Doppelt spitze: Weltweiter Halbleiterumsatz und deutsche Elektroexporte auf Rekordhoch

| Redakteur: Michael Eckstein

Wachstumsbranche: Deutsche Elektronikprodukte sind gefragt.
Wachstumsbranche: Deutsche Elektronikprodukte sind gefragt. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Der weltweite Halbleiterverbrauch kletterte im September auf ein neues Allzeithoch. Damit ist ein Gesamtumsatz von 480 Mrd. Dollar für 2018 in Reichweite. Auch die deutschen Elektrohersteller konnten erneut zulegen: Ihre Exporte waren im Juli so hoch wie nie zuvor.

Das gab es noch nie: Im dritten Quartal 2018 konnten Unternehmen der Halbleiterbranche weltweit einen Umsatz von 122,7 Mrd. Dollar erzielen, berichtet die Semiconductor Industry Association (SIA), die amerikanische Firmen in den Bereichen Halbleiterherstellung, -design und -forschung vertritt. Das entspricht einer Zunahme von 4,1 Prozent gegenüber dem bereits starken Vorquartal. Im Vergleich zum dritten Quartal 2017 stieg der Umsatz demnach sogar um 13,8 Prozent. Die Daten basieren auf den monatlichen Auswertungen der Organisation „World Semiconductor Trade Statistics“ (WSTS) und spiegeln einen gleitenden Dreimonatsdurchschnitt wider.

„Die globale Halbleiterindustrie ist auf gutem Wege, den Rekordwert des Vorjahres von insgesamt 412 Milliarden Dollar deutlich zu übertreffen und den höchsten Jahresumsatz aller Zeiten zu erzielen“, sagt John Neuffer, Präsident und CEO der Semiconductor Industry Association. Zwar habe sich das Wachstum in den letzten Monaten verlangsamt, doch markiere der September den höchsten jemals ermittelten Monatsumsatz: Er lag bei 40,9 Mrd. Dollar. Damit konnten die Unternehmen ein Plus von 2 Prozent gegenüber August 2018 verzeichnen. „Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Umsätze in allen wichtigen Produktkategorien und regionalen Märkten, wobei die Umsätze in China und Amerika weiterhin führend sind.“

Besonders Amerika legt stark zu

Heruntergebrochen auf einzelne Regionen stiegen die Umsätze gegenüber September 2017 in China um 26,3 Prozent, in Amerika um 15,1 Prozent, in Europa um 8,8 Prozent, in Japan 7,2 Prozent und in der Asien-Pazifik-Region um 2,4 Prozent. Im Vergleich zu August 2018 konnte vor allem Amerika über 6,0 Prozent zulegen. In China und Europa lag der Zuwachs bei 1,8 respektive 1,2 Prozent. Leichte Rückgänge mussten Japan mit -0,6 Prozent und die restliche Asien/Pazifik-Region mit -0,1 Prozent hinnehmen.

Der Umsatz mit Halbleitern ist ein Maß dafür, wie gut die Elektronikindustrie in den einzelnen Ländern beziehungsweise Regionen prosperiert. Wie schon 2017 lassen sich die hohen Umsätze zu einem großen Teil auf hohe Preise für Speicherchips zurückführen. Diese waren über das Jahr erneut stark gestiegen. Erst in den letzten Wochen kündigt ein abgeschwächter Preisanstieg auf ein mögliches Ende der „Speicher-Party“ in 2019 hin. Grund dafür sind primär massive Investitionen in Speicher-Fabs, nicht zuletzt in China entstehen in erstaunlichem Tempo neue Fertigungsanlagen für NAND und DRAM.

Prognosen von Ende 2017 sind bereits Makulatur

Der Zentralverband der Elektro- und Elektronikindustrie, ZVEI, hatte Ende letzten Jahres für 2018 recht konservativ einen Gesamtumsatz der Branche von 423 Mrd. Dollar prognostiziert, was einer Zunahme von 5 Prozent entspräche. Nach der derzeitigen Entwicklung wird diese Marke wohl recht deutlich überschritten werden: Rechnet man die von der SIA veröffentlichten Daten für die bisherigen Quartale hoch – 111,1 Mrd. Dollar in Q1, 117,9 Mrd. Dollar in Q2 und 122,7 Mrd. Dollar in Q3 – ist rund 480 Mrd. Dollar Gesamtumsatz für das Jahr 2018 durchaus realistisch. Damit würde die Halbleiterbranche auch in diesem Jahr eine Wachstumsrate von gut 20 Prozent verbuchen können.

Laut ZVEI profitiert erneut auch die deutsche Elektroindustrie von einer hohen Nachfrage: Im August sind die Ausfuhren der deutschen Elektroindustrie um 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 16,7 Milliarden Euro gestiegen. „Damit legten die Branchenexporte zuletzt mit dem gleichen Tempo zu wie schon in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres“, freut sich Dr. Andreas Gontermann, Chefvolkswirt des ZVEI - Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie.

Auch der Arbeitsmarkt profitiert: Höchster Beschäftigungsstand seit 2001

In den gesamten ersten acht Monaten erreichten die Auslandslieferungen ein Volumen von 136,2 Milliarden Euro. Das waren 6,4 Milliarden Euro bzw. 4,9 Prozent mehr als noch im letzten Jahr. Im Juli 2018 verzeichnete die deutsche Elektroindustrie sogar den höchsten jemals in einem Juli gemessenen Exportwert: 17,0 Mrd. Euro – satte 8,6 Prozent Plus gegenüber dem Vorjahr. Auch die Importe elektrotechnischer und elektronischer Erzeugnisse nach Deutschland legten im Juli um 7,6 Prozent gegenüber Vorjahr auf 15,3 Milliarden Euro zu. In den ersten sieben Monaten erreichten sie insgesamt 106,4 Milliarden Euro – ein Plus von 3,5 Prozent.

Die positive Entwicklung wirkt sich auf den Arbeitsmarkt aus: Nach Angaben des ZVEI hat sich die Zahl der Beschäftigten in der deutschen Elektroindustrie im Juli 2018 auf 880.870 erhöht und damit den höchsten Stand seit September 2001 erreicht. Alleine im laufenden Jahr sei die Zahl der Beschäftigten in der Elektrobranche um rund 13.000 gestiegen. Das Geschäftsklima in der deutschen Elektroindustrie hat sich demnach auch im September dieses Jahres leicht verbessert. Zwar fiel die Beurteilung der aktuellen Lage laut ZVEI etwas ungünstiger aus als noch im August, dafür hätten aber die allgemeinen Geschäftserwartungen deutlich angezogen.

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