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E-Mobilität: Die Blamage Deutschlands

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Die Deutschen sehen sich gerne in der Vorreiterrolle, wenn es um die Elektromobilität geht. Doch wie erklärt sich, dass nur 0,3%der in Deutschland verkauften Fahrzeuge im Vorjahr Elektroautos waren – ganze 6% weniger als noch ein Jahr zuvor?

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Aktuell fahren weltweit rund zwei Millionen Elektroautos auf den Straßen, davon wurden 750.000 2016 verkauft.
Aktuell fahren weltweit rund zwei Millionen Elektroautos auf den Straßen, davon wurden 750.000 2016 verkauft.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Der französische Umweltminister hat vor wenigen Wochen seine Pläne für die Klimapolitik vorgestellt. Unter anderem soll in Frankreich der Verkauf von Diesel- und Benzinautos bis zum Jahr 2040 eingestellt werden, um in den kommenden Jahren weniger CO2 auszustoßen. Andere Länder sind ebenfalls ambitioniert, so wollen unsere Nachbarn in den Niederlanden das gleiche Ziel bis 2035 erreichen.

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In Norwegen ist bereits heute jedes dritte Auto ein E-Auto. Da scheint es realistisch, dass Norwegen ab 2025 weg vom Verbrennungsmotor sein möchte. Heutzutage fahren zwei Millionen Elektroautos auf den Straßen weltweit, davon wurden 750.000 allein 2016 verkauft.

Steigende Verkaufszahlen und umweltfreundliche Initiativen treiben einige Autohersteller an, mit Weitblick zu handeln. So hat der schwedische Autohersteller Volvo angekündigt, dass jedes Neufahrzeug ab 2019 einen Elektromotor haben wird. In Deutschland hingegen erhöht sich er Marktanteil an Elektroautos nur mit schleichendem Tempo. Der Marktanteil hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt und liegt jetzt bei 1,3%.

Ladeinfrastruktur – Kritik vorprogrammiert

Eine der größten Hürden stellt das Laden der Elektroautos dar. Die geringe Reichweite, die ein Stromer erreichen kann und die langen Ladezeiten, scheinen viele Käufer abzuschrecken. In Deutschland sind größere Ballungsräume und Großstädte wie zum Beispiel in Bayern, Hessen und Hamburg dicht mit Ladestellen besiedelt. Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen kommen an zweiter Stelle.

Die wenigsten Lademöglichkeiten für Elektrofahrzeuge gibt es in Mecklenburg-Vorpommern. In solchen ländlichen Gebieten gestaltet sich der Betrieb und die Fahrt mit einem Stromer deutlich schwieriger. Im Durchschnitt kommen laut der oben genannten Studie in Deutschland fünf Elektroautos auf eine Lademöglichkeit.

Die Ladeinfrastruktur hat sich insgesamt aber bereits deutlich verbessert und laut einer Studie des European Alternative Fuels Observatory (EAFO) gibt es in Deutschland mehr als 20.000 Ladepunkte. Deutschland liegt damit im Europavergleich an zweiter Stelle. Die Spitzenposition wird von den Niederlanden eingenommen.

Es ist davon auszugehen, dass der Trend zu einer dichteren Ladeinfrastruktur in den kommenden Jahren weiter steigen wird. Speziell die Zahl der Schnellladesystem wird deutlich zunehmen. Das Bundesverkehrsministerium hat hierzu Fördergelder für den Aufbau von 5.000 Schnellladestationen freigegeben, die bis 2020 aufgebaut werden sollen.

Gleichzeitig hat die Bundesregierung ihr ambitioniertes Ziel, 1 Millionen Elektroautos bis 2020 auf deutschen Straßen, einkassiert. Um die Verkaufszahlen auch in Deutschland zu erhöhen, müssen jedoch noch mehrere Faktoren, die den Kaufanreiz erhöhen, ausgebaut werden.

Förderprogramme im internationalen Vergleich

Mehrere Länder haben bereits Initiativen eingeführt, um den Verkauf von Elektroautos anzutreiben. In den Niederlanden geschieht dies durch die Befreiung von der KFZ-Steuer für E-Autos. In Großbritannien fällt die KFZ-Steuer auf ein Fahrzeug mit Elektroantrieb ebenfalls wesentlich geringer aus.

In Frankreich sind Dieselfahrzeuge besonders beliebt und weit verbreitet. Franzosen bekommen einen Bonus von 10.000 Euro, wenn das Dieselauto für ein Elektroauto umgetauscht wird. In Deutschland erhalten Fahrer seit Mai 2016 eine Kaufprämie von 4000 Euro für den Erwerb eines Elektroautos. Die Umweltprämie greift allerdings nur langsam und es haben bisher nur wenige zu dem Fördergeld gegriffen. Auch die Befreiung von der KFZ-Steuer scheint kein Argument für den Erwerb zu sein

Verminderte Batteriekosten und erschwinglichere Anschaffungskosten für den Verbraucher werden in Verbund mit einer ausgereiften Ladeinfrastruktur den Absatz von Elektroautos in Deutschland jedoch zeitnah ansteigen lassen.

Verbrennungsmotor vs. Elektroantrieb

Der Hauptbeweggrund, der bei vielen Endverbrauchern für den Elektroantrieb spricht, ist Umfragen zufolge eindeutig die Möglichkeit, sich klimaneutral fortbewegen zu können. Aber ist Strom tatsächlich die nachhaltigere Alternative?

Einer Studie der schwedischen Energieagentur zufolge produzieren E-Autos ähnlich viel Treibhausgas wie Dieselautos, wenn zur Produktion Strom verbraucht wird, der in herkömmlichen Kohlekraftwerken generiert wird. Außerdem ist weiterhin die erhöhte Belastung des Stromnetzes zu beachten. Die Verbände der Energie- und Wasserwirtschaft in den Autoländern Bayern und Baden-Württemberg warnen bereits jetzt vor einem Stromengpass, sollten vermehrt Elektroautos Energie vom Netz zapfen.

Im Vergleich zum Elektroantrieb schneiden herkömmliche Pkws preislich erheblich besser ab. Dazu hat searchlaboratory die zwei in Deutschland beliebtesten Pkws beider Antriebskategorien in einem Vergleich gegenübergestellt. Wie die Infografik zeigt, spricht objektiv betrachtet nur die bessere CO2-Bilanz für den Nissan Leaf Visia.

Die geringeren Anschaffungskosten entfallen zwar auf den VW, jedoch amortisiert sich die Kostenbilanz im Laufe der Nutzungsdauer (Steuern und Tank- bzw. Energiekosten). Auch die einfachere und folglich weniger reparaturanfällige Technik des Nissan, muss in die Kostenbilanz eingerechnet werden. Beim Thema Reichweite sieht der Stromer hingegen weiterhin kein Land gegen den Selbstzünder.

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