DRAM und NAND: Bröckelnde Preise bremsen Samsung aus

| Redakteur: Michael Eckstein

Auf dem Weg zurück an die Spitze: Intel-Mitarbeiter in der Halbleiterfabrik D1D/D1X in Hillsboro, Oregon.
Auf dem Weg zurück an die Spitze: Intel-Mitarbeiter in der Halbleiterfabrik D1D/D1X in Hillsboro, Oregon. (Bild: Intel Corporation)

Intel überholt Samsung: Mit dem Preisverfall für DRAM und NAND büßt der weltgrößte Speicherhersteller massiv Umsatz ein. Chip-Rivale Intel profitiert und könnte 2019 wieder zum umsatzstärksten Halbleiterhersteller werden. Das sind nicht die einzigen Auswirkungen des schwächelnden Speichermarktes.

Samsung, der bisher nach Umsatz größte Chiphersteller der Welt könnte die Pole-Position in diesem Jahr verlieren. Ausgerechnet an Intel – den Prozessor-Primus hatten die Koreaner vor zwei Jahren von Platz 1 verdrängt. Diese Entwicklung sagt Halbleitermarktanalyst IC Insights voraus, der gerade seine Prognose für den Zeitraum 2019 bis 2023 aktualisiert. Bereits von 1993 bis 2016 war Intel umsatzstärkster Halbleiterhersteller.

Grund für die Annahme sind die stark sinkenden Preise für Halbleiterspeicher. Vor allen die DRAM-Preise befinden sich im freien Fall: Für das erste Quartal erwartet IC Insights 30% geringere Anschaffungskosten. Auch NAND-Chips sind deutlich billiger zu beziehen als noch vor wenigen Monaten. Da Samsungs Geschäft zum großen Teil auf dem Verkauf von Speicherlösungen basiert – 2018 lag der Anteil bei 83% – wird Samsungs Gesamtumsatz um satte 20% auf rund 63 Mrd. US-Dollar sinken, sagt IC Insights voraus. Gleichzeitig wird Intel demnach ein leichtes Plus schaffen und nach erfolgter Neujustierung seiner Geschäfte etwa 70,6 Mrd. US-Dollar erwirtschaften.

DRAM und NAND: Überangebot trifft nachlassende Nachfrage

Die Entwicklung hat mehrere Gründe. Einer ist die in den letzten Jahren massiv ausgebaute Fertigungskapazität. So haben beispielsweise in China große Fabs für Standard-DRAM- und -NAND-Speicher ihre Produktion aufgenommen. Das bedeutet, dass der größte Absatzmarkt der Welt einen größeren Teil ihres Bedarfs als bislang mit Produkten aus heimischer Produktion stillen kann.

Hinzu kommt eine nachlassende Nachfrage, nicht zuletzt aufgrund der vielen makroökonomischen Unwägbarkeiten wie dem schwelenden Handelskonflikt zwischen den USA und China und den kaum abschätzbaren Auswirkungen des Brexit auf den europäischen, aber auch weltweiten Markt. Die Folge: Bereits im Herbst letzten Jahres hatten Analysten auch für den Speichermarkt eine deutliche Abflachung der Wachstumsraten vorhergesagt.

Massive Auswirkungen auch für den Halbleiter-Gesamtmarkt

Für 2019 wird der Preisverfall im Speichermarkt insgesamt etwa 24% betragen. Dies wird den Halbleiter-Gesamtmarkt um rund 7% nach unten ziehen, erwartet IC Insights. Da sowohl der DRAM- als auch der NAND-Flash-Markt voraussichtlich erheblich schwächeln werden, erwarten die Auguren in diesem Jahr auch starke Umsatzeinbußen im Bereich um 20% bei den anderen Top-10-Speicherherstellern, namentlich SK Hynix, Micron und Toshiba Memory. Deren Gesamtumsatz werde auf das Niveau von 2017 zurückgehen – oder sogar darunter sinken.

Diese Entwicklung führt erneut vor Augen, welchen zum Teil extremen Schwankungen gerade der Markt für Halbleiterspeicher unterworfen ist. Noch Ende 2017 sagte der taiwanesische Marktanalyst Trendforce DRAMeXchange von einem bereits hohen Niveau weiter steigende Preise für DRAM und NAND voraus. Die Produzenten würden der Nachfrage kaum nachkommen. Tatsächlich stieg 2018 die Zahl ausgelieferter NAND-Bits im Vergleich zu 2017 um über 40%. Der Gesamtumsatz stieg auf ein Rekordhoch von 63,2 Milliarden US-Dollar, was einem Wachstum von fast 11% gegenüber 2017 entspricht.

