Die Solarenergie vor dem Einzug in das digitale Zeitalter

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Die digitale Revolution wird oft als dritter größter technischer Umbruch nach industrieller und elektrischer Revolution bezeichnet. Viele Branchen konnten dank Digitalisierung mit ihren Produkten und Dienstleistungen einen neuen Quantensprung erzielen. Denn: Die Digitalisierung bietet über alle Branchen hinweg Vorteile wie geringere Kosten, höhere Effizienz und schnelleres Wachstum.

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Lior Handelsman, Gründer von SolarEdge sowie Vizepräsident Marketing und Produktstrategie: „Für die Solarindustrie sind weiterentwickelte Wechselrichter die Eintrittskarte zur digitalen Revolution. Die kontinuierliche Verbesserung wird der Solarbranche ungeheuer nutzen.“
Lior Handelsman, Gründer von SolarEdge sowie Vizepräsident Marketing und Produktstrategie: „Für die Solarindustrie sind weiterentwickelte Wechselrichter die Eintrittskarte zur digitalen Revolution. Die kontinuierliche Verbesserung wird der Solarbranche ungeheuer nutzen.“
(Bild: SolarEedge)

Die Solarbranche profitiert, wenn die Stromumwandlung, das Monitoring mit Netzverbundsystemen sowie die intelligente Haustechnik digitalisiert werden.

Einen Schritt in Richtung Digitalisierung der Solarindustrie hat SolarEdge mit der innovativen HD-Wave-Technologie getan: Die Umwandlung dabei läuft über einen Digitalprozessor. So konnten nicht nur Größe und Gewicht deutlich reduziert werden, auch der gewichtete Wirkungsgrad liegt nun höher, bei 99 Prozent. Die geringere Anzahl teurer Komponenten senkt Kosten und dank gesteigertem Wirkungsgrad steigt der Energieertrag. In größerem Maßstab senken das bessere Verhältnis von Leistung und Gewicht und der höhere Wirkungsgrad die Stromgestehungskosten (LCOE), ein großer Schritt in Richtung Netzparität.

Neben den wirtschaftlichen Vorteilen ermöglicht die Digitalisierung der PV auch zusätzliche Funktionen. Der Wechselrichter wandelt nicht mehr nur Gleichstrom in Wechselstrom um, er wird immer wichtiger und als Gehirn der Anlage verwaltet er zum Beispiel Monitoring, Speicherung, Netzintegration und Sicherheit.

Mit der Digitalisierung werden Wechselrichter intelligenter und übernehmen noch mehr Aufgaben. Einer der neuen Einsatzbereiche für Wechselrichter ist die intelligente Haustechnik. Er steuert bereits Energieproduktion, Speicherung und Netzintegration und überwacht den Energieverbrauch im Haus. Der nächste Schritt ist die Energiesteuerung im Gebäude und damit das Zusammenbringen von zwei Welten: Solarenergie und intelligente Haustechnik. Dazu müssen mehr Informationen schneller verarbeitet werden, was wirtschaftlich betrachtet nur durch Digitalisierung möglich ist. Der nächste Schritt ist künstliche Intelligenz, Teilnetze/Aggregation und das Internet der Dinge (IdD).

Die Digitalisierung von PV-Systemen könnte das gesamte Stromnetz revolutionieren. Seit fast 100 Jahren ist das System der zentralisierten Energieerzeugung unverändert. Veraltet und ineffizient, wenn man es mit anderen Branchen vergleicht, die längst von der Zentralisierung abgekommen sind. In der Informatik geht der Trend seit langem zu dezentralen Rechenressourcen und Netzrechnerstrukturen, was Verlässlichkeit und Service verbessert hat. Mithilfe der Digitalisierung kann auch das Stromnetz mit vielen kleinen Kraftwerken arbeiten. Möglich machen dies schnellere Verbindungen und ausgereiftere Funktionen. Interkonnektivität, bidirektionale Kommunikationstechnik und dynamische Reaktionen, die ein intelligentes, dezentrales Netz braucht, lassen sich nur durch PV-Systeme herstellen, die mit digitaler Technologie und schneller Rechenleistung gesteuert werden.

Für die Solarindustrie sind weiterentwickelte Wechselrichter die Eintrittskarte zur digitalen Revolution. In den letzten 25 Jahren hat sich die Wechselrichtertechnik hinsichtlich Größe, Gewicht, Herstellungskosten und Wirkungsgrad nur begrenzt entwickelt. Vergleicht man das mit der Computerindustrie, wo sich die Rechenleistung alle 18 bis 24 Monate verdoppelt, ist es nicht überraschend, dass heute jeder Haushalt einen Computer, aber nicht unbedingt eine Solaranlage auf dem Dach hat. Wenn aber Wechselrichter und damit PV-Systeme digitalisiert werden, können auch sie sich mit der Geschwindigkeit des Moore‘schen Gesetzes weiter entwickeln. Deshalb wird die kontinuierliche Verbesserung dank höherer Rechenleistung und Siliziumintegration der Solarbranche ungheuer nutzen.

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