Drei Ansätze, damit industrielle Displays lange auf dem Markt bleiben

| Autor / Redakteur: Klaus Wammes * / Hendrik Härter

Zerlegtes Display: Um die bildgebende Matrize wiederzuverwenden, wird sie im Rahmen des Recycling entnommen. Damit Displays möglichst lange verfügbar bleiben, sind drei Ansätze beim Obsoleszenz-Management notwendig.
Zerlegtes Display: Um die bildgebende Matrize wiederzuverwenden, wird sie im Rahmen des Recycling entnommen. Damit Displays möglichst lange verfügbar bleiben, sind drei Ansätze beim Obsoleszenz-Management notwendig. (Bild: Wammes & Partner)

Damit industrielle Displays möglichst lange auf dem Markt bleiben, bieten Dienstleister ein besonderes Obsoleszenz-Management an. Dazu lohnt es sich, auf drei Ansätze besonders zu achten.

Wie können Hersteller garantieren, dass Komponenten, Materialien und Prozesse verfügbar bleiben? Kurz: gar nicht! Auch wenn sie planen, in zehn Jahren noch auf dem Markt zu sein, tatsächlich weiß kein Unternehmen, was die nächste Dekade bringt. Der Blick in die Glaskugel bleibt damit an jenen hängen, die die betroffenen Produkte, Geräte, Anlagen nutzen beziehungsweise benutzbar halten wollen oder müssen.

Übertragen auf industriell verwendete Displays bedeutet das eine vernünftige Planung der Verfügbarkeit von Teilen – um das zu bewerkstelligen muss Obsoleszenz-Management gut bis sehr gut funktionieren. Als drei wichtige Punkte sind: Bevorratung, Recycling und (mindestens) eine Datenbank, über die Komponenten bezogen oder repariert werden können.

Warum es nicht einfach ist, Displays zu bevorraten

Die drei genannten additiven Ansätze ermöglichen das operative, praktisch erprobte Obsoleszenz-Management. Alleine wird keine dieser Vorgehensweisen ausreichend sein, aber zusammen decken sie in Kombination den größten Teil der auftretenden Verfügbarkeitsprobleme ab. Zu beachten dabei ist, dass ein Display oder dessen Komponenten nicht einfach durch neue ersetzt werden können: Gerade in der Industrie wird oftmals der Einsatz eines Ersatzprodukts von Zulassungen verhindert, die nur für das Original erteilt wurden.

Ein ebenfalls weit verbreitetes Problem sind teils sehr lange Zulassungszeiten. Techniken entwickeln sich weiter und somit können auch die Displayteile noch während der Zulassungsphase abgekündigt oder einfach nicht mehr produziert werden. Damit entstehen Verfügbarkeitsprobleme noch bevor das betroffene Gerät jemals im Feld war.

Die scheinbar leichteste Art des Obsoleszenz-Managements ist es, fertige Displays oder dessen Zubehör zu bevorraten. Wie selbstverständlich gilt das für auslaufende oder abgekündigte Geräte. Aber es ist Vorsicht geboten, denn einfach nur kaufen und sich die Geräte in das Lager stellen, wo es möglichst wenig Zusatzkosten verursacht, macht die Sache im Zweifel nicht besser, sondern eher nur teurer. Empfindliche Komponenten wie elektronische Displays müssen unter kontrollierbaren und tatsächlich kontrollierten Bedingungen eingelagert werden, um dann viel später auch noch voll funktionsfähig sein zu können.

Originalwerkzeuge und -prozesse

Alternativ lassen sich nur die Komponenten für eine spätere Nachproduktion einlagern. Ebenfalls denkbar ist es, auf Komponenten ähnlicher Nachfolgemodelle zurückzugreifen, sofern sie verfügbar sind, und diese dann mit den Originalwerkzeugen und Originalprozessen nachzufertigen. Schwieriger wird es, wenn der Hersteller den gesamten Prozess aufgibt oder sogar komplett schließt. Dann ist der Zugriff auf Originalwerkzeuge und -prozesse nicht mehr gegeben. Gegebenenfalls hat der ein oder andere Betroffene die Chance in diesem Zusammenhang Werkzeuge und Restbestände aufzukaufen, aber die Originalprozesse dann wieder aufzusetzen wird wohl nur im Ausnahmefall realisierbar sein.

Vor allem bei Investitions-Gütern, die auf eine langjährige Nutzungsdauer ausgelegt sind, ist der Aufwand für eine Langzeitlagerung, eine Nachfertigung oder jede andere geeignete Obsoleszenz-Management-Alternative bereits in der Design- und Entwicklungsphase sowie dem Projekt-Budget zu berücksichtigen. Um hier nicht zu viele, zu wenige oder die falschen Produkte in Eigenregie mit großem Aufwand und unter Umständen auch noch falsch einzulagern, bieten Dienstleister verschiedene Geschäftsmodelle an. Kunden können entsprechende Komponenten entweder selbst bevorraten oder die Komponenten sind über Datenbanken und Netzwerke verfügbar.

Eine Datenbank und gutes Recycling

Solche Dienstleister halten eigene und fremde Bestände vor. Für industriell eingesetzte Displays können das einzelne Komponenten, Materialien oder fertige Produkte und Ersatzteile in unterschiedlichen Release-Ständen und Konfigurationen sein. Hilfreich ist eine Datenbank zur Online-Recherche, inklusive Nummer, Titel, Beschreibung und Bild. Manche Datenbanken bieten nach dem Prinzip der Online-Marktplätze anderen Herstellern an, eigene Komponenten einzupflegen oder einpflegen zu lassen. Es geht aber nicht nur um das (Nach-)Bestellen und Beschaffen.

Die Datenbank sollte im Sinne eines Nachschlagewerks zusätzliche oder auch Teil-Informationen bieten. Das Recycling ist eine sinnvolle und noch nicht häufig genutzte Hilfe beim Obsoleszenz-Management. Durch professionelle Aufbereitung oder sogenanntes Refurbishment ist ein professionelles Troubleshooting für sehr betagte Produkte möglich. Aus vorhandenen, alten Produkten, die funktionierende Komponenten enthalten, werden diese entnommen und wieder zu einem Originalteil mit originalen Komponenten aufgebaut und qualifiziert. So wird automatisch gewährleistet, dass eine erteilte Zulassung weiter gilt.

Das funktioniert prinzipiell für alle Arten von Displays und Hersteller. Mit der Kombination der drei vorgestellten Ansätze ist es möglich, kundenspezifische Produkte so aufzubereiten, dass sie lange verfügbar bleiben.

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* Klaus Wammes ist Geschäftsführer der Wammes & Partner GmbH. Das Unternehmen forscht an optoelektronischen Komponenten und produziert sie.

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