEO KATEK SE: „Ich habe größten Respekt vor unserer Taskforce aus Einkauf, Vertrieb und Finance, die diese Sondersituation exzellent als Team meistern.“
Rainer Koppitz, CEO KATEK SE: „Ich habe größten Respekt vor unserer Taskforce aus Einkauf, Vertrieb und Finance, die diese Sondersituation exzellent als Team meistern.“
(Bild: Daniel Hoelter)

Schon vor der Krise haben wir uns intensiv mit der Transformation der Industrie auseinandergesetzt. Bereits vor Beginn der Corona-Pandemie war uns klar, dass wir auf wachstumsstarke Branchen wie eMobility, IoT, Renewables und Healthcare setzen müssen, die es uns glücklicherweise trotz Pandemie ermöglicht haben, auch in den vergangenen achtzehn Monaten stark zu wachsen. Und wir haben gelernt, dass wir uns aufeinander verlassen können, wenn es schwierig wird. Mitarbeiter und Management, KATEK und unsere Lieferanten, und, ganz wichtig, unsere Kunden auf uns. Wir haben alles getan, um das Vertrauen in uns zu stärken. Wir merken jetzt, dass das vielfach honoriert wird, zum Beispiel durch eine Ausweitung der Geschäftsbeziehungen oder durch Initiativbewerbungen sehr interessanter Kandidaten, die Lust haben, Teil vom Team Blue zu werden.

Was in diesen schwierigen Zeiten hilft

Der offene und regelmäßige Austausch mit Kunden und Lieferanten. Transparenz, Transparenz, Transparenz; die Kunden müssen wissen, wo wir stehen und auch täglich spüren, dass wir Tag und Nacht daran arbeiten, kreativ den Schaden des Fehlteil-Wahnsinns abzumildern. Unsere Partner bringen uns hier ein hohes Vertrauen entgegen. Ich habe größten Respekt vor unserer Taskforce aus Einkauf, Vertrieb und Finance, die diese Sondersituation exzellent als Team meistern. Ich freue mich auch, dass der faire und partnerschaftliche Umgang mit unseren Lieferanten – nicht zu verwechseln mit unambitionierten Preisverhandlungen – dazu führt, dass wir trotz all der täglichen Eskalationen gemeinsam immer wieder Lösungen finden, an die noch eine Woche vorher keiner gedacht hat. Dazu gehört eben auch, dass wir transparent machen, hinter welchem Bedarf in welchen Zeiträumen welche konkreten Kundenanforderungen stehen.

Unternehmenskommunikation und Empathie

Was die Mitarbeiter in Krisensituationen am meisten interessiert: Ist mein Arbeitsplatz sicher? Wie stehen wir wirtschaftlich da? Wann geht es wieder aufwärts? Wir haben deshalb während der gesamten Pandemie die Kommunikation massiv nach oben gefahren. Ich habe in kurzen Abständen Videobotschaften an alle Mitarbeiter gegeben und in aller Offenheit über die Corona-Situation an unseren Standorten, die Auftragslage, die Notwendigkeit von Kurzarbeit, unsere Hygienemaßnahmen und auch über die vielen positiven Aspekte gesprochen. Zum Beispiel, welchen Beitrag wir mit der Elektronik für dringend benötigte Medizingeräte wie Beatmungs- oder Blutanalysegeräte leisten. Krankenhäuser und Labore weltweit sind darauf angewiesen, dass wir die Versorgung trotz aller Widrigkeiten täglich sicherstellen und sogar die Stückzahlen teils verdoppeln mussten. Und über die Krise hinaus: Wir befähigen unsere Mitarbeiter, damit sie auf die Technologien der Zukunft und die Elektronifizierung der Welt vorbereitet sind. Dazu gehört auch, dass wir mehr ausbilden als je zuvor und die nächste Generation an „Elektronikern“ für KATEK und unsere Industrie begeistern.

Der Schulterschluss mit allen Partnern

Der offene und ehrliche Austausch mit unseren Partnern ist der Schlüssel. Nur im Schulterschluss mit den Kunden und Lieferanten können wir die Herausforderungen, die uns die Corona-Pandemie sowie die Materialengpässe stellen, meistern. Während der Krise haben wir sogar häufig sehr konstruktive Vierer-Gespräche, um die Situation zu meistern: Unser Lieferant, unser Kunde, der Kunde unseres Kunden und wir. Da legen alle ihre Karten auf den Tisch und wir suchen gemeinsam eine Lösung. Das schweißt zusammen.

