Diskutieren Sie mit Experten über Obsoleszenz-Risiken

| Redakteur: Margit Kuther

Abgekündigt: Der COGD informiert, damit Obsoleszenz kein Problem wird.
Abgekündigt: Der COGD informiert, damit Obsoleszenz kein Problem wird. (Bild: Comfreak, Pixabay / CC0)

Wer meint, Obsolescence aussitzen zu können, sitzt auf einem wackeligen Stuhl. Mitgliedsfirmen der Component Obsolescence Group geben am 12. November auf der productronica 2019 in München Expertentipps.

Wenn ein für die Produktion oder die Instandhaltung wichtiges Bauteil auf dem Markt plötzlich nicht mehr zur Verfügung steht, kann dies für das betroffene Unternehmen gravierende finanzielle Auswirkungen haben. Besonders deutlich spürbar sind diese bei Geräten, Anlagen und Systeme mit Lebenszyklen von über zehn Jahren.

So gehen die Experten der Component Obsolescence Group Deutschland (COGD) davon aus, dass inzwischen bis zu 50% der gesamten Produktzykluskosten durch direkte oder indirekte Obsoleszenz-Folgen entstehen. Für Hersteller langlebiger Wirtschaftsgüter aus der Automatisierungs-, Automobil-, Bahn-, Kraftwerks-, Medizin oder Militärtechnik sowie Aerospace entwickeln sich obsolete Komponenten damit zunehmend zum oft nur schwer kalkulierbaren Kostenrisiko.

Auch Software und Leiterplattenmaterialien sind von Obsoleszenz betroffen

Nachdem nicht nur elektronische Bauteile und Systeme, sondern zunehmend auch Leiterplattenmaterialien, Hilfsstoffe, Software-Tools, etc. von Obsoleszenz betroffen sind, halten immer mehr Fachleute mittelfristig die Einführung eine konsequenten Obsoleszenz-Managements entlang der kompletten Supply Chain für unumgänglich. Einige praxiserprobte pro- und reaktive Lösungsansätze präsentieren Mitglieder der COGD am 12. November von 15.30 bis 17.30 Uhr auf der productronica 2019 in München.

Diese Themen erwarten Sie

Eröffnet wird die auf dem Innovation Forum in Halle B2 in Kooperation mit der Messe München stattfindende Vortragsreihe von Dr. Wolfgang Heinbach. Der Vorstandsvorsitzende der COGD und President des International Institute of Obsolescence Management (IIOM) zeigt in seinem Beitrag auf, wie sich der Austausch von Wissen und Erfahrungen bei der COGD und dem IIOM positiv auf die eigenen Geschäftsprozesse auswirken können. Zwei im Gegensatz zur heutigen Wegwerfmentalität besonders ressourcenschonende Second Life-Beispiele präsentiert anschließend Michael Knöferle, Leiter Vertrieb & Marketing BMK Group, bevor Dr. Jörg Berkemeyer, Business Development bei IHS Market, ebenfalls anhand verschiedener Bespiele die vielfältigen Möglichkeiten eines komplexen Tools wie BOM Intelligence in punkto Stücklisten-Analyse, Suche nach alternativen Bauteilen, PCN-Management etc. erörtert.

Es folgt ein weiterer Vortrag von Dr. Heinbach, in dem der Geschäftsführer von D+D+M Daten- und Dokumentations-Management die Vorteile von prozessstandardisierten Software-Tools wie smartPCN erläutert. Auf die langfristige Lagerung kritischer Komponenten zur Sicherstellung der Verfügbarkeit für Serienproduktion oder Ersatzteile hat sich HTV spezialisiert. Holger Krumme, Technischer Direktor des Unternehmens, stellt Interessenten anhand eines Vergleiches verschiedener Einlagerungsmethoden deren Vor- und Nachteile vor und zeigt Alternativen auf, die die Lagerfähigkeit auf bis zu 50 Jahren erhöhen können. Abgerundet wir die Vortragsreihe von Anke Bartel, Regional Product Manager EMEA bei Velocity Electronics, die Zuhörer darüber informiert, wo derzeit die Lieferzeiten steigen oder fallen, und welche Trends sich auf dem Markt für elektronische Bauelemente abzeichnen.

