Volatiler Speichermarkt DRAM-Preise fallen wieder

Redakteur: Sebastian Gerstl

Der Markt für DRAM-Speicher macht 2021 erneut eine Berg- und Talfahrt durch: Nachdem in den ersten acht Monaten des Jahres die Speicherpreise um 41% gestiegen waren, stehen die Zeichen im vierten Jahresquartal wieder auf Abkühlung.

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Auch der Bedarf an DRAM-Speicher ist 2021 wieder deutlich gestiegen. Nach einem enormen Preisanstieg scheinen sich aber die Preise in diesem Markt wieder abzukühlen.
Auch der Bedarf an DRAM-Speicher ist 2021 wieder deutlich gestiegen. Nach einem enormen Preisanstieg scheinen sich aber die Preise in diesem Markt wieder abzukühlen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Im Januar 2021 hatte der durchschnittliche Verkaufspreis für DRAM-Speicher noch bei 3,37 US-$ gelegen. Bis August des Jahres war der Preis dann um etwa 41% gestiegen und stand bei einem vorläufigen Höchstwert von 4,77 US-$. Im September hatten die Preise dann wieder leicht nachgelassen und um 3% auf 4,63 US-$ gesunken. Das ist immer noch mehr als ein Drittel mehr als zu Jahresbeginn und im Vergleich zum Vorjahr, wo die durchschnittlichen DRAM-Verkaufspreise im Jahresverlauf nie die 3,75 US'-$ Marke überschritten hatten.

Covid-19-Pandemie und andere Faktoren wirbeln den Markt auf

Bild 1: Die Entwicklung des durchschnittlichen DRAM-Verkaufspreises pro Monat seit Juli 2018.
Bild 1: Die Entwicklung des durchschnittlichen DRAM-Verkaufspreises pro Monat seit Juli 2018.
(Bild: IC Insights)

Generell kam der Preisanstieg nicht überraschend: Der Speichermarkt ist generell starken Schwankungen unterworfen, und Experten hatten für 2021 mit einem zyklischen Preisanstieg gerechnet. 2017 hatten die Preise begonnen, nach einem längeren Tief wieder stark anzuziehen. Nach einem Höhenflug Mitte 2018 war der DRAM-Markt regelrecht eingebrochen. Der durchschnittliche Verkaufspreis stürzte von einem Höchstwert von 6,88 US-$ im Juli 2018 auf gerade einmal 3,04 US-$ im Dezember 2019 ab. Der Einbruch der COVID-19-Pandemie und andere Faktoren haben den ohnehin bereits volatilen Speichermarkt allerdings noch einmal ordentlich durchgewirbelt.

Lockdowns und Werksschließungen hatten im Verlauf des Jahres 2020 die Verfügbarkeit neuer Speicherbausteine ausgebremst. Die Auswirkungen auf den Preis waren aber aufgrund einer ausreichenden Vorratslage nach dem Markteinbruch 2019 zunächst noch kaum zu spüren. Anfang 2021 änderte sich dies: Wirtschaft und Massenproduktion erholte sich in zahlreichen Regionen wieder, was auch die Nachfrage nach Speicherbausteinen wieder ansteigen ließ.

Infolgedessen waren in den ersten drei Quartalen 2021 DRAM-Lieferanten bemüht, die aufgestaute Nachfrage aus allen Endverbrauchersegmenten zu erfüllen. Die Vorlaufzeiten verlängerten sich, da Käufer, die genügend Chips für ihre Systeme vorrätig haben wollten, früh kauften und nachbestellten. Dies heizte die Preissteigerung weiter an.

Unklare Aussichten erschweren die Prognose

Vor allem PC- und Serverhersteller kauften in der ersten Jahreshälfte 2021 große Mengen an DRAM, um mögliche Verzögerungen bei der Herstellung und Auslieferung im weiteren Verlauf des Jahres abzufedern. Dieser Bedarf scheint nun gesättigt: Experten wie die Marktbeobachter von IC Insights erwarten, dass sie ihre hohen DRAM-Käufe im 4. Quartal 2021 einschränken werden, um die vorhandenen Bestände zu verbrauchen. Die Preise für PC- und Server-DRAMs dürften demnach in diesem Zeitraum um 0,5 % sinken.

Im Vorweihnachtsgeschäft zieht zudem der Verkauf von Smartphones in der Regel kräftig an. IC Insights geht davon aus, dass die weltweiten Auslieferungen von 5G-Smartphones der neuen Generation bis 2021 auf 575 Millionen Stück steigen werden. Angesichts des unsicheren Weihnachtsgeschäfts und der für 2022 erwarteten niedrigeren Preise für mobile DRAMs bleiben die Smartphone-Hersteller jedoch vorsichtig, wenn es darum geht, im aktuellen Quartal zu viel DRAM zu kaufen. Stattdessen konzentrieren sich die meisten Anbieter darauf, ihre Lagerbestände zu reduzieren. IC Insights geht davon aus, dass dies die Preise für mobilen DRAM zunächst stabil halten wird.

In einigen Fällen haben sich Engpässe bei anderen Halbleiterbausteinen auf die DRAM-Preise ausgewirkt. Die stärkste Nachfrage nach Grafik-DRAM kommt zum Beispiel von Grafikkarten, die in Notebooks eingesetzt werden. Im letzten Quartal dieses Jahres wird erwartet, dass schwere Engpässe bei Power-Management-ICs und anderen peripheren Schaltkreisen die Produktion von Grafikkarten einschränken werden. Infolgedessen wird auch der Preis für Grafik-DRAM im 4. Quartal 21 voraussichtlich um 0-5 % sinken.

Bild 2: Gesamtvolumen des DRAM-Marktes pro Quartal.
Bild 2: Gesamtvolumen des DRAM-Marktes pro Quartal.
(Bild: IC Insights)

Bild 2 zeigt den vierteljährlichen DRAM-Markt und die beträchtlichen Zuwächse in den ersten drei Quartalen 2021. Es ist erwähnenswert, dass der DRAM-Markt, nachdem er im 1. Quartal 2020 auf ein Dreijahrestief von 14,8 Mrd. USD gefallen war, im Jahr des Ausbruchs des Corona-Virus und in den ersten drei Quartalen des Jahres 2021 in jedem Quartal ein Wachstum verzeichnete. Die DRAM-Verkäufe im vergangenen Quartal verzeichneten das höchste vierteljährliche Umsatzvolumen (26,0 Mrd. USD) seit dem 3. Quartal 2018, als die vierteljährlichen DRAM-Verkäufe mit 28,2 Mrd. USD ein Allzeithoch erreichten.

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