Mensch-Maschine-Interface Ein Baukastensystem für Mensch-Maschine-Schnittstellen

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Damit das künftige HMI-System auch zum Kunden passt, geht Spezialist SIE. ganz eigene Wege. Doch es lohnt sich für beide Seiten. Die Entwickler von SIE arbeiten nicht nur für, sondern auch mit dem Kunden zusammen.

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Baukasten für HMI: SIE entwickelt gemeinsam mit seinen Kunden an kompletten Eingabesystemen. Obwohl die Hardware auf dem ersten Blick dominiert, nimmt die Software mit 70 Prozent einen wichtigeren Anteil bei der Entwicklung ein.
Baukasten für HMI: SIE entwickelt gemeinsam mit seinen Kunden an kompletten Eingabesystemen. Obwohl die Hardware auf dem ersten Blick dominiert, nimmt die Software mit 70 Prozent einen wichtigeren Anteil bei der Entwicklung ein.
(Bild: SIE)

Ein HMI-System sollte vor allem eines sein: einfach zu bedienen. Hier fließen die unterschiedlichen Anforderungen der Auftraggeber ein: von Design bis zur Usability. Für die Eingabesysteme bietet System Industrie Electronic spezielle Hard- und Softwarebausteine an. Doch so ein Kundenprojekt ist jedes Mal wieder eine besondere Aufgabe. Das bestätigt auch Josef Krojer, der bei SIE für den Vertrieb sowie Marketing verantwortlich ist: „Wir entwickeln für unsere Kunden basierend auf unseren HMI-Baukasten (Touchscreen, Displays, Embedded-Controller inklusive elektrische Schnittstellen) ein maßgeschneidertes Produkt.“

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Die enge Zusammenarbeit mit dem Kunden ist ein entscheidendes Kriterium, wenn ein HMI entwickelt wird. „Wir schicken nicht nur einfach unsere Entwickler zum Kunden, sondern sie sollen direkt beim Kunden mitarbeiten, ein Gefühl für die Anforderungen bekommen. Nur so können wir lernen, was für Anforderungen unser Kunde hat. In diesem Zusammenhang spielt auch das Thema Design to Cost eine entscheidende Rolle. Immerhin werden 80 Prozent der Kosten hineinentwickelt“, fasst es Krojer zusammen. Auch auf bereits entwickelte Systeme kann zurückgegriffen werden und man muss nicht von Null beginnen.

Neben den erwähnten Hardwarebausteinen spielt die Software bei einem HMI-System eine wichtige Rolle. Diese ist sogar bedeutender, wie der Vergleich zeigt: Der Anteil an Hardware liegt bei 30 Prozent, bei der Software sind es 70 Prozent. Das erfordert zwar aufwendige Software-Tests, doch greift SIE auf ein eigens entwickeltes Linux-Derivat zurück, das unabhängig von der jeweils verwendeten Elektronik ist. So lassen sich unterschiedliche Leistungsvariablen und eine differierende Rechenleistung für unterschiedliche Gerätetypen und Anforderungen erfüllen.

Der HMI-Baukasten aus Hard- und Software

Schauen wir noch einmal auf die Hardware des Baukastens: Zum Einsatz kommt eine Mehrkern-Plattform mit einer CPU. Kunden können aus verschiedenen Display-Formaten zwischen 5 bis 12 Zoll wählen. Den passenden Display-Adapter liefert der Spezialist mit. Dabei reicht die Spanne der Displays von preiswerten bis zu hochpreisigen Geräten.

Wählbar ist auch, ob die Displays mit einer Touch-Funktion ausgestattet sein sollen oder nicht. Die eingesetzten Mikrocontroller werden in der Programmiersprache C/C++ programmiert. Attraktiv ist das Angebot von SIE, dass Kunden jederzeit flexibel in den Entwicklungsprozess ein- oder auch wieder aussteigen können. Dabei unterstützt SIE seine Kunden von der kompletten Entwicklung bis zum fertigen Produkt.

Wert legt man auf die Abstimmung des sogenannten Produkt-Entstehungsprozess, kurz PEP. Dabei ist jeder Schritt im Entwicklungsprozess transparent, auch dank des Dokumentenmanagements. Ebenfalls wichtig für den Kunden ist die Langzeitverfügbarkeit von Komponenten und Bauteilen. Im Schnitt garantiert das Unternehmen sieben bis zehn Jahre auf seine Hardware.

„Unsere Philosophie ist es, ein Baukastensystem für den Kunden anzubieten, das konfigurier- und anpassbar ist. Bei uns steht der Kunde im Vordergrund“, fasst es Krojer zusammen. Wichtig ist auch, dass der Kunde immer an der Wertschöpfungskette beteiligt ist: Das beginnt von der Idee, über die Entwicklung bis zum fertigen Produkt. Beide Seiten lernen viel voneinander. „Wir als Lösungsanbieter müssen für den aufwendigen Prozess den Kunden und sein Anliegen in allen Ebenen nachvollziehen können.

Wenn wir dem Kunden sagen, wir wollen seine Arbeitsweisen und -abläufe verstehen, dann stößt das zu Beginn auf Skepsis. Doch schnell sieht der Kunde ein, dass es durchaus sinnvoll ist, wenn wir einen Einblick in seine Arbeitsweise bekommen“, berichtet Markus Dillinger, der bei SIE für die Entwicklung verantwortlich ist. Dabei übernimmt der HMI-Spezialist die Aufgaben, von dem er auch das notwendige Know-how mitbringt. „Die Kernkompetenz unserer Kunden bleibt davon unberührt. Somit entsteht eine perfekte Ergänzung und Beziehung“, bringt es Josef Krojer auf den Punkt.

Medizinisches Umfeld und Labor

Ein wichtiges Geschäftsgebiet des HMI-Spezialisten sind Produkte für das medizinische Umfeld und das Labor. Deshalb sieht das Unternehmen auch hier noch viele Chancen, um zu wachsen. Auch die Technik wird sich hier weiter entwickeln. „Künftig werden wir Proben im Labor nachverfolgen oder Daten mit einer App auf einem Gerät sammeln. Zudem werden die medizinischen Geräte künftig immer mehr vernetzt sein. Dann kommt das wichtige Thema Datensicherheit ins Spiel“, blickt Krojer in die Zukunft.

„Wir werden uns künftig mehr auf Symposien mit unsern Kunden austauschen müssen. Auch das hilft, die Arbeitsweisen zu verstehen und auch um künftige Entwicklungen mitzubekommen. Dank unseres modularen Konzepts sind wir heute schon gerüstet und flexibel, auf kommende Anforderungen eine Lösung anzubieten“, fasst es Entwicklungschef Dillinger zusammen.

Was SIE heute schon lebt und was in den nächsten Jahren wichtiger wird, ist die unmittelbare Nähe zum Kunden. Dazu gehört es auch, flexibel auf den Markt zu reagieren. Das zeigen auch die Wachstumszahlen von System Industrie Electronic aus dem Jahr 2015 von 20 Prozent.

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