Wachsende Lagerbestände für DRAM und NAND

Seitdem hat sich die Situation komplett umgekehrt – wieder einmal. Für DRAM sagt Trendforce eine lang anhaltende Korrektur hin zu niedrigeren Preisen voraus – zu erwarten sei „der stärkste Einbruch innerhalb eines Quartals seit 2011“. Demnach werden die Preise im ersten Quartal um fast 30% sinken – ursprünglich prognostiziert waren 25%.

Hinzu kommt laut DRAMeXchange, dass seit dem Fallen der Vertragspreise im vierten Quartal 2018 viele Anbieter und wohl auch Abnehmer über wachsende Lagerbestände verfügen. Die meisten DRAM-Anbieter würden derzeit einen Lagerbestand von sechs Wochen halten. Dass Intel bis voraussichtlich Ende des dritten Quartals nicht genügend Low-End-Prozessoren liefern könne, würde zusätzlich Öl ins Feuer gießen. Dadurch sinke trotz Preisnachlässen die Nachfrage nach DRAM-Chips – was den Abwärtstrend letztlich weiter befeuert. Laut DRAMeXchange ist „der Gesamtmarkt damit in den freien Fall eingetreten“.

Auch NAND-Hersteller betroffen

Die Entwicklung ist nicht auf DRAM beschränkt: Bereits im vierten Quartal 2018 würden auch die großen Hersteller von NAND-Flash unter Umsatzeinbußen von fast 17% leiden. Wie IC Insights sieht auch Trendforce die Ursache in erster Linie in den sinkenden Preisen. Zudem würden sich auch hier Intels CPU-Lieferschwierigkeiten auf die Produktion von Laptops auswirken – und damit die Nachfrage nach SSDs schwächen. Ein weiterer Grund liege im zunehmend gesättigten Smartphone-Markt. Gerade Highend-Geräte sind mittlerweile so ausgereift und leistungsstark, dass immer mehr Anwender ihr Smartphone länger als die sonst üblichen zwei Jahre nutzen. Das drückt die Nachfrage.

Bei Samsung und SK Hynix seien im vierten Quartal 2018 die Bit-Auslieferungen um 7% beziehungsweise 10% gegenüber dem dritten Quartal gefallen, schreibt Trendforce. Toshiba Memory hätte seine Auslieferungen knapp halten können. Nur Micron hätte im gleichen Zeitraum gut 10% mehr Bits geliefert. Umsatzmäßig hätten jedoch alle drei Einbußen erlitten.

Intel liefert 10-nm-Prozessoren nur in homöopathischen Dosen

Im letzten Jahr war Intel ins Kreuzfeuer geraten, da sich seine eigentlich bereits für 2015 angekündigte Produktion von Chips im 10-nm-Prozess immer wieder verschoben hat. Intel geriet ins Hintertreffen, da andere Fabs – allen voran ausgerechnet Samsung – seit 2018 auf EUV-(Extrem-Ultra-Violett-)Belichtung basierende 7-nm-Prozesse für die Massenproduktion bestimmter Chips fahren. Einer davon ist der prestigeträchtige A12-Bionic-Chip für Apples iPhone. Mittlerweile liefert Intel erste 10-nm-Prozessoren aus.

Branchenkenner sagen zwar, dass Intels 10-nm-Verfahren vergleichbar zu dem 7-nm-Prozess von Chipfertiger TSMC ist. Auch Intels Senior Fellow Mark Bohr beschwört, dass die eigene 10-nm-Fertigung „eine volle Generation vor anderen 10-nm-Technologien liegt, sowohl in Bezug auf die Transistordichte als auch auf die Transistorleistung.“ Doch was nützt es dem US-Konzern, wenn seine Prozessoren erst spät im Jahr – nach eigenen Aussagen zum Weihnachtsgeschäft 2019 – in hohen Stückzahlen verfügbar sind? Der wiedererstarkte Konkurrent AMD will bis dahin längst 7-nm-CPUs liefern.

Wenn Intels technologischer Vorsprung auf die Konkurrenz schrumpft, kann dies auf lange Sicht zum Problem für das Unternehmen werden. Die Pole-Position im Halbleitermarkt werden die Kalifornier aber wohl erst einmal behalten – zumindest bis zum nächsten Speicheraufschwung.

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