Eignet sich das Smart Home für einen sicheren Einbruchschutz?

| Redakteur: Hendrik Härter

Fenster sind eine mögliche Schwachstelle im Gebäude. Fenstergriffe können mit Sensorik und Funk ausgestattet sein, um Auffälligkeiten melden.
Fenster sind eine mögliche Schwachstelle im Gebäude. Fenstergriffe können mit Sensorik und Funk ausgestattet sein, um Auffälligkeiten melden. (Bild: Schellenberg)

Die Sicherheit der eigenen vier Wände ist wichtig, doch gleich eine Einbruchmeldeanlage zu installieren ist nicht immer zweckmäßig. Kann ein Smart Home den Schutz nebenbei mit erledigen? Ein Pro und Contra.

Eine Einbruchmeldeanlage soll, wie der Name schon sagt, einen Einbruch melden. Dazu werden Sensoren an der Außenhaut eines Gebäudes installiert. Sie registrieren, wenn diese verletzt wird. Je nach Wert der zu schützenden Güter gibt es bestimmte Anlagen-Klassifizierungen. Ein Juwelier oder eine Sparkassenfiliale mit Geldausgabeautomat im 24 Stundenbetrieb muss anders geschützt werden, als eine Klempnerwerkstatt.

Bei hohen Werten und hoher Gefährdung darf von der Alarmanlage sogar die Polizei direkt angerufen werden, sonst ein Sicherheitsdienstleister, der den Alarm erst einmal verifiziert, bevor er die Polizei alarmieren darf. Die Sicherheitsbranche setzt auf zertifizierte Produkte und Montage durch dafür zertifizierte Installateure, so genannte Errichter.

Sensoren im Fenster und in den Griffen

Magnetkontakte an oder mechanische Kontakte in den Fensterrahmen und die passenden Fenstergriffe melden die jeweilige Position: auf, zu, gekippt. Moderne smarte Fenstergriffe wie von Schellenberg enthalten Erschütterungssensoren. Sie melden, wenn sich jemand mechanisch an den Fenstern zu schaffen macht.
Magnetkontakte an oder mechanische Kontakte in den Fensterrahmen und die passenden Fenstergriffe melden die jeweilige Position: auf, zu, gekippt. Moderne smarte Fenstergriffe wie von Schellenberg enthalten Erschütterungssensoren. Sie melden, wenn sich jemand mechanisch an den Fenstern zu schaffen macht. (Bild: Schellenberg)

Häuser mit Einbruchmeldeanlage erkennt man meist sehr gut am roten Rundumlicht und Sirenenkasten. Tatsächlich wirkt dieses Alarmlicht auf die meisten Gelegenheitseinbrecher als Abschreckung. Sie suchen sich lieber einfachere, ungesicherte Objekte. Die Einbruchmeldeanlage stellt nicht nur fest, dass es einen Einbruch gegeben hat, sondern sie hat auch eine abschreckende Wirkung. Und diese ist den meisten Bürgern häufig sogar viel wichtiger. Man möchte ja nicht die Arbeit der Polizei machen und Einbrecher fangen, sondern man möchte, dass gar nicht erst eingebrochen wird.

Smart-Home-Systeme und -Produkte werden aus drei Motiven angeschafft: Man möchte entweder mehr Komfort bzw. das Heim soll altersgerecht sein, man möchte Heizenergie sparen oder man möchte die häusliche Sicherheit verbessern. Im besten Fall alles zusammen. Doch wie ist es mit der Einbruchsicherheit bestellt? Magnetkontakte an oder mechanische Kontakte in den Fensterrahmen und die passenden Fenstergriffe melden die jeweilige Position: auf, zu, gekippt. Moderne smarte Fenstergriffe wie von Schellenberg enthalten Erschütterungssensoren. Sie melden, wenn sich jemand mechanisch an den Fenstern zu schaffen macht.