Wir sind in der Tat sehr erfolgreich an der Frankfurter Börse gestartet und konnten ein neues Kapitel für die KATEK aufschlagen. Einige sprechen von dem möglicherweise rundesten IPO des Jahres bisher. Es war für uns ein starkes Signal, dass wir so hohes Interesse und Vertrauen von den Investoren entgegengebracht bekommen. Und die Analysten sagen unisono, dass in unserer Aktie noch sehr viel Potential steckt – dem habe ich nichts hinzuzufügen. Jetzt werden wir in den nächsten Jahren beweisen, was in dieser Branche möglich ist! Aber bemerkenswert ist, dass die gesamte Vorbereitung für den IPO und die mehr als 170 Investorengespräche, die ich hatte, seit letztem Herbst komplett in der Pandemie und größtenteils sogar in der Lockdown-Phase stattfand. Ein hochgradig virtueller und höchst effizienter IPO. Darüber hinaus haben wir auch in der Krise neue Zukäufe getätigt: die heutige KATEK Leipzig und die TeleAlarm. Unser jüngstes Investment ist die AISLER B.V. Im Mai 2021 hat KATEK die Mehrheitsbeteiligung an dem schnell wachsenden Online-Anbieter für „Fabless Electronics Prototyping“ erworben. Rückblickend habe ich das Gefühl, dass wir uns durch die Krise nicht haben bremsen lassen, sondern sogar vom dritten in den vierten Gang hochgeschaltet haben.

Wir glauben an Elektronik als Treiber der Smart New World – im Auto, in der Medizin und vielen weiteren Bereichen. Elektronik ist der Herzschrittmacher der Innovation. All diese Elektronik entwickeln und fertigen wir! Glauben Sie mir: Jetzt ist der Zeitpunkt für Elektronikfirmen in Europa.

Neue Ziele und Zukunftsperpektiven

Die gesamte Industrie benötigt Elektronik und die Technologie wird maßgeblich zu neuen Mobilitätskonzepten, dem Green Deal und neuen Durchbrüchen in der Medizintechnik beitragen. Für die europäische Industrie ist es viel einfacher und sicherer, hier in Europa leistungsfähige Partner zu haben, mit denen man eng zusammenarbeiten kann – allein schon im Co-Development und Prototyping, ohne Angst vor IP-Verlust. The best is yet to come – das gilt für unsere ganze Branche und sicher für KATEK in besonderem Maße. Wir haben die nächsten spannenden Projekte schon in Vorbereitung.

Wir haben den Anspruch, das Europäische Powerhouse für High Value Electronics zu sein. Dazu gehört auch, jetzt daran zu denken, wie unsere Industrie in zehn, zwanzig Jahren aussehen wird und gezielt in diese Felder zu investieren, um die Zukunft nicht als Zuschauer zu erleben, sondern sie mitzugestalten. Unser Claim heißt ganz bewusst „Lead the Category“, wir meinen das wortwörtlich.

Weitsichtigkeit und Mut zur Umsetzung

Meines Erachtens sollte man sich jetzt auf die Zeit nach den Materialengpässen nächstes Jahr vorbereiten und genau überlegen, wo man mit seinem Unternehmen hinmöchte. Für uns bedeutet das, den Markt weiter zu konsolidieren und in unsere Kunden und Projekte in den Bereichen eMobility, IoT, Renewables und Healthcare zu investieren. Als nächstes nämlich wird das Nadelöhr „Materialengpass“ beseitigt sein und dann werden wir erleben, dass die Entwicklungs- und Produktionskapazitäten nicht ausreichen werden, die Nachfrage zu befriedigen. Der Besteller eines Elektroautos, das jetzt wegen Materialmangel nicht produziert werden kann, storniert ja nicht seine Bestellung, er wartet zähneknirschend. Soll heißen: Wir schieben eine Welle vor uns her – wer dann liefern kann, ist der Gewinner.

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