E-Mobilität: Absatztrends in den globalen Automärkten

Redakteur: Benjamin Kirchbeck

China bleibt in der Elektromobilität das Maß aller Dinge und erhöht den Druck durch sein Quotensystem auf ausländische Autobauer. Norwegen kratzt währenddessen beim Marktanteil von E-Autos bereits an der 40-Prozenthürde. Doch wie steht es um die Automobilnation Deutschland?

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In den Top-20 der meistverkauften Modelle findet sich mit Ausnahme von Tesla kein ausländischer Hersteller.
In den Top-20 der meistverkauften Modelle findet sich mit Ausnahme von Tesla kein ausländischer Hersteller.
(Bild: ©Patrick P. Palej - stock.adobe.com)

Die globale Elektromobilität wird weiter durch den Leitmarkt China bestimmt, der ein hohes Wachstum aufweist. Der Abstand zum zweitgrößten Markt USA hat sich deutlich vergrößert. In den ersten neun Monaten wurden in China 398.000 E-Autos abgesetzt (New Energy Vehicles, inkl. Brennstoffzelle, gewerbliche Fahrzeuge, Busse).

Die E-Fahrzeugverkäufe konnten damit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 38 Prozent gesteigert werden. Gleichsam steigt der Marktanteil von E-Fahrzeugen auf 2,0 Prozent an den Neuzulassungen (1-3.Qtl. 2016: 1,5%). Insbesondere die Zahl der rein elektrisch betriebenen Fahrzeuge (BEVs) ist gestiegen und bleibt mit 325.000 Einheiten (82%) weit höher der von Plug-In-Hybriden (PHEV), die mit 73.000 Einheiten (18%) stagnieren (+0,6%).

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Chinesische Hersteller dominieren mit weit über 90 Prozent der Verkäufe den E-Fahrzeugmarkt. BAIC, Zhidou und BYD stellen mit den Modellen EC, D2 EV und e5 die Top drei der meistverkauften Elektrofahrzeuge in den ersten neun Monaten mit mehr als 88.000 Einheiten. In den Top-20 der meistverkauften Modelle findet sich mit Ausnahme von Tesla kein ausländischer Hersteller. Das ist das Ergebnis einer Studie des Center of Automotive Management (CAM), die die aktuellen Markttrends sowie die Produktstrategien der globalen Automobilhersteller regelmäßig analysiert.

Studienleiter Stefan Bratzel: „China hat durch die geplante Einführung eines Quotensystems für E-Fahrzeuge den Druck auf ausländische Hersteller enorm erhöht. Insbesondere die deutschen Hersteller haben die Gefahr erkannt und arbeiten derzeit intensiv an umfassenden Produktportfolien von wettbewerbsfähigen reinen Elektromodellen, die auch in China produziert werden. Die Aktivitäten kommen spät, aber nicht zu spät. Es gibt eine gute Chance, dass die deutschen Hersteller im Langstreckenrennen um den Zukunftsmarkt der E-Mobilität reüssieren.“

Drohende Fahrverbote als Wachstumstreiber

Automobilhersteller, die in China mehr als 30.000 Fahrzeuge produzieren oder importieren, müssen eine NEV–Quote von 10 Prozent im Jahr 2019 und 12 Prozent im Jahr 2020 erreichen. Diese werden mittels eines Credit- bzw. Punktesystems errechnet, bei dem reine Elektrofahrzeuge mit hohen Reichweiten Vorteile gegenüber Plug-in Hybriden (PHEV) oder Vollhybriden haben. Werden die Vorgaben nicht erreicht, muss der Hersteller von den Mitbewerbern Punkte kaufen oder Strafen zahlen. Ursprünglich war die Einführung schon für 2018 vorgesehen wurde jedoch auch auf Druck westlicher Hersteller verschoben.

In den USA sind die Neuzulassungen von Elektroautos in diesem Jahr um 29 Prozent gestiegen. Mehr als 140.000 E-Fahrzeuge wurden von Januar bis September 2017 verkauft, wobei 74.301 batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) abgesetzt werden konnten (+25%). Marktführer ist Tesla, auf deren Modelle S und X mehr als die Hälfte der Verkäufe entfallen, gefolgt vom Chevrolet Bolt und Nissan Leaf. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum legen die Plug-in Hybriden um 35 Prozent zu, vor allem aufgrund von Zuwächsen des Toyota Prius und des Ford C-Max Energi.

In Europa setzt Norwegen seine Sonderrolle fort und kommt nach den ersten drei Quartalen auf mehr als 43.000 Elektrofahrzeuge (+33%). Dadurch steigt der Marktanteil von E-Fahrzeugen auf jetzt 37 Prozent an den Neuzulassungen. Durch finanzielle Vorteile wie den Wegfall der Mehrwertsteuer, Importsteuer und Kfz-Steuer, sind Elektrofahrzeuge in Norwegen oftmals günstiger, als das Pendant mit Verbrennungsmotor. Jedoch wachsen die Verkäufe aktuell schneller als der Ausbau der Ladeinfrastruktur, weshalb die dortige Elektrowagenvereinigung öffentlichkeitswirksam Alarm schlägt.

