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Bauteileversorgung Distributoren verraten, wie Sie sich gegen die drohende Bauteileverknappung wappnen können

| Redakteur: Margit Kuther

Während iSuppli und der ZVEI nach der Katastrophe in Japan nicht ausschließen, dass es möglicherweise langfristige Produktionsfolgen für die Elektroindustrie, etwa durch Bauteileverknappung, geben könnte, beruhigt der Hightech-Verband Bitkom. Damit Sie die Lage in Japan besser einschätzen können, hat die ELEKTRONIKPRAXIS die Meinung zahlreicher Distributoren eingeholt, trägt Fakten zusammen und präsentiert Lösungen.

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Übersicht über die Fabs in Japan (unvollständig): Die Unternehmen, die im Norden und Nordosten des Landes liegen, sind am meisten von der Katastrophe betroffen (Bild: Glyn)
Übersicht über die Fabs in Japan (unvollständig): Die Unternehmen, die im Norden und Nordosten des Landes liegen, sind am meisten von der Katastrophe betroffen (Bild: Glyn)

Die Analysten von IHS iSuppli erwarten eine verschärfte Bauteile-Knappheit. Und auch der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektroindustrie (ZVEI) warnt vor weltweiten Produktionsausfällen und Auswirkungen auf eine Vielzahl elektronischer Erzeugnisse. Bitkom hingegen beurteilt die wirtschaftlichen Folgen des Desasters folgendermaßen: Die Unternehmen bemühen sich, die Fertigung wieder in Gang zu bringen, oder sie verlagern Produktionskapazitäten in andere Werke“, so Bitkom-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer.

Ein Fünftel der weltweiten Halbleiter-Produktion kommt aus Japan

Japan ist einer der größten Hersteller von Halbleitern und elektronischen Systemen. 2010 kamen laut Analystenfirma IHS iSuppli und Objective-Analysis aus Japan 13,9% aller elektronischen Geräte, darunter Computer, Consumer-Elektronik sowie Kommunikationstechnik sowie rund ein Fünftel der weltweiten Halbleiter-Produktion. Etwa 15% der werltweiten DRAM-Fertigung stammt aus Japan, 16,5% des weltweiten Umsatzes an Consumerelektronik-Fertigungsausrüstung, 6,2% des Marktes für großflächige LCD-Panels sowie 14% aller TV-LCD-Panel.

Extreme Unterschiede bei der Auswirkung der Katastrophe auf die japanischen Unternehmen

Insbesondere im Norden und Nordosten Japans sind Gebäude, Eisenbahnstrecken, Häfen und Flughäfen zerstört oder stark beschädigt. Auch die Stromversorgung ist gerade in diesen Gegenden erheblich eingeschränkt, was insbesondere den Chip-Herstellern zu schaffen macht. Doch der wirtschaftlich extrem wichtige Großraum Tokio sowie der Süden des Landes sind von Erdbeben, Tsunami und Reaktorkatastrophe weit weniger betroffen als der Norden. So teilte uns etwa Glyn mit, dass die Produktionsanlagen seiner Hersteller kaum beschädigt seien, da diese meist außerhalb der Krisengebiete liegen.

Übersicht über die Fabs in Japan (unvollständig): Die Unternehmen, die im Norden und Nordosten des Landes liegen, sind am meisten von der Katastrophe betroffen (Bild: Glyn)
Übersicht über die Fabs in Japan (unvollständig): Die Unternehmen, die im Norden und Nordosten des Landes liegen, sind am meisten von der Katastrophe betroffen (Bild: Glyn)

Verschaffen Sie sich ein Bild über die Produktionsstandorte des Herstellers

Generell gilt, dass die Unternehmen im Süden des Landes relativ glimpflich durch die Umweltkatastrophe gekommen sind. Doch entscheidend für die Verfügbarkeit von Bauteilen und Komponenten ist auch die Anzahl der Niederlassungen und deren Standorte. Viele der japanischen Hersteller sind global aufgestellt und produzieren auch außerhalb des Landes in der Nähe ihrer Absatzmärkte. So hat etwa der größte Autohersteller der Welt, Toyota, zwölf Werke in Japan und 51 im Ausland. Zwar war in Japan die Teile- und Autoproduktion teilweise ausgesetzt. Doch 77% der in Deutschland verkauften Autos stammt aus europäischer Produktion, so dass die Kunden hierzulande kaum Einschränkungen hinnehmen mussten.

