Meilensteine der Elektronik

EDA – von Adagio zu Allegro: Cadence gibt das Tempo vor

| Redakteur: Gerd Kucera

Weil Cadence für die analoge Schaltungsentwicklung nur das Produkt Composer besaß, welches aber für digitale Designs kaum genutzt wurde, folgte 1991 der Zukauf von Valid Logic Systems, die ein Frontend-Design-System hatte, das sowohl für Gate-Array-Designs als auch für Leiterplatten-Entwicklungen weit verbreitet war. Nunmehr konnte Cadence Software-Werkzeuge sowohl für das IC-Design als auch die Leiterplattenentwicklung offerieren. Diese Firmen-Übernahme hatte außerdem zur Folge, dass Cadence Design Systems sich zum größten EDA-Anbieter in der jungen Branche entwickelte.

Mit Weitsichtigkeit neue Chancen genutzt

Während dieser Zeit dominierte Cadence den Markt für Halbleiter-Design-Tools. Software-Werkzeuge wie Dracula, Virtuoso, Silicon Ensemble und Verilog-XL, verzeichneten ein explosives Wachstum, da viele Halbleiter-Firmen auf kommerzielle Tools umstiegen. Zu dieser Zeit begannen auch Systemhäuser, meistens mittels einer ASIC-Methodik, ihre eigenen Halbleiter zu entwickeln. Das systemnahe Design erfolgte im Systemhaus und das IC-nahe Design in Halbleiter-Unternehmen.

1997 ist Joe Costello als CEO von Cadence zurückgetreten und übergab sein Amt an Jack Harding, der durch die Übernahme von Cooper & Chyan Technology zu Cadence kam. Inzwischen war die Logiksynthese, bis zum Ende der 90-er Jahre, zur dominierenden Design-Methode geworden. Cadence hatte intern mit Synergy ein passendes Produkt für diesen Bereich entwickelt, das 1998 im Zuge der Übernahme von Ambit Design Systems mit deren Synthese-Produkt namens BuildGates ergänzt wurde.

Jack Harding verließ nach kurzer Amtszeit 1999 das Unternehmen; in seine Position als CEO folgte ihm der bisherige CFO Ray Bingham. In das selbe Jahr fällt die Übernahme von Quickturn Design Systems, Experte für Logik-Emulation, wodurch Cadence den Zugang zum Emulationsmarkt erhielt. Auch der nächste Schritt war ein entscheidender: 2002 kaufte Cadence den Emulationsbereich von IBM. Deren Technologie ist seither das Herz der Emulatoren-Linie von Cadence, einschließlich des kürzlich vorgestellten Produkts Palladium Z1.

Während der Ära von Ray Bingham gab es außerdem drei wichtige Übernahmen: Im Dezember 2001 Silicon Perspective mit dem Tool First Encounter für das Floorplanning und die Bauteil-Platzierung, im Februar 2002 Cadmos Design Technology als bester Anbieter von Signalinte-gritätslösungen und im Juni 2002 folgte Simplex mit ihren Extraktions- und Analyse-Produkten. Diese drei Zukäufe waren besonders interessant für die nächste Generation von physikalischen Design-Tools. 2004 übergab Ray Bingham, der das Unternehmen verließ, die Position des CEO an Michael (Mike) Fister, der lange Zeit bei Intel die Prozessorentwicklung verantwortete.

Mit der Übernahme von Verisity akquirierte Cadence 2005 den Pionier im Bereich des Constrained Random Aproach für die Verifikation und dessen Hardware-Verifikationssprache e, um die Verifikation auf einer höheren Ebene zu beschreiben. 2008 trat Mike Fister als CEO zurück. Nach einer kurzen Übergangszeit mit einem Interims-CEO-Komitee fiel 2009 die Wahl auf Lip-Bu Tan als neuer CEO, der auch heute noch an der Firmenspitze ist.

Cadence konnte sich bis dahin noch nicht in dem sehr schnell wachsenden IP-Segment des EDA-Markts positionieren. IP steht für Intellectual Property (geistiges Eigentum) und hat nichts mit der allgemeineren Bedeutung von Patenten und Handelsmarken zu tun. IPs sind vordefinierte und vorcharakterisierte Bausteine (Building Blocks), die sich einfach in Chips einfügen und nutzen lassen. Der Markteintritt erfolgte 2010, indem Cadence die Firma Denali erwarb, einen führenden Tool-Anbieter auf dem Gebiet der Modellierung und IP für On-Chip-Speicher.

Eine weitere große IP-Übernahme war der Zukauf von Tensilica im Jahr 2013. Tensilica gehörte zu den führenden Anbietern rekonfigurierbarer Prozessoren, die bei bestimmten Aufgaben den Hauptprozessor entlasten. Zu den Einsatzbereichen gehören beispielsweise die Audio- und Videoverarbeitung, wo sich deutliche Leistungssteigerungen und eine Reduzierung des Stromverbrauchs erreichen lassen.

Cadence startete schließlich einen Großeinkauf im IP-Bereich, um das IP-Portfolio abzurunden. Übernommen wurden Cosmic Circuits, die IP-Division von Evatronix und das High-Speed-Interface IP-Segment von Transwitch.

Die letzten Übernahmen zielten auf die Systemebene. 2014 kamen mit Forte Design Systems ein Produkt für die High-Level-Synthese (HLS) und mit Jasper Design Automation das Produkt JasperGold, eine High-Level Formal-Verification-Technologie, hinzu. 2015 hat Cadence, was Übernahmen angeht, eine kleine Pause eingelegt.

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