Die zunehmenden Diskussionen über Fahrverbote sorgen auch in Deutschland erstmalig für eine starke Belebung des E-Autoverkaufs. Von Januar bis September 2017 konnten 36.849 Elektrofahrzeuge (+116%) verkauft werden, wodurch der Marktanteil von 0,7 auf 1,4 Prozent verdoppelt. Deutlich stärker sind dabei die Verkäufe von Plug-In-Hybriden, die auf 20.416 (+117%) zulegen, während die reinen Elektrofahrzeuge jetzt auf 16.433 (+114%) Pkw ansteigen.

Von Januar bis zum 30. September 2017 wurden insgesamt 33.660 Anträge beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gestellt. Davon entfallen 14.067 Anträge auf Plug-In-Hybride und 19.589 auf BEVs. Hersteller mit den meisten gestellten Anträgen sind BMW, Renault und VW.

Der Diesel erleidet dagegen in den ersten neun Monaten 2016 einen deutlichen Absatzrückgang und kommt nur noch auf einen Marktanteil 40,3 Prozent (Q1-3 2016: 46,5%). Im September wurden nur noch 36,3 Prozent Dieselfahrzeuge zugelassen. Fahrzeugkäufer entscheiden sich dagegen vermehrt für einen Benziner, deren Marktanteil auf 56,5 Prozent (Q1-3 2017: 51,7%) an den Neuzulassungen gestiegen ist.

Hierzu erläutert Bratzel: „Die Verschiebungen im Antriebsbereich stellen die Automobilhersteller zunehmend vor enorme Probleme. In Kombination mit den steigenden Verkäufen von SUV werden dadurch die CO2-Reduktionsziele von 95 Gramm CO2 pro Kilometer in 2021 gefährdet.“ Die CO2-Emissionen in Deutschland sind in den ersten 9 Monaten wieder um 0,3 Prozent auf jetzt 128 Gramm CO2 pro Kilometer angestiegen.

Großbritannien kann seine E-Fahrzeugverkäufe ebenfalls steigern und setzt mehr als 35.400 Einheiten ab, 21 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Auf die Plug-In-Hybride entfallen 69 Prozent, 31 Prozent der Verkäufe sind reine Elektrofahrzeuge. Letztere wachsen um 37 Prozent auf über 11.000 Einheiten. In Frankreich erhöhen sich ebenfalls die E-Auto Neuzulassungen signifikant auf 26.545 (+23%). Im Unterschied zu Großbritannien machen BEVs 71 Prozent der Elektroautoverkäufe aus, während auf Plug-in Hybride 29 Prozent entfallen.

Auch die Zahl der Vollhybride (HEV) steigt um über ein Drittel auf fast 57.400 Neuzulassungen. Das Dieselland Frankreich zeigt – ähnlich wie Deutschland - einen starken Rückgang der Neuzulassungen von Dieselfahrzeugen auf 48 Prozent in den ersten drei Quartalen 2017 (Q1-3 2017: 53%). Aufgrund der hohen Luftbelastung wird in Paris in den letzten Monaten heftig über Pläne zu Einfahrverboten von Dieselfahrzeugen diskutiert, wodurch auch dort die Verunsicherung bei Autokäufern weiter steigt.

Entwicklungstrends der E-Mobilität bis 2030

Die Elektromobilität wird in den nächsten zwei bis drei Jahren nur moderate Wachstumsraten in wichtigen Automobilmärkten realisieren können. Allerdings rechnet das CAM auf Basis einer Szenarioanalyse mit einer deutlichen Steigerung der Marktdynamik zu Beginn der 2020er Jahre. Ausschlaggebend sind die massiven Produktanstrengungen der Hersteller und das zu erwartende regulatorische Umfeld in zentralen Autoländern. Daher dürfen die derzeit vergleichsweise geringen Marktanteile nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein massiver Umbruch der Antriebstechnologien in den nächsten 10-15 Jahren bevorsteht.

Auf Basis der CAM-Szenarien werden die globalen Neuzulassungen von E-Autos bis zum Jahr 2020 nur moderat ansteigen und sich zwischen 2,5 Prozent (konservativ) und 6 Prozent (optimistisch) bewegen. Danach ist jedoch befeuert von einer breiten Produktoffensive globaler Hersteller von einem massiven Wachstum des E-Mobilitätsmarktes auszugehen. Im Jahr 2025 wird im optimistischen Szenario mit rund 25 Prozent bzw. 25 Millionen jährlich neu zugelassenen Elektro-Pkw gerechnet (konservativ: 12%). Diese könnten danach bis zum Jahr 2030 auf 40 Prozent bzw. rund 40 Mio. elektrisch angetriebener Pkw steigen (konservativ: 25%) (vgl. Abb. 3).

Ausschlaggebend für die Trendkurven sind Annahmen zu den Entwicklungen im politisch-regulativen Umfeld sowie im Hinblick auf die komparativen Wettbewerbsvorteile der Elektromobilität im Vergleich zum Verbrennungsmotor. Es wird insbesondere davon ausgegangen, dass sich die Herstellkosten für Benzin- und Dieselfahrzeuge im Zuge sich verschärfender Umweltregularien in den nächsten Jahren signifikant verteuern werden.

Gleichzeitig werden die Kosten für (reine) Elektrofahrzeuge vor allem durch günstigere Batteriezellkosten pro kWh deutlich sinken und technologische Innovationen insbesondere im Hinblick auf Reichweite und Ladedauer den Kundennutzen erhöhen. Voraussetzung der Szenarien ist auch eine entsprechende Dichte von (Schnell-)Ladeinfrastrukturen in den Kernmärkten China, Europa und USA.

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