Drohneneinsätze sind gut – solange sie gemeinnützig sind

| Redakteur: Julia Schmidt

Der DLR hat eine repräsentative Befragung durchgeführt, um die Akzeptanz von Drohneneinsätzen in der Bevölkerung besser abschätzen zu können. (Im Bild: FHS und superARTIS: Ein Assistenzsystem soll Piloten bei gemeinsamen Flügen von unbemannten und bemannten Hubschraubern.)
Der DLR hat eine repräsentative Befragung durchgeführt, um die Akzeptanz von Drohneneinsätzen in der Bevölkerung besser abschätzen zu können. (Im Bild: FHS und superARTIS: Ein Assistenzsystem soll Piloten bei gemeinsamen Flügen von unbemannten und bemannten Hubschraubern.) (Bild: / DLR / BY 3.0)

Wie hoch ist die Akzeptanz in der Bevölkerung für den Einsatz ziviler Drohnen in Deutschland? Eine Studie des DLR hat sich dieses Thema genau angeschaut. Demnach gibt es zwar eine hohe Zustimmung für Rettungs- und Forschungseinsätze, aber weiterhin auch viele Vorbehalte.

Die Szenarien für die Anwendung ziviler unbemannter Luftfahrtsysteme (Unmanned Aerial Sytems – UAS) werden immer breiter und vielfältiger. Neben ersten Tests mit Paketzustellungen aus der Luft, gibt es bereits erste Anwendungen in der Landwirtschaft und der Energiebranche, Inspektionen mittels unbemannter Fluggeräte durchzuführen. Ebenso wird an der schnellen Lageerfassung im Katastrophenschutz und dem Transport von Medikamenten und medizinischem Gerät im Rettungseinsatz gearbeitet.

Eine Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat nun ergeben, dass es in Deutschland zwar eine deutliche Zustimmung für den Einsatz ziviler Drohnen im Katastrophenschutz, Rettungs- und Forschungseinsatz gibt. Flüge für Werbeaufnahmen, Freizeitaktivitäten und die Paketzustellung werden aber derzeit noch bei mindestens der Hälfte der repräsentativ Befragten kritisch gesehen. Aufklärungsarbeit soll dabei helfen, Vorbehalte in der Bevölkerung abzubauen.

„Unabhängig von Geschlecht und Alter ist der Begriff ‚Drohne‘ nahezu allen bekannt, er wird aber häufig noch negativ assoziiert“, erklärt die Studienleiterin Maria Stolz vom DLR-Institut für Flugführung in Braunschweig. „Erfahrungen mit Drohnen sind derzeit noch selten und eher passiv als aktiv. Auch der Informationsstand hierzu ist noch verhältnismäßig niedrig.“ Rund 40 Prozent der Befragten gaben an, schon einmal eine Drohne gesehen oder gehört zu haben und immerhin zehn Prozent haben sogar schon einmal selbst eine Drohne selbst geflogen. Die Einstellung gegenüber zivilen Drohnen ist neben anderen Faktoren abhängig von Geschlecht und Alter. Vor allem jüngere und männliche Befragte haben ein Interesse an dieser modernen Technik geäußert. „Interessant für uns war auch die Frage, ob sich die Einstellung der Befragten mit dem Verlauf des Interviews ändert“, so Stolz. „Hier zeigte sich eine leichte Verschiebung ins Positive. Möglicherweise wirken die Beschäftigung mit dem Thema und die Informationsvermittlung bereits zustimmungsfördernd auf das Meinungsbild.“

Unterstützung von Polizei und Feuerwehr

Klare Zustimmungswerte konnten die Forscher für den Einsatz von Drohnen im Katastrophenschutz, Rettungs- und Forschungseinsatz feststellen. Rund zwei Drittel der Befragten stimmen eher oder voll zu, wenn Drohnen aufsteigen, um beispielsweise die Lage mittels Kameras in oft unzugänglichen Katastrophengebieten zu erfassen, oder Polizei und Feuerwehr bei lebensrettenden Einsätzen mit Situations- und Lageinformationen zu unterstützen.

