Corona-Pandemie Ein Jahr Corona-Warn-App – Was hat sie gebracht?

Redakteur: Kristin Rinortner

Die Corona-Warn-App ist jetzt seit einem Jahr verfügbar und mit 28,1 Mio. Downloads sicher die erfolgreichste App der Bundesregierung. Hat die CWA gebracht, was viele erhofften? Ein Resumee.

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Corona-Warn-App: Am 16. Juni 2021 ist die CWA seit einem Jahr auf dem Markt. Eine erste Einschätzung zur Wirksamkeit hat die Bundesregierung jetzt vorgelegt.
Corona-Warn-App: Am 16. Juni 2021 ist die CWA seit einem Jahr auf dem Markt. Eine erste Einschätzung zur Wirksamkeit hat die Bundesregierung jetzt vorgelegt.
(Bild: SAP / Telekom)

Seit dem 16. Juni 2020 stellt die Bundesregierung die Corona-Warn-App (CWA) zur Verfügung. Die App ist ein Bestandteil der deutschen Strategie, die SARS-CoV-2-Pandemie in den Griff zu bekommen.

Mit der Corona-Warn-App lassen sich Infektionsketten in Deutschland schneller und umfassender nachverfolgen und durchbrechen. Eines steht jetzt schon fest, die App, die von SAP und T-Systems agil und open source entwickelt wurde, ist die mit Abstand erfolgreichste App der Bundesregierung.

Die Kernfunktion der Corona-Warn-App besteht darin, Risikobegegnungen zu erfassen und Menschen zu warnen, die mit Infizierten in Kontakt gekommen sind.

Daneben sind weitere Funktionen wie die Eventregistrierung (Check-in-Funktion), die Anbindung von Antigen-Schnelltestergebnissen und ein digitaler Impfpass hinzugekommen (Bild 1).

Bild 1: Die wesentlichen Entwicklungsschritte bei der Corona-Warn-App.
Bild 1: Die wesentlichen Entwicklungsschritte bei der Corona-Warn-App.
(Bild: Bundesregierung)

Ab Version 2.4 (aktuell ist die Version 2.3.3 (0), das Update kommt voraussichtlich ab 21. Juni 2021) werden auch länderübergreifend in Europa gültige Zertifikate (Impfnachweis, Schnelltest, PCR-Test, Familienfunktion) verfügbar und auslesbar sein.

Hinweis der Redaktion: Die App meldet leider nicht automatisch ihre Aktualisierungen und aktualisiert auch nicht auf die aktuellste Version, sollten Sie eine Aktualisierung übersehen haben.

Die Technik hinter der Corona-App

Die CWA basiert auf Bluetooth Low Energy (BLE) und verwendet das Exposure Notification Framework (ENF) von Apple und Google für das Contact Tracing (Kontaktnachverfolgung). Die App folgt einem dezentralen technischen Ansatz: die Daten werden auf den mobilen Endgeräten verwaltet und anonymisiert an das Robert Koch Institut (RKI) weitergeleitet.

Im vierten Quartal 2020 ist die deutsche Corona-App in der ersten Gruppe in Europa live gegangen und es wurde ein Gateway für digitale Zertifikate gebaut.

Bislang (Stand 3. Juni 2021) verzeichnete die Bundesregierung 28,1 Mio. Downloads und mehr als 475.000 Nutzer haben ein positives Testergebnis geteilt. Insgesamt wurden mehr als 15,5 Mio. (negative und positive) Testresultate übermittelt, über 3 Mio. Personen gewarnt und mehr als 6 Mio. Schnelltestergebnisse weitergeleitet.

Nutzen der Warn-App: Auswertung der Datenquellen

Von Anfang an hatte die Bundesregierung geplant, die Daten auf einer wissenschaftlichen Basis auszuwerten, um den Nutzen der CWA zu bewerten. Da aufgrund des dezentralen und anonymisierten Ansatzes keine Daten gesammelt werden, wurden als repräsentative Datenquellen die Datenspende (Privacy Preserving Analytics) und der Event-Driven User Survey (EDUS) genutzt.

Datenspende: Über die Funktion der Datenspende haben Nutzer der CWA seit dem Release 1.13 vom 4. März 2021 die Möglichkeit, unter Wahrung ihrer Privatsphäre epidemiologisch relevante Nutzerdaten zu spenden. Die Daten umfassen beispielsweise Informationen zur Risikoberechnung, zu den Testergebnissen oder zur Freigabe des eigenen Zufallscodes nach einem Positivtest. Die Daten werden einmal täglich auf dem CWA-Server abgefragt und können anschließend aufbereitet und ausgewertet werden.

