Urwerk EMC Die Smartwatch der absolut anderen Art

Autor: Peter Koller

Durch die Apple Watch ist das Thema Smartwatch im Mainstream angekommen. Das man das Thema aber auch ganz anders angehen kann als Apple oder Samsung zeigt die Urwerk EMC. Hier treibt elektronische Messtechnik einem mechanischen Werk die Ungenauigkeit aus.

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Die einzelnen Bauteile des Uhrwerks der Urwerk EMC
Die einzelnen Bauteile des Uhrwerks der Urwerk EMC
(Urwerk)

Auf der Werkbank fast jedes Uhrmachers steht ein Witschi-Prüfgerät, das dem Rhythmus der Unruh lauscht und auf diese Weise ein Urteil über die Genauigkeit des Uhrwerks zulässt. Warum nicht einfach dieses Messgerät direkt in eine mechanische Uhr integrieren, fragte sich Felix Baumgartner, Uhrmachermeister in dritter Generation und einer der beiden Gründer des Schweizer Herstellers Urwerk. Leicht gesagt, aber nicht so einfach umgesetzt – denn zur Realisierung des Plans musste nicht nur einiges an elektronischer Messtechnik in das Armbanduhrengehäuse integriert werden, auch etliche Teile des mechanischen Uhrwerks mussten quasi neu erfunden werden.

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Allem voran die Unruh, quasi das schlagende Herz einer mechanischen Uhr. Durch die Entwicklung einer Unruh, die ohne Einstellschrauben auskommt, konnte ein optischer Sensor in die Unruh integriert werden. Bei Betätigung eines Drückers an der Uhr zeichnet er die 4-Hertz-Schwingung der Unruh über etwa drei Sekunden lang auf. Das gespeicherte Ergebnis wird von einem Mikrocontroller mit dem Ausgang eines hochgenauen Taktgebers verglichen, der mit einer Frequenz von 16 MHz und einer Genauigkeit von 3 ppm pro Jahr schwingt. Die so erzielte Messgenauigkeit liegt unter 10 Mikrosekunden.

Das Ergebnis, die Abweichung des mechanischen Werks von der genauen Zeit, wird auf einem Indikator auf dem Ziffernblatt der EMC angezeigt. Über eine Einstellschraube auf der Rückseite der Uhr kann der Besitzer das Werk dann selbst nachregeln. Interessant ist auch die Stromversorgung des integrierten Messsystems. So lässt sich über einen ausklappbaren Hebel am Gehäuse ein winziger Generator von Maxon betätigen, der einen Kondensator als Energiespeicher auflädt.

Soviel Schweizer Präzision kann nicht wirklich billig sein. Von der Urwerk EMC soll eine begrenzte Auflage von 55 Stück gebaut werden, der Preis für ein Exemplar liegt jenseits von 100.000 Schweizer Franken.

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