Mit dieser Themenauswahl will die COGD interessierten Ausstellern und Besuchern demonstrieren, dass es durchaus Maßnahmen gebe, um sich wirkungsvoll gegen Obsoleszenz und deren meist teuere Folgen schützen zu können. „Wir sind uns bewusst, dass wir mit den sechs Vorträgen auf dem Innovation Forum der productronica nicht alle Facetten der hochbrisanten Obsoleszenz-Thematik beleuchten können. Das ist auch nicht das Hauptziel dieser Veranstaltung. Viel wichtiger ist es uns, die Verantwortlichen in den betroffenen Firmen noch stärker als bisher für das sich in den nächsten Jahren noch weiter verschärfende Obsoleszenz-Problem zu sensibilisieren. Wir möchten alle Anlagenbauer und sonstigen Industrieunternehmen dazu anzuregen, sich in Zukunft noch intensiver als bisher mit dem kritischen Thema Obsolescence auseinanderzusetzen und gemeinsam mit der COGD nach neuen Lösungsansätzen zu suchen“, fasst Dr. Heinbach zusammen.

Ausführlichere Informationen zu der Vortragsreihe der COGD-Mitglieder auf der productronica 2019 und sonstigen Aktivitäten des Non-Profit-Industrieverbandes COGD finden Interessenten auf der Verbands-Homepage .

COGD (Component Obsolescence Group Deutschland)

Die COGD (Component Obsolescence Group Deutschland) e.V. ist eine Vereinigung, die sich mit den Ursachen und den Folgen von Produktabkündigungen und ihren Auswirkungen auf die eigene Lieferfähigkeit auseinandersetzt. Sie entwickelt Ideen, Konzepte und Hilfsmittel zur vorausschauenden Vermeidung und dem effizienten Umgang mit einmal eingetretenen Produktabkündigungen. Dabei wird auf pragmatische „Best Practices“-Lösungen gesetzt, die aus dem intensiven Erfahrungsaustausch der Mitgliedsfirmen erwachsen. Ziel ist es, die durch Abkündigungen verursachten wirtschaftlichen Folgekosten zu minimieren. eitere Informationen finden Sie unter

So beugen Sie Obsoleszenz bei Vielschicht-Keramikkondensatoren vor

So beugen Sie Obsoleszenz bei Vielschicht-Keramikkondensatoren vor

24.10.18 - Die Versorgungssituation der Vielschicht-Keramikkondensatoren wird sich 2019 weiter zuspitzen. Höchste Zeit, Alternativen zu prüfen und freizugeben. Welche Alternativen es gibt, verrät dieser Beitrag. lesen

Geplante Obsoleszenz: „Man kann genau berechnen, wie lange ein Gerät läuft“

Geplante Obsoleszenz: „Man kann genau berechnen, wie lange ein Gerät läuft“

30.01.17 - Ist die Lebensdauer unserer Produkte programmiert? Ja, definitiv. Ob die Haltbarkeit jedoch absichtlich verkürzt wird, kann auch die 2016 veröffentliche Studie des Umwelt Bundesamts nicht beantworten – wir sprachen mit Kritikern der Studie, Elektrogeräteherstellern und Elektronik-Verbänden. lesen

EMS-Dienstleister – Wenn ein Medizingerätehersteller seine komplette Produktion auslagert

EMS-Dienstleister – Wenn ein Medizingerätehersteller seine komplette Produktion auslagert

12.04.19 - Die komplette Auslagerung der Fertigung eines Herstellers von Infusionspumpen ist für einen EMS-Dienstleister eine umfassende Aufgabe. Worauf dabei zu achten ist, lesen Sie im Beitrag. lesen

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 46163093 / Materiallogistik)