Ebenfalls eine deutliche Zustimmung erhalten Drohneneinsätze für Transporte schnell benötigter medizinischer Güter, für die Erfassung des Verkehrs und die Überwachung der Energieversorgung, sowie die Erfassung von Agrar-Flächen für eine Optimierung der landwirtschaftlichen Nutzung. Ein geteiltes Meinungsbild ergibt sich bei Foto- und Videoaufnahmen mittels Drohnen für Nachrichtensendungen, den freizeitlichen Einsatz sowie bei der Paketzustellung, die eine Mehrheit sogar ablehnt. Eine deutliche Ablehnung zeichnet sich auch für Flüge ab, die Foto- und Videoaufnahmen zu Werbezwecken dienen.

Bevorzugt in unbewohntem Gebiet

„Unterschiedliche Bewertungen haben wir auch bei der präferierten Mindestflughöhe festgestellt“, sagt Stolz. „Nach Ansicht der Befragten kann diese im öffentlichen Auftrag geringer ausfallen als für andere Zwecke.“ Die Besorgtheit der Befragten wegen möglichem Missbrauch der Drohnen ist ebenfalls hoch. Der Drohneneinsatz soll nach ihren Vorstellungen bevorzugt in unbewohnten Gebieten stattfinden. Drohnenflüge in städtischen Gebieten befürwortet eine Mehrheit nur für Gewerbe- und Industriegebiete. Die Option, eine kontrollierte Landung der Drohnen durch Polizei oder Feuerwehr herbeizuführen sowie die Möglichkeit zur Identifikation von Drohnen und Haltern werden in hohem Maße befürwortet. Für städtische Wohngebiete und Altstadtbereiche zeigt sich trotz solcher möglicher Einschränkungen eine deutliche Ablehnung.

Die Studie zur aktuellen Akzeptanz unbemannter Luftfahrzeuge in Deutschland wurde mit Mitteln aus dem Programm Luftfahrtforschung des DLR finanziert und vom DLR-Institut für Flugführung gemeinsam mit dem DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin in Zusammenarbeit mit dem Institut für angewandte Sozialforschung (infas) erstellt, welches die repräsentative Umfrage im Auftrag des DLR durchführte. Dabei wurden Telefoninterviews mit 832 Personen zwischen 14 und 94 Jahren geführt.

Faltbare Drohne fliegt durch enge Löcher zu Einsturzopfern

Faltbare Drohne fliegt durch enge Löcher zu Einsturzopfern

17.12.18 - Forschende der Universität Zürich haben eine Drohne entwickelt, die ihre Propellerarme im Flug einfahren kann. Sie macht sich so klein, dass sie durch enge Spalten und Löcher passt und dadurch bei Naturkatastrophen die Rettungsteams unterstützen kann. lesen

Autonome Drohnentechologie: Ein Hubschrauber auf dem Mars

Autonome Drohnentechologie: Ein Hubschrauber auf dem Mars

29.10.18 - In zwei Jahren will die NASA wieder einen Rover zum Mars schicken. Mit dabei: ein autonom agierender Hubschrauber, der testen soll, ob die dünne Atmosphäre des Mars für Helikopter geeignet ist. Und sollte er fliegen können, hat er eine wichtige Aufgabe für zukünftige Mars-Missionen. lesen

Selbstlandende Hubschrauber: DLR testet Drohnen zur Überwachung der Seewege

Selbstlandende Hubschrauber: DLR testet Drohnen zur Überwachung der Seewege

27.10.18 - Ob Extremwetter, Havarie oder als Ziel krimineller Handlungen - Schiffe stellen das Rückgrat des Welthandels dar, sind aber zugleich sind vielen Risiken ausgesetzt, die nur schwer kontrolliert werden können. Bei einer potenziellen Gefahrenlage ist es unerlässlich, schnell einen Überblick zu gewinnen. Die nötige Reaktionsgeschwindigkeit könnten schiffgestützte, unbemannte Luftfahrzeuge bieten. lesen

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45662878 / Drohnen & Roboter)