Hersteller und Distributoren informieren über die Bauteileverfügbarkeit

Zahlreiche japanische Hersteller wie Murata, und Renesas informieren auf ihren Websites regelmäßig über den Lieferstatus. Doch auch etliche Distributoren wie Arrow, Avnet, Codico, EBV, Farnell, Glyn, MSC & Gleichmann Electronics,Rutronik und SE Spezial-Electronicbieten auf ihren Sites einen Lieferstatus von Produkten aus Japan an.

Kunden sollten diese regelmäßig aufsuchen. Da sich die Situation in Japan fast täglich ändert, aktualisieren Hersteller und die Distributoren die Informationen ständig.

Die Distributoren kennen Ersatzlieferanten

Die Distributoren sind insbesondere in der aktuellen japanischen Krisensituation ein wichtiges Bindeglied zwischen Hersteller und Kunde. So betont beispielsweise Volker Bredemeier, Leiter Vertrieb bei Atlantik Elektronik, dass „wir in intensivem Kontakt mit unseren Herstellern stehen, um wichtige Fakten hinsichtlich der Liefersituation für bestehende sowie neue Aufträge zu bekommen. Es ist unser vorrangiges Interesse, unsere Kunden detailliert zu informieren.“

Da Distributoren mehrere Lieferanten zur Hand haben, können sie mit den Kunden individuell abgestimmte Strategien abstimmen: So betont etwa Mark Burr-Lonnon, Vice President-International bei Mouser, dass “wir viele Lieferanten, davon über 400 Hersteller, aus den verschiedensten Regionen der Welt haben. Darunter gibt es etliche, die von dem Geschehen in Japan vollkommen unbeeinflusst sind.”

Die Transportwege von und nach Japan funktionieren relativ gut

Obgleich der Warenfluss innerhalb Japans durch die Auswirkungen des Erdbebens und des Tsunamis derzeit teilweise stark eingeschränkt sind, läuft der Warenfluss von und nach Japan nach Aussagen etwa von Digi-Key noch relativ reibungslos. Wer up-to-date sein möchte, kann sich auf den Sites der großen Transportunternehmen DHL, FedEx und UPS informieren.

Verlässliche Angaben zur Entwicklung sind kaum möglich

Bei der Einschätzung der aktuellen Situation in Japan und den Auswirkungen auf die Lieferkette sind die Distributoren derzeit durchwegs äußerst zurückhaltend. Sie wollen zum einen insbesondere auf ihre japanischen Lieferanten Rücksicht nehmen und ihnen nicht vorgreifen. Zum anderen sind etliche wie Dr. Klaus Barenthin, Director SE Spezial-Electronic, der Meinung, dass „angesichts der aktuellen Datenlage verlässliche Hinweise zur Entwicklung von Lieferzeiten derzeit nicht möglich sind.“

Generell gehen die Distributoren jedoch davon aus, dass die Katastrophe in Japan nicht nur Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Kompenten haben wird, sondern auch auf die Weltwirtschaft. In diesem Punkt erhalten sie beispielsweise auch Zustimmung von Dennis Snower, Leiter des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel. So verweist Snower darauf, dass Japans Industrie eng mit Firmen in Thailand, Malaysia, Taiwan und China zusammenarbeitet. Das sei Teil von „Asian Incorporated“. Fallen Chips aus Japan aus, könne es zu Domino-Effekten kommen, die den gesamten asiatischen Raum erfassen können.

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