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Concorde-Nachfolger Doppeldecker-Design soll Überschallknall eliminieren

| Redakteur: Peter Koller

12 Jahre nach dem fatalen Absturz der Concorde könnten Überschall-Flugzeuge vor einer Renaissance zu stehen. Jedenfalls wird weltweit in diese Richtung geforscht: Mit einem Doppeldecker-Konzept will etwa das MIT solche Flugzeuge in Zukunft leiser machen.

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Doppelflügel in Form eines gespiegelten Dreiecks: So könnte ein "leises" Überschallflugzeug der Zukunft aussehen. (Foto: MIT)
Doppelflügel in Form eines gespiegelten Dreiecks: So könnte ein "leises" Überschallflugzeug der Zukunft aussehen. (Foto: MIT)

Es scheint ein Rückfall in die Frühzeit der Fliegerei zu sein – doch der Aeronautik-Professor Qiqi Wang vom Massachussets Institute of Technology ist überzeugt, mit einem Doppeldecker-Design viele der Problem lösen zu können, die die Concorde während ihres 27-jährigen Daseins geplagt haben.

Mit Hilfe von Computersimulationen sind Wang und seine Kollegen Rui Hu und Antony Jamerson von der Stanford University zu der Überzeugung gekommen, dass ein Design mit zwei übereinander angeordneten Tragflächen Überschallflugzeuge erheblich leiser und sparsamer machen kann.

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Erreicht wird das durch eine spezielle Anordnung der Flügel in Form eines gespiegelten Dreiecks. Die beim Durchbrechen der Schallmauer an den Flügelvorderkanten ausgelösten Schockwellen sollen sich dann gegenseitig auslöschen.

Die Anordnung hat auch noch einer sehr hilfreichen Nebeneffekt: Sie reduziert den Luftwiderstand – und damit auch den Kerosinverbrauch – beim Überschallflug deutlich.

Wang: "Letztlich könnte sich der Kerosinverbrach mehr als halbieren, denn wir haben es mit einem Dominoeffekt zu tun: Wenn man den Verbrauch der Triebwerke reduziert, braucht man nicht so viel Kerosin mit zu führen, so dass die Tanks kleiner ausfallen können, was wiederum den Luftwiderstand reduziert."

Laut Wang wurde das Konzept der Doppelflügel zur Eliminierung des Überschallknalls schon in den 1950er-Jahren von dem deutschen Ingenieur Adolf Busemann entwickelt.

An der japanischen Tohoku University ist ein ähnliches Design in Entwicklung, das die Idee sogar noch weiter treibt, indem sich die Öffnung zwischen den Tragflächen je nach Fluggeschwindigkeit vergrößern oder verkleinern ließe.

Und auch in Russland wird wieder verstärkt in Richtung zivile Überschallflugzeuge entwickelt. Dort gab vor wenigen Tagen ein Konsortium aus dem Forschungsinstitut Central Aerohydrodynamic Institute (TsAGI), dem Flugzeugbauer Sukhoi und dem Triebswerkshersteller NPO Saturn bekannt, dass man die Entwicklung eines "leisen" Überschall-Jets begonnen habe, der auch über bewohntem Gebiet fliegen können soll.

Konzepte für zivile Überschallflugzeuge sind auch bei den großen nordamerikanischen Flugzeugherstellern auf der Agenda: So gibt es entsprechende Entwürfe sowohl von Boeing als auch von Lockheed Martin (siehe Bildergalerie).

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