Produktion und Handel von Leuchten und Leuchtmitteln Ein Blick in die neuen Vorgaben

Autor / Redakteur: Klaus Ludwig * / Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Niederspannungsrichtlinie, Ökodesign-Richtlinie und weitere EU-Normen regeln die Produktion und Handel von Leuchten und Leuchtmitteln. Die Zuordnung ist komplex. Ein Blick in die Vorgaben lohnt sich.

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LED-Leuchten: Eine unabhängige Prüfstelle sollte Leuchten und Leuchtmittel zertifizieren und testen, bevor sie verkauft werden. So spart sich der Hersteller teure Klagen und Abmahnungen.
LED-Leuchten: Eine unabhängige Prüfstelle sollte Leuchten und Leuchtmittel zertifizieren und testen, bevor sie verkauft werden. So spart sich der Hersteller teure Klagen und Abmahnungen.
(Bild: © Osterland - Fotolia)

Die Herstellung und der Handel von Leuchten und Leuchtmitteln sind durch die Niederspannungsrichtlinie, die Ökodesign-Richtlinie und weitere EU-Normen schon heute einer starken Regulierung ausgesetzt. Bis zum Jahr 2016 werden bestehende Regeln durch neue ersetzt oder ergänzt. Dabei steigen nicht nur die Ansprüche an Energieeffizienz und Verbrauchersicherheit. Vielmehr kann bereits die richtige Zuordnung von Produkt und Richtlinie komplex sein. Um Leuchten und Leuchtmittel regelkonform in Umlauf zu bringen, lohnt sich daher ein genauer Blick auf die Vorgaben.

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Die aktuellen Regulierungsrunden der EU in Bezug auf Leuchten und Leuchtmittel zielen auf verbesserte Sicherheits- und Effizienzstandards ab. Während die Niederspannungsrichtlinie 2014/35/EG und die Richtlinie über die elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) ihre Vorgängerrichtlinien 2006/95/EG oder 2004/108/EG im April 2016 ablösen, befinden sich nachgeordnete Kommissionsverordnungen der Ökodesign-Richtlinie 2009/125/EG in der Implementierungsphase. Für Hersteller und Importeure kommen damit stufenweise weitere Anforderungen an die Produktgestaltung hinzu.

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Das ist bei gerichtetem Licht wichtig

In der Verordnung 1194/2012/EG für gerichtetes Licht ist festgelegt, welche Informationen vom Hersteller zugänglich zu machen sind. Unterschieden wird zwischen Informationen, die auf der Lampe selbst, auf der Verpackung und im Internet verfügbar sein müssen.

  • Auf die Lampe: Informationen zu Halbwertswinkel, Farbtemperatur und Lichtstrom.
  • Auf der Verpackung: Die Informationen, die auch auf der Lampe zu finden sind, sowie beispielsweise Informationen zu Anlaufzeit, Zahl der Schaltzyklen, anderen als Normbedingungen, Abmessungen sowie als Grafik eine vergleichende Darstellung zwischen Lampe und zu ersetzender Glühlampe.
  • Im Internet: Die Verpackungsinformationen sowie zusätzlich Informationen zu Lichtstromerhalt am Ende der Lebensdauer einer Leuche. Außerdem Informationen zu Zündzeit und spektralen Strahlungsverteilung von 180 bis 800 nm.

Das CE-Zeichen ist keine Zertifizierung

Denn die Verantwortung dafür, dass die Produkte den Regeln entsprechen, liegt vor allem bei ihnen. Hält das Produkt den Ansprüchen eines Konformitätsbewertungsverfahrens stand, kann es mit dem CE-Kennzeichen versehen und in den Handel gebracht werden. Das CE-Zeichen ist jedoch keine Zertifizierung, sondern lediglich eine Selbstauskunft. Entsprechen Erzeugnisse nicht den vorgegebenen Standards, werden sie schnell auf die Rapex-Liste gesetzt, die offiziell vor gefährlichen Produkten warnt. Durch rechtzeitige Prüfung kann das jedoch vermieden werden.

Die Niederspannungsrichtlinie 2014/35/EG löst im April 2016 die bis dahin gültige 2006/95/EG ab. Sie soll die Sicherheit elektrischer Geräte durch strengere Auflagen verbessern. Betroffen sind Betriebsmittel, die bei einer Nenn-Betriebsspannung zwischen 50 und 1000 V bei Wechselstrom bzw. zwischen 75 und 1500 V bei Gleichstrom eingesetzt werden sollen. In mehreren Normen finden sich detaillierte Anforderungen an Leuchten und Leuchtmittel. Die DIN EN 62560 beispielsweise verlangt für LED mit eingebautem Vorschaltgerät elektrische Sicherheit, Hochspannungsfestigkeit sowie eine gegebene Abdrehfestigkeit bei Alterung. Für LED als Ersatz für T5/T8 muss nach EN 62776:2015 zudem die Austauschbarkeit einfach und sicher gegeben sein. DIN EN 62031 etwa sieht für LED-Module einen Isolationswiderstand vor, während LED-Leuchten gemäß DIN EN 60598-1 oder DIN EN 60598-2-x standfest sein müssen.

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Originalbeitrag als ePaper oder im pdf-Format lesen

Dieser Autorenbeitrag ist in der Printausgabe ELEKTRONIKPRAXIS 23/2015 erschienen. Diese ist auch als kostenloses ePaper oder als pdf abrufbar.

Zertifizierung einer LED und ihr Zubehör

Um über das CE-Kennzeichen hinaus die Regelkonformität von Produkten nachzuweisen, bieten sich unterschiedliche Zertifizierungen an. Für LED-Module, LED-Lampen, Vorschaltgeräte bzw. LED-Leuchten sind das im Detail: GS, ENEC, ENEC+, CB und NRTL. Welche Zertifizierung angestrebt werden sollte, hängt aber wesentlich davon ab, für welchen Markt das Produkt bestimmt ist. So empfiehlt es sich, bei weltweiter Zertifizierung zunächst das CB-Zertifikat zu verwirklichen. Jedoch ist zu beachten, dass selbst Erzeugnisse, die eine Zertifizierung erfolgreich durchlaufen haben, bei unsachgemäßer Verwendung ihren Status verlieren können.

Sobald Menschen in Kontakt mit Licht kommen muss sichergestellt sein, dass Leuchten und Leuchtmittel photobiologisch sicher sind. Denn kritische Spektren des Lichts können die Netzhaut schädigen und sogar Sonnenbrände verursachen. Und nicht jede LED-Leuchte ist zur Beleuchtung vorgesehen. Das sind beispielsweise Lampen, die zur Härtung von Nagellack genutzt werden. Hier sind zudem Belichtungszeiten zu beachten. Um Personenschäden und deren kostspielige Folgen zu vermeiden, sollten photobiologische Eigenschaften frühzeitig getestet werden.

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