Bill Lamie, CEO von Express Logic „Echtzeitbetriebssysteme haben eine gute Zukunft“

Redakteur: Franz Graser

Nur wenige Insider kennen das Echtzeitbetriebssystem-Segment (RTOS) so gut wie Bill Lamie, der CEO der amerikanischen RTOS-Schmiede Express Logic. Der Schöpfer diverser kommerziell erfolgreicher Echtzeitsysteme plaudert aus dem Nähkästchen.

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William „Bill“ Lamie ist der Mitbegründer und CEO des US-Betriebssystemherstellers Express Logic. Er entwickelte das Echtzeitbetriebssystem ThreadX, das von Express Logic vertrieben wird, und das RTOS Nucleus, das Mentor Graphics heute vermarktet.
William „Bill“ Lamie ist der Mitbegründer und CEO des US-Betriebssystemherstellers Express Logic. Er entwickelte das Echtzeitbetriebssystem ThreadX, das von Express Logic vertrieben wird, und das RTOS Nucleus, das Mentor Graphics heute vermarktet.
(Bild: Express Logic)

Mister Lamie, was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Entwicklungen im Embedded-Umfeld?

Das größte Ding ist im Augenblick die Middleware. Praktisch alles ist miteinander verbunden, entweder über TCP/IP oder USB oder Ähnliches. Deswegen würde ich sagen: die äußeren Schichten von Echtzeitbetriebssystemen (RTOS) sind wahrscheinlich die dicksten Dinger.

Die andere große Sache ist ARM. ARM ist überall, das ist eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. Ich habe vor Jahren das RTOS Accelerated Technology Nucleus auf ARM portiert. Ich hätte nie gedacht, dass dieses kleine Ding mit dieser doch ziemlich merkwürdigen Architektur die Welt im Sturm erobern könnte. Im Hinblick auf die Prozessoren ist also ARM die wichtigste Story, in technischer Sicht ist es die Middleware.

Ich bin ein wenig überrascht. Ich hatte erwartet, dass Multicore in Ihrer Liste ganz weit oben steht.

Multicore ist auch sehr interessant. Insbesondere symmetrisches Multiprocessing (SMP), in diesem Marktsegment beobachten wir jährliche Wachstumsraten von etwa 50 Prozent. Aber es gibt ein paar weit verbreitete Wissenslücken im Bereich Multicore. Die Kunden glauben, sie bräuchten SMP, dabei ist es in Wirklichkeit gar nicht so. Die Kunden kaufen zum Beispiel eine SMP-Version von ThreadX und dann finden sie heraus, dass alle Threads auf ganz spezifischen Kernen laufen. Und das ist fast dasselbe, als würde man asymmetrisches Multiprocessing (SMP) in einer gemeinsamen Speicherumgebung laufen lassen.

Leider sind die Tools für Multicore wirklich schlecht. Das Debugging zum Beispiel, alles ist bei Multicore schwieriger. Wie gesagt: Man braucht SMP nicht unbedingt, obwohl ich das vielleicht nicht sagen sollte - wir verlangen einen höheren Preis für die SMP-Variante. SMP kommt dann in Frage, wenn die Kunden eine echte dynamische Lastverteilung benötigen. Aber das ist ein interessanter Wachstumsmarkt, ohne Frage.

Was hat sich für Sie als Betriebssystemhersteller geändert, als sich Multicore-Prozessoren durchsetzten?

Wir haben dieselben Probleme wie unsere Kunden. Wir haben ja auch das Problem mit den Tools. Wir mussten unser System ja auch an Multicore-Systeme anpassen. Das bedeutet, wir brauchen Tools – genau wie unsere Kunden.

Und die Komplexität von Multicore ist höher. Ein Betriebssystem für Ein-Kern-Prozessoren ist viel weniger problematisch als ein Multicore-Betriebssystem. Das Testen und die Validierung ist ein Stück anstrengender bei einem Multicore-Design. Wir sehen also dieselben Probleme wie der Anwender.

War das der Ursprung Ihres Tracing-Tools TraceX? Wollten Sie damit verifizieren, ob die Multicore-Portierung korrekt arbeitet?

Das war nicht der Start des Tools, aber wir haben es auch dafür verwendet. Wir haben eine Multicore-Variante von TraceX gebaut, die uns einen Einblick in diese Umgebung verschafft hat. Das ist ja das Problem: Es ist einfach verrückt, wenn man wissen will, was alles zur gleichen Zeit auf all diesen Kernen vor sich geht. Wir haben TraceX dafür erweitert, damit wir wenigstens eine Systemübersicht über das hatten, was alles vor sich ging. Es ist schön zu sehen, wie das System arbeitet.

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