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Durchkommen garantiert – der erste Tag der Embedded World 2020

Redakteur: Richard Oed

In einem aufgrund des Corona-Virus, und den damit verbundenen Absagen, schwierigen Umfeld öffnete die Embedded World 2020 am gestrigen Dienstag in Nürnberg ihre Pforten. Wie lief der erste Tag für Aussteller und Besucher? Ein Stimmungsbild.

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Viel freie Fläche gab es in der Halle 3A. Der russische Gemeinschaftsstand wirkt dadurch etwas verloren.
Viel freie Fläche gab es in der Halle 3A. Der russische Gemeinschaftsstand wirkt dadurch etwas verloren.
(Bild: Richard Oed/VCG)

Bereits die kurz vor 9 Uhr am Dienstag vom Nürnberger Hauptbahnhof zur Messe fahrende U-Bahn der Linie 1 wies ein Merkmal auf, das sich später als typisch für diesen ersten Messetag herausstellen sollte: Es gab kein Geschiebe, kein Gedränge und man fand leicht einen Sitzplatz. Am Messegelände zeigte am Eingang Mitte der Großmonitor dann nicht nur die geänderte der Aufteilung der Hallen an, sondern auch das Motto „Händeschütteln? Lieber ein Lächeln schenken.“

Im Eingangsbereich lagen zusätzlich Aufkleber aus, die man entweder an der Kleidung oder an der Eintrittskarte befestigen konnte, um mit diesem Slogan darauf hinzuweisen, dass man als Besucher nicht aus Unhöflichkeit auf den Händedruck verzichtet, sondern um die Ansteckungsgefahr zu reduzieren. Dazu dienten auch die von der NürnbergMesse im Laufe des Tages zahlreich aufgestellten Desinfektionsmittelständer und die regelmäßig durchgeführte Reinigung von Türgriffen und Treppengeländern in den stark frequentierten Bereichen der Messe.

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In den Hallen 1 bis 4 – die Halle 5 war aufgrund der vielen Absagen von Ausstellern geschlossen – fühlte sich dann die Embedded World fast so wie jedes Jahr an: Besucher lassen sich an den Ständen die neuesten Entwicklungen und Produkte erklären und diskutieren mit dem Standpersonal. Dieses Bild wurde nur vereinzelt durch mit Rigips-Platten verblendete oder aufgebaute, aber nicht besetzte und mit weiß-rotem Flatterband abgesperrte Stände von Firmen gestört, die in letzter Minute abgesagt hatten. Und natürlich: Durch die zumindest am ersten Tag doch recht geringe Besucherzahl, die sich auch dadurch zeigte, dass auf den Gängen im Gegensatz zu den letzten Jahren ein freies Durchkommen möglich war.

Am deutlichsten äußerte sich das durch die Absagen entstandene Dilemma in den Hallen 3A und 4A: Hier gibt es große Freiflächen, die in der Halle 4A durch den Veranstalter in einen Bereich mit Palmen, Strand (aus Holzschnitzeln) und vielen Sitzmöglichkeiten umgewandelt wurden. So wurde der Kritikpunkt der mangelnden Sitzgelegenheiten zum Ausruhen oder für Ad-hoc-Besprechungen der in den letzten Jahren häufig geäußert wurde, kreativ ausgeräumt. Richtig leer wirkt hingegen die Halle 3A.

Die Meinungen gehen auseinander

Geteilt wie das Messegeschehen in den verschiedenen Hallen waren auch die Meinungen der Besucher und Aussteller. So meinte ein Aussteller in Halle 1, dass (mit Stand Dienstagmittag) „richtig was los war“, und sich ein weiterer Aussteller, ebenfalls in Halle 1, am Abend sehr zufrieden äußerte: „Es waren, wie zu erwarten war, weniger Besucher. Aber diejenigen, die gekommen sind, sind wirklich interessiert und es sind äußerst hochwertige Gespräche.“ Dagegen geht ein Aussteller in Halle 4 davon aus, dass am Ende wohl nur knapp 10.000 Besucher – statt der ursprünglich anvisierten 30.000 Gäste – ihren Weg nach Nürnberg gefunden haben werden, sollten sich die Besucherzahlen am Mittwoch und Donnerstag nicht verbessern. Als Konsequenz daraus hat er sein Standpersonal für die beiden restlichen Tage bereits reduziert.

Besonders in den eher ruhigen Hallen 3A und 4A klagten die Firmen darüber, dass die großen Namen als Zugpferde fehlen, und sich so nur wenige Interessenten hierher verirren würden. Viele Aussteller versuchten, mit einer erhöhten Aktivität in den sozialen Medien gegenzusteuern und somit Besucher an ihren Stand zu locken.

Auch bei den Besuchern gingen die Meinungen auseinander: Sie reichten von „es ist trotz allem eine sehr gute Messe mit hochinteressanten Entwicklungen“ bis hin zu „diese Rumpfmesse ist eine Schande für die Elektronikindustrie.“ Einig waren sich aber alle Beteiligten, dass aufgrund der niedrigen Besucherzahlen die Gespräche länger und intensiver seien und kleinere Aussteller mehr in den Vordergrund rücken würden.

Am Ende darf man dann doch gespannt sein, welche Zahlen die NürnbergMesse am Donnerstag für die Embedded World 2020 offiziell bekanntgeben wird.

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