Qualität beim Smart Home

Bewegungssensoren erkennen, wenn sich jemand dem Gebäude nähert. Doch auch im Gebäude selbst kann Smart Home ungewöhnliche Aktivitäten melden. Einige Produkte enthalten beispielsweise Mikrofone, die sich melden, wenn der Geräuschpegel im Haus ansteigt, obwohl niemand im Gebäude sein sollte. Auch ein normaler Lichtschalter wird zum Alarmsensor. Wenn offiziell niemand zuhause ist, kann eigentlich niemand, außer einem Einbrecher, den Lichtschalter betätigen. Die Sensortechnik zwischen guten Smart-Home-Systemen und guten Einbruchmeldeanlagen unterscheidet sich in der Realität nicht. Bei beiden Kategorien gibt es allerdings auch windige Produkte.

Der zertifizierte Sicherheitsfachmann wird diese allerdings erkennen und nicht verwenden. Wer unerfahren ein Smart Home installiert, hat oftmals nicht die nötige Erfahrung oder kauft günstigere Produkte. Werden allerdings Qualitätsprodukte gewählt und diese sorgfältig und fachgerecht verbaut, ist eine Smart-Home-Sensorik mindestens gleichwertig. Mindestens deshalb, weil sich alle Sensoren des Hauses eben auch Licht- und Rolloschalter einbeziehen lassen.

Cloud-Dienste sicherer als E-Mail

Was soll passieren, wenn die Sensorik eine abnormale Aktivität erkennt? Automatisiert die Polizei informieren ist ausgeschlossen. In der Regel wird das Smart Home seine Bewohner informieren. Das geschieht über einen sicheren Cloud-Service und nicht per E-Mail oder SMS. Letztere sind von den Laufzeiten nicht kalkulierbar. Professionelle Cloud-Messagedienste wie Push Over haben sich als sehr schnell, zuverlässig und durch hohe Verschlüsselung als sehr sicher herausgestellt. Ist nun die Alarmmeldung auf dem Smartphone der Bewohner der betroffenen Wohnung, muss ein Fehlalarm ausgeschlossen werden.

Dazu ist es notwendig, dass jemand das Objekt in Augenschein nimmt. Das heißt entweder hingehen und nachsehen, oder per Life-Kamera ins Objekt schauen. Das wiederum setzt voraus, dass mindestens eine Videokamera im Haus oder Wohnung installiert und in Betrieb ist. In den ersten Monaten dieses Jahres hat es zumindest in Nordrhein-Westfalen einige Festnahmen auf frischer Tat aufgrund von Smart-Home-Alarmen gegeben.

Die Alarmanlagenbranche wird zwei Argumente gegen Smart Home ins Feld führen. Erstens: Was passiert, wenn von den Einbrechern das Telefonkabel und damit das Internet gekappt wurde? Gibt es einen alternativen Übertragungsweg? Ja, den gibt es. Inzwischen sind günstige GSM-Module im Handel, die bei Ausfall der bevorzugten Leitung das Mobilfunknetz zur Weiterleitung des Alarmes nutzen. Ein Hineinschauen per Kamera gestaltet ich dann allerdings schwierig, wenn auch nicht unmöglich. Eine praktische Alternative zum GSM-Modul ist ein ausgedientes einfaches Handy, dass per Bluetooth mit dem Heimnetz verbunden wird und Alarmdaten einschließlich Fotos sendet.

Keine Argumente gegen Smart Home

Das zweite Argument gegen Smart Home ist die fehlende „Zwangsläufigkeit“. Der Begriff aus der Sicherheitstechnik meint, Vorkehrungen zu treffen, damit nur dann Alarm ausgelöst wird, wenn tatsächlich ein außergewöhnliches Ereignis eingetreten ist. Dadurch soll die Zahl der Falschalarme auf ein Minimum reduziert werden. Man sorgt beispielsweise dafür, dass die Räume, die durch die Einbruchmeldeanlage überwacht werden, nur dann betreten werden können, wenn die Einbruchmeldeanlage zuvor unscharf geschaltet wurde. Ausgeschlossen ist auch, einen Alarm auszulösen, wenn die Einbruchmeldeanlage vergessen wurde, scharf zu schalten.

Außerdem sorgt man dafür, dass die Einbruchmeldeanlage nur dann scharf geschaltet werden kann, wenn alle Sensoren, Aktoren und Verschlüsse ordnungsgemäß arbeiten und keine technischen Störungen vorliegen. Beide Voraussetzungen lassen sich mit Smart-Home-Komponenten einrichten. Als Beispiel sei der so genannte Alarm-Block in der Smart-Home-Software myHomeControl von BootUp genannt. Er berücksichtigt dies als Standard. Ein auch nicht perfekt geschulter Installateur kann damit nichts falsch machen.

Ein gute gebautes Smart Home mit Vibrationssensoren und sogar Bewegungsmeldern an den Fenstern erkennt einen Einbruchsversuch innerhalb von Sekunden. Das kann dazu führen, dass nicht heruntergefahrene Rollläden reagieren und so dem potentiellen Einbrecher signalisieren „ich habe dich erkannt und du kommst hier nicht rein“. Als Konsequenz wird der Eindringling das Weite suchen. Findet so ein Versuch nachts statt, reicht oftmals das Einschalten des Licht im Haus. Das signalisiert: Wir haben Dich gehört und kommen gleich.

Spähen Kriminelle das Smart Home aus?

Doch die beste Verteidigung ist es, wenn ein Einbruchsversuch ganz vermeiden wird. Beispielsweise durch Abschreckung. Ein gut sichtbar montiertes rotes Alarmlicht-Modul hat seine Wirkung. Sehr gut funktionieren sichtbar angebrachte Kameras. Ein bewährtes Mittel ist die Anwesenheitssimulation. Da das Smart Home Jalousien und Licht unter Kontrolle hat, kann es dem äußeren Betrachter leicht ein bewohntes Haus vorspielen. Rollos fahren am Vorabend „auf Lücke“, damit man von außen das Licht hindurch schimmern sieht. Nachts ist alles verschlossen und die Außenbeleuchtung, wenige Watt LED reichen völlig, erhöht das Risiko entdeckt zu werden. Morgens fahren die Rollläden nacheinander wieder in die Tagesposition. Hier kann Smart Home seine Gewerke übergreifenden Möglichkeiten voll ausfahren.

Immer wieder kommt die Frage auf, ob Kriminelle sich in das Heimnetz einhacken, um nachzusehen, ob jemand zuhause ist, um bei Abwesenheit einzubrechen. Damit wären die Bemühungen für ein sicheres Smart Home in Bezug auf einen Einbruchschutz kontraproduktiv. Theoretisch ist jedes Netzwerk zu knacken, es kommt auf den Aufwand und die verfügbare Zeit an. Einbrecher, die von ihrem Wissenstand her zu einer solchen Aktion in der Lage wären, hätten wohl einen gut bezahlten Job und müssten nicht einbrechen.

Abgesehen davon gibt es nach aktueller Auskunft des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen keinen einzigen solchen Fall, umgekehrt aber inzwischen einige Fälle, bei denen Smart-Home-Technik geholfen hat, Einbrecher auf frischer Tat festzunehmen. Gelegentlich in den Medien gezeigte spektakuläre Hacks gegen Türschlösser basierten immer darauf, dass keine Passwörter oder die berühmten „admin/admin“ gesetzt waren und das smarte Schloss damit ähnlich wie eine offene Haustür präsentiert wurde, also unter völlig unrealistischen, lebensfremden Bedingungen.

Eine klare Empfehlung für Smart Home

Es muss ganz klar festgehalten werden, wenn der Sachversicherer eine zertifizierte Einbruchmeldeanlage nach DIN EN 50131-x fordert, gibt es kein Argumentieren. Er sitzt am längeren Hebel. Möchte man jedoch als privater Mensch sein Heim sicherer machen, potentielle Einbrecher abschrecken, abwehren, notfalls auch alarmieren und per Foto und Video Beweise sichern, ist eine entsprechende Erweiterung eines guten Smart-Home-Systems mindestens ebenso wirkungsvoll. Als E- oder Haustechnik-Handwerker sollte man sich entsprechend weiterbilden und seiner Kundenzielgruppe ein smartes Security-Angebot unterbreiten. Umsatzvolumen und Kundenbindung lassen sich durch eine Security-Erweiterung durchaus erheblich verbessern.

Trotz Bedenken bei der Datensicherheit ist Smart Home beliebt

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