Die wichtigste Technologie der Zukunft

| Autor / Redakteur: Porsche #Digital / Julia Schmidt

Künstliche Neuronale Netze

Möglich wird dies durch sogenannte Künstliche Neuronale Netze. Neuronen sind Nervenzellen. Sie bilden einen Zusammenhang, dem einzelne Aufgabenstellungen zugeordnet werden, etwa das Sehen. Im menschlichen Nervensystem sind scheinbar endlos viele Neuronen dynamisch vernetzt. Das menschliche Gehirn lernt, indem diese Verknüpfungen laufend neu gewichtet werden. Regelmäßig genutzte Pfade werden stärker, selten genutzte Verbindungen verkümmern.

Ein Künstliches Neuronales Netz versucht, diese Struktur nachzubilden. Untereinander vernetzte künstliche Neuronen nehmen dabei Eingabewerte auf und füttern in nachgeschalteten Ebenen angelegte Neuronen mit diesen Informationen. Am Ende dieser Kette liefert eine Ebene von Output-Neuronen einen Ergebniswert. Die variable Gewichtung der einzelnen Verbindungen verleiht dem Netzwerk eine bemerkenswerte Eigenschaft: die Lernfähigkeit. Heute weisen die Netze immer mehr dieser Ebenen auf; sie sind komplexer, weiter verschachtelt – sie sind tiefer. Der gestiegenen Rechnerkapazitäten sei Dank. Tiefe neuronale Netzwerke bestehen teilweise aus mehr als hundert dieser hintereinandergeschalteten Programmebenen.

Vor der KI steht allerdings das Training, auch Deep Learning genannt. Dabei bekommen die Systeme korrigierendes Feedback von außen, zum Beispiel von einem Menschen oder einer anderen Software. Anhand dieser Rückmeldung zieht das System seine Schlüsse – und lernt.

Die wichtigste Technologie der Zukunft

Porsche-CIO Mattias Ulbrich hält KI für die wichtigste Technologie der Zukunft, die uns hilft, wieder mehr Zeit für das Wesentliche zu haben. „KI wird Teil der Wertschöpfung sein. So wie uns Roboter heute schon körperlich entlasten, wird uns die KI bei Routinearbeiten im Denken und Entscheiden unterstützen“, erklärt er.

Bis es soweit ist, liegt aber noch sehr viel Arbeit vor den Entwicklungsabteilungen. Ein zentrales Thema dabei: Sicherheit und Privatsphäre. Dem haben sich bei Porsche Tobias Große-Puppendahl und Jan Feiling aus der Hauptabteilung Entwicklung Elektrik/ Elektronik angenommen. Denn Personalisierung, Schwarmintelligenz und Privatsphäre brauchen wiederum KI, um beim Sammeln und Austauschen von Daten die Eigenschaft des Privaten zu erhalten. Mittels des sogenannten Federated Learning soll der Datenaustausch minimiert werden.

Dabei lernt eine lokale KI im Auto vom Verhalten des jeweiligen Nutzers. Sagt ein Fahrer zum Beispiel, „mir ist kalt“, soll die KI die Heizung höherstellen. Ihren Lernerfolg – oder anders ausgedrückt: ihre Erfahrungen – gibt sie an die Cloud und die dort installierte globale KI weiter. Die konkreten Daten aber, Sprachprotokolle zum Beispiel, bleiben im Auto. Schließlich geht es ja um die Intention dahinter: Jeder Nutzer drückt seinen Wunsch individuell aus, erwartet aber das Gleiche. Genauso wie ein Mensch, dessen Sprache wir nicht verstehen, uns trotzdem klarmachen kann, dass er friert.

Porsche gestaltet Fortschritt mit

Natürlich kann das auch HAL 9000 aus Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“. Dass sich Künstliche Intelligenz aber gegen den Menschen auflehnt, ist – Stand heute – pure Science-Fiction. So wie auch das Beamen aus der Serie „Raumschiff Enterprise“ wohl auf immer und ewig Utopie bleiben wird. Gute Science-Fiction bildet eben nicht nur den – der breiten Öffentlichkeit meist wenig bekannten – Stand der Technik ab, wie der singende Computer, sondern fantasiert auch gewaltig.

Auch der Dresdner KI-Spezialist Professor Sebastian Rudolph hält solche Zukunftsszenarien mit Blick auf den heutigen Stand der Technik für extrem weit hergeholt. Wie jede Technik könne allerdings auch KI missbraucht werden – oder fehlerhaft umgesetzt. Heißt: Man muss die Entwicklung nicht mehr und nicht weniger fürchten als den technischen Fortschritt allgemein. Und so gesehen macht es Sinn, diesen technischen Fortschritt selbst mitzugestalten, so wie es Tobias Große-Puppendahl und Jan Feiling verinnerlicht haben – und zwar in bester Porsche-Tradition in Anlehnung an Ferry Porsche: „Wir konnten nicht die KI finden, die uns zusagte. Also haben wir sie selbst gebaut.“

Künstliche Intelligenz – vom Aufblühen einer alten Disziplin

Künstliche Intelligenz – vom Aufblühen einer alten Disziplin

19.07.18 - Künstliche Intelligenz (KI) boomt. Bedingt durch technologische Fortschritte in der IT wächst die Menge KI-basierter und markttauglicher Entwicklungen. Was ist KI eigentlich? Wie können Unternehmen hiervon profitieren und welche Einsatzmöglichkeiten bieten sich ihnen? Ein Kommentar von Jörg Kremer, mip. lesen

Hunger! Machine Learning und KI brauchen Unmengen an Energie

Hunger! Machine Learning und KI brauchen Unmengen an Energie

01.12.17 - Die KI-Welle hat gerade erst angefangen. Doch die Rechnung ist denkbar einfach: Je intelligenter die Maschine, desto mehr muss sie rechnen. Und dafür braucht sie eine Menge Strom sowie eine verlässliche Infrastruktur. lesen

Künstliche Intelligenz in der Cybersecurity

Künstliche Intelligenz in der Cybersecurity

16.02.18 - Der derzeit heiß diskutierte Einsatz künstlicher Intelligenz in der Cybersecurity weckt Begehrlichkeiten: Allzugern würden manche Anwender den Großteil der teuren und zermürbenden Arbeit im SOC komplett den KI-Systemen überlassen. Wirklich schlagkräftig und hinreichend nebenwirkungsfrei arbeitet KI aber nur im Team mit menschlicher Intelligenz. lesen

Der verkannte Kontinent: „Wir müssen bei KI auf den Stärken Europas aufbauen“

Der verkannte Kontinent: „Wir müssen bei KI auf den Stärken Europas aufbauen“

30.11.18 - Der internationale Wettlauf um die Vorreiterrolle bei KI-Technologien hat begonnen. Welche Trümpfe hält Europa in der Hand? Über Chancen und Perspektiven sowie die Interaktion zwischen KI und Softwaretechnik spricht der Experte Holger H. Hoos in einem kostenlos zugänglichen Internet-Livestream am 5. Dezember. lesen

Inhalt des Artikels:

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45680451 / KI/Machine Learning)