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Normung Die „sichere Maschine“ – Welche Normen und Regeln weltweit gelten

Autor / Redakteur: Dipl.-Ing. Jens Rothenburg* / Ute Drescher

Je nachdem, in welchem Teil der Welt Maschinen laufen, müssen sie unterschiedliche Ansprüche an die Sicherheit erfüllen. Wer Maschinen und Anlagen für das Ausland konstruiert, muss wissen, was es wo zu beachten gilt. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die geltenden Richtlinien, Gesetze und Normen sowie über grundlegende Begriffe der Sicherheitstechnik

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Bild: Sennheiser
Bild: Sennheiser
( Archiv: Vogel Business Media )

Von einer Maschine darf keine Gefährdung für Menschen ausgehen. Diese Überlegung kann man sich schnell selbst herleiten und sie stimmt mit großer Wahrscheinlichkeit auch mit dem Gesetz überein. Was so einfach klingt, ist in der Umsetzung aber anspruchsvoll.

Eine Maschine ist ja nicht von vornherein sicher. Stattdessen müssen technische Mittel verwendet werden, um sie sicher zu machen. Ganz einfach wäre, die Maschine „einzusperren“ und die Umhausung so zu verschließen, dass weder etwas hinein noch etwas heraus kann. Allerdings müssen auch Menschen den Maschinenraum betreten, um etwa Wartungsarbeiten durchzuführen oder Störfälle zu beheben. Ebenso müssen die zu fertigenden Teile in die Maschine hinein und das Endprodukt wieder heraus kommen. Deshalb werden z.B. Türen verwendet, die entsprechend abgesichert werden müssen. Hierfür gibt es Regeln, die zumeist in Normen festgehalten sind.

Die Maschinenrichtlinie gilt für ganz Europa

In Europa ist die Maschinensicherheit in der Maschinenrichtlinie festgehalten und somit einheitlich geregelt. Im Anhang I der Richtlinie werden grundlegende Sicherheitsanforderungen gestellt. Letztendlich wird aber auf das europäische Normenwerk verwiesen, das mit seinen detaillierten Regeln die Anforderungen konkretisiert.

Derzeit gibt es keine weltweit einheitlichen Regeln für die Sicherheitstechnik an Maschinen. Grundlage sind in den meisten Ländern der Welt Sicherheitsnormen. Sehr viele Länder haben die weltweit gültigen Normen von IEC und ISO als Vorbild genommen und diese in ihrem nationalen Normenwesen umgesetzt. Die ISO- und IEC-Normen wiederum basieren zumeist auf den bereits seit langem existierenden europäischen Normen. Jedes Land hat darüber hinaus auch nationale Normen oder Gesetze, die selbstverständlich ebenfalls zu beachten sind.

Der Umgang mit Maschinen ist in Europa gesetzlich geregelt

Zum Abbau von Handelshemmnissen sind in Europa Richtlinien zum Betrieb und zur Konstruktion von Maschinen und Anlagen seit längerem vereinheitlicht worden. Aktuell wichtige Regelwerke sind für Hersteller von Maschinen und Anlagen die Maschinenrichtlinie, die EMV-Richtlinie und die Niederspannungsrichtlinie. Diese Richtlinien sind keine technischen Vorgaben, sondern sie regeln insbesondere die Sicherheit im Umgang mit Maschinen und Anlagen. Sie sind in allen europäischen Staaten zum Gesetz erhoben worden, ihre Einhaltung ist also keineswegs freiwillig.

Wenn alle relevanten Richtlinien eingehalten werden, bestätigt dies der Hersteller, indem er für sein Produkt eine Konformitätserklärung ausstellt und auf der Maschine oder auch auf dem Bauteil das CE-Zeichen anbringt.

Der Abbau der Handelshemmnisse innerhalb des europäischen Wirtschaftsraumes wird