Eigenerzeugte Energie selbst verbrauchen statt einzuspeisen

| Autor / Redakteur: Herbert Wahl * / Gerd Kucera

Den Stromfluss zwischen Verbraucher und Stromnetz intelligent überwachen.
Den Stromfluss zwischen Verbraucher und Stromnetz intelligent überwachen. (Bild: ZIEHL)

Es ist sinnvoll zu überlegen, den PV-Strom nicht ins Netz zu liefern, sondern möglichst selber zu nutzen. Das kann wirtschaftlicher sein und die Amortisationszeit der Eigenerzeugungsanlage verkürzen.

Photovoltaikanlagen sind mittlerweile so günstig, dass selbst erzeugter Strom deutlich preiswerter ist, als man ihn vom Netzbetreiber kaufen kann. Die Anlagen stellen den Strom tagsüber zur Verfügung. Je nach Jahreszeit geschieht dies über einen unterschiedlich langen Zeitraum und außerdem abhängig vom Wetter.

Wird überschüssiger Strom in das Netz eingespeist, erhält man eine Vergütung in der Größenordnung von 12 Ct/kWh. Stellt die Eigenerzeugungsanlage dagegen keine (nachts) oder weniger Energie (morgens, abends) als benötigt zur Verfügung, dann muss man Strom zukaufen und dafür ca. 25 Ct/kWh bezahlen. Um die Anlage wirtschaftlich zu betreiben, heißt es deshalb, den Strom idealerweise dann zu verbrauchen, wenn er erzeugt wird. Erzeugung und Verbrauch müssen synchronisiert werden. Eine Alternative wäre es den Strom zu speichern bis erneut Bedarf besteht.

Auf den ersten Blick erscheint es am besten, die tagsüber verfügbare überschüssige Energie in eine Batterie zu laden und abends und nachts zu verbrauchen. Das setzt aber eine große Investition in Stromspeicher voraus. Damit diese Lösung wirtschaftlich wird, müssen die Speicherpreise deutlich fallen oder die Strompreise kräftig steigen.

Geht man von einem Strompreis von 25 Ct/kWh aus, so kann man bei angenommenen 200 Vollladungen im Jahr je installierte kWh Speicher, Strom im Wert von 50 Euro speichern. Zieht man aber die 12 Ct/kWh ab, die man bei Einspeisung für die Kilowattstunde bekommen hätte, verbleiben weniger als 30 Euro im Jahr. Bei einem angenommenen Preis für den Speicher von 1000 Euro je kWh muss der Strompreis schon erheblich steigen, damit sich der Speicher innerhalb seiner Lebensdauer amortisiert. Dies gilt auch, wenn die Anschaffung des Systems gefördert wird.

Es ist daher günstiger, Strom nicht erst zu speichern, sondern ihn dann zu verbrauchen, wenn er erzeugt wird. Dazu verwendet man ein EFR4000IP. Voraussetzung dafür ist, dass geeignete Verbraucher zur Verfügung stehen. Im einfachsten Fall sind dies Heizstäbe oder Wärmepumpen für die Warmwasserbereitung im Sommer und an sonnigen Tagen im Winter. Der Einsatz für die Gebäudeheizung kommt nur mit Wärmepumpen oder bei sehr großen Anlagen infrage, die auch in der Übergangszeit noch Energie ins Netz einspeisen.

Noch besser wäre es, Elektrofahrzeuge zu laden. Beim Einsatz geregelter Ladestationen kann der überschüssige Strom sogar restlos verbraucht werden. Als Verbraucher können auch Haushaltsgeräte angeschlossen werden, wie zum Beispiel Waschmaschinen, Geschirrspüler oder Trockner. Wegen ihrer stark schwankenden Stromaufnahme sind diese Geräte allerdings etwas weniger gut dafür geeignet.

Auch im gewerblichen Bereich kann ein Energieflussrelais einen großen Beitrag zur Einsparung von Kosten leisten. Beispielsweise ist es denkbar, Kühlräume bei Stromüberschuss auf Vorrat weiter herunter zu kühlen, um dann nachts keine Energie aufwenden zu müssen. Auch können energieintensive Vorgänge wie Trocknungsprozesse in Zeiten mit überschüssiger Energie verlagert werden oder man kann batteriebetriebene Fahrzeuge laden, z.B. Gabelstapler.

Ein sinnvoller Beitrag zur Entlastung der Netze

Bei kleineren Anlagen muss oft die maximale Einspeisung begrenzt werden (70%-Regel). Dann können an sonnigen Tagen bis zu 30% der Energie gar nicht vom Dach geholt werden. Mit einem Energieflussrelais muss die Erzeugung nicht abgeregelt werden und die Energie wird sinnvoll selbst verbraucht. Der Einsatz der Geräte ist auch im Sinne der Netzbetreiber, weil sie dafür sorgen, dass der Energieverbrauch in Zeiten mit hoher Erzeugung verlagert wird. Sie tragen damit zur Entlastung der Netze bei.

Das Energieflussrelais EFR4000IP von ZIEHL industrieelektronik misst den Stromfluss am Einspeisepunkt und schaltet dann Verbraucher zu, bevor Strom ins öffentliche Netz eingespeist wird. Vier verschiedene Programme erlauben es, die Anlage für die Einsatzbedingungen zu optimieren. So können Verbraucher beispielsweise in fester Reihenfolge zugeschaltet werden (erst das E-Mobil laden und dann das Brauchwasser erwärmen) oder man kann drei geschickt dimensionierte Heizstäbe so ansteuern, dass mit sieben Heizstufen die Eigenerzeugung sehr genau nachgebildet wird.

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Hallo User, Vielen Dank für das aufmerksame Lesen des Artikels und den Kommentar. Du schreibst:...  lesen
posted am 06.04.2018 um 09:00 von Unregistriert

Der Titel klingt so als würde man Elektronen lenken. Das wäre elektrischer Humbug. In Wahrheit...  lesen
posted am 22.03.2018 um 14:18 von Unregistriert


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