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Mutmacher Ein gutes Krisenmanagement ist entscheidend

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Der Stromversorgungshersteller Recom war gut auf die Corona-Krise vorbereitet, wie der CEO der Recom-Gruppe Karsten Bier uns im Interview erläuterte. Damit hielten sich die Probleme in Grenzen.

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Karsten Bier: „Wir sind für die neue Normalität gewappnet und hoch motiviert, die Zukunft mit zu gestalten.“
Karsten Bier: „Wir sind für die neue Normalität gewappnet und hoch motiviert, die Zukunft mit zu gestalten.“
(Bild: RECOM)

ELEKTRONIKPRAXIS: Welche Probleme traten in Ihrem Unternehmen während der COVID-19-Krise auf?

Karsten Bier: Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und waren für den eingetretenen Ernstfall gut aufgestellt. Insgesamt haben sich die Probleme in der Recom-Gruppe in Grenzen gehalten. Wir hatten einen an Corona erkrankten Mitarbeiter, der aber wieder genesen ist. Aufgrund der vorausschauenden Vorbereitung, unserer globalen Design- und Fertigungsstruktur sowie der Systemrelevanz unserer Produkte konnten wir unseren Betrieb an sämtlichen Standorten aufrechterhalten. Überschaubare Probleme gab es lediglich in der Komponentenbeschaffung und beim Transport.

Konnten die Lieferketten aufrechterhalten werden?

Die Handhabung der Lieferketten ist ein dynamischer Prozess. Jeder Stromversorgungshersteller wird mehr oder weniger von den Problemen hinsichtlich der Lieferkette betroffen sein. Inzwischen sind es einzelne Komponenten und Halbleiter, die uns Sorgen bereiten. Je länger die Probleme andauern, desto wichtiger wird der Lagerbestand!

Entscheidend wird der weitere Verlauf der Krise sein. Werden wir eine W-, U- oder eine V-Kurve sehen? Letztere wird von einigen vorhergesagt. Nach dieser Theorie wird dem rapiden Niedergang im Shutdown ein ebenso schneller Aufschwung nach dem Exit folgen.

Tritt dies ein, werden wir wieder in der Bauelemente-Allokation sein – und das unabhängig davon, wie massiv der Aufschwung sein wird. Sehen wir eine U-Kurve, die nach jetzigem Stand der Dinge wahrscheinlicher ist, wird es die Allokation nicht geben.

In makroökonomischer Hinsicht wird viel Geld in den Markt gepumpt werden, und es wird spannend zu sehen sein, wie schnell sich unsere Fokusindustrien wie Medizin, E-Mobility, Transport, Energie, 5G etc. entwickeln und sich die Lieferketten verändern werden. Gerade der 5G-Bedarf wird die Lieferketten vor große Herausforderungen stellen und könnte zu einer De-Fokussierung und einer damit einhergehenden Allokation führen.

Aufgrund der Erfahrungen aus China haben wir uns auch sehr bald damit beschäftigt, wie wir die Supply Chain zu unseren Kunden sicherstellen können, falls eines unserer Logistikzentren durch einen Shutdown unmittelbar betroffen sein sollte. Wir haben sehr bald entsprechende Notfallpläne und -szenarien entwickelt, um im Bedarfsfall gleichsam auf Knopfdruck reagieren zu können.

Wann tritt aus Ihrer Sicht eine Normalisierung des Geschäfts ein?

Die Glaskugel sagt, dass es im ersten und zweiten Quartal 2021 erhebliche Unterschiede in den verschiedenen Industriebereichen geben wird. Der Kraftfahrzeug- und Flugzeugbau wird sicher noch lange die Nachwehen dieser beispiellosen Krise spüren, während sich Branchen wie die Medizintechnik, Bahntechnik, E-Mobility, Telekomunikation etc. gut entwickeln dürften. Klar ist aber auch, dass das Geschäft, das in der Automobilbranche, bei den Zulieferern der Automobilbranche, aber natürlich auch im Konsumbereich in den letzten Monaten verloren ging, sich nur bedingt wieder aufholen lässt.

Werden wir wieder zu einem „Normalzustand“ wie vor der Krise zurückkehren oder werden sich Prozesse und Abläufe künftig ändern?

Die neue Normalität wird für uns alle eine andere sein. Das Modell der Globalisierung steht nicht erst seit Corona unter Druck. Geopolitische Entscheidungen, Handelsbarrieren, nachhaltiger Umweltschutz etc. werden unser zukünftiges Geschäft und unser Handeln beeinflussen. Die stärkere Nutzung moderner Kommunikationsmittel wird die Reisetätigkeit der Menschen verringern, und auch der Einsatz von künstlicher Intelligenz wird sicher ein wesentlicher Bestandteil der neuen Normalität sein. Priorität sollte jetzt die Bekämpfung des Corona-Virus sowie der Erhalt und die Neuorientierung unserer bisher so erfolgreichen Wirtschaft haben.

Wann trifft das aus Ihrer Sicht ein?

Wir befinden uns bereits im Prozess, die neue Normalität zu schaffen. Die Politik hat begonnen, Entscheidungen zu treffen, die den Binnenmarkt Europa stärken sollen. Aufgrund geopolitischer Entscheidungen steht unser bisheriges, vom Export getriebenes Modell auf wackligen Beinen. Wir müssen unseren eigenen Markt in Europa stärken und sozusagen auf neue, festere Beine stellen. Hightech aus Europa muss auch in Europa zum Einsatz kommen – das gilt es zu forcieren. Wir schauen positiv auf die neue Normalität und ihre vielen Möglichkeiten.

Diesen Beitrag lesen Sie auch in der Fachzeitschrift ELEKTRONIKPRAXIS Ausgabe 15/2020 (Download PDF)

Welche Lerneffekte haben Sie aus der Krisensituation mitgenommen, und fühlen Sie sich für die Zukunft gewappnet?

In einer Gleichung können Variablen schnell zu Konstanten werden! Ein gutes Krisenmanagement ist von entscheidender Bedeutung. Das war und ist für uns ein Kernbestandteil der Marke RECOM. Wir sind für die neue Normalität gewappnet und hoch motiviert, die Zukunft mit zu gestalten.

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