EDUS: Die ereignisbezogene Befragung EDUS ist eine Online-Befragung, zu der Nutzer eingeladen wurden, die über die CWA ein erhöhtes Risiko (rote Warnung) erhalten hatten. Ziel der Befragung war es, Rückmeldungen zur App-Anwendung und wichtige Erkenntnisse über das Verhalten der Nutzer bei einer roten Warnung zu gewinnen. Die Erhebung umfasste eine Basisbefragung und eine Folgebefragung (5 Tage später). Der Erhebungszeitraum war vom 4. März 2021 bis 27. Mai 2021.

Corona-Warn-App: Einschätzung zur Wirksamkeit

Diese Datenanalysen erlauben eine erste Einschätzung zur Wirksamkeit der CWA. Laut Bundesregierung zeigte sich, dass CWA-Nutzer häufig über die rote Warnung überrascht sind und infolge der Meldung ihr Verhalten anpassen und Maßnahmen ergreifen, um eine mögliche Infektion anderer, zu verhindern. Nutzende, die ein erhöhtes Risiko haben, lassen sich in der Regel testen.

Die Wahrscheinlichkeit eines positiven Testergebnisses ist bei CWA-Nutzenden mit roter Warnung gegenüber der Gesamtbevölkerung deutlich erhöht und entspricht etwa der Positivrate, die bei der analogen Kontaktnachverfolgung beobachtet werden kann.

Im Falle eines positiven Testergebnisses geben die CWA-Nutzer dieses auch über die Corona-Warn-App weiter, um Kontakte zu warnen. Die CWA leistet laut Bundesregierung somit einen wichtigen Beitrag, um Infektionsketten zu unterbrechen. Der Nutzen der CWA kann zudem mit jedem zusätzlichen Anwender weiter gesteigert werden.

Die Analyse und Ergebnisse sind vorläufig und werden im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit differenziert ausgewertet. Das RKI wird diese Studie im Herbst veröffentlichen.

Unser Fazit: Ein Jahr Corona-Warn-App

SAP und Telekom-Systems haben die Corona-Warn-App in erstaunlich kurzer Zeit entwickelt und Quellcode und Architektur auf GitHub komplett veröffentlicht und ausführlich dokumentiert. Das gilt für alle Entwicklungszyklen. So war die Beteiligung einer unabhängigen Entwickler-Community möglich. Das schafft Vertrauen und Akzeptanz.

Durch die Zusammenarbeit mit Apple und Google (Freigabe des Exposure Notification Framework) konnte die App breit ausgerollt werden.

Die App ist anwenderfreundlich gestaltet und einfach zu nutzen. Mittlerweile bietet sie noch einige nette Features wie ein Kontakttagebuch, eine private Eventregistrierung oder Kennzahlen zum aktuellen Infektionsgeschehen in Deutschland. Nicht zuletzt passt auch die Anbindung von PCR-und Schnelltests sowie einer Impfung mittels QR-Code in das Gesamtbild.

Alle Funktionen der App sind europaweit nutzbar und die Zertifikate (Impfung, PCR-Test etc) werden länderübergreifend zuverlässig ausgelesen. Zertifikate von Personen, die kein eigenes Smartphone besitzen (Senioren oder Kinder), sind durch die Familienfunktion berücksichtigt.

Akribischen Wert legte die Bundesregierung (BFDI / BMI) von Anfang an auf den Datenschutz. Das verzögerte teilweise die neuen Release, macht die Daten aber durch die zahlreichen Kreuztests sehr sicher.

Viel Arbeit wurde zudem in die Justierung von Bluetooth Low Energy gesteckt, eine Funktechnik, mit der sich Geräte in einer Umgebung von etwa 10 m vernetzen lassen und auf der der Warnalgorithmus beruht. Dazu wurden Reichweite und Energieverbrauch sowie verschiedene Szenarien (ÖPNV, Restaurantbesuch, Büroumgebung, Plexiglasscheiben an der Kasse etc) ausgiebig getestet.

Die App war anfangs aufgrund ihrer Datensicherheit und Verzögerungen, später wegen ihrer Wirksamkeit umstritten. Auch das Hochladen von negativen Testergebnissen klappte zeitweise nicht, von der schlechten technischen Anbindung des Backends in Gesundheitsämtern und Arztpraxen ganz zu schweigen.

Aber 28,1 Mio. Downloads zeigen die letztliche Akzeptanz dieses großen sozialen Experiments. Die Bundesregierung zeigt sich zufrieden mit den Download-Zahlen. Für uns könnten es ruhig noch einige zehntausend zusätzliche Downloads sein, denn je mehr Personen die CWA nutzen, desto besser wird das Contact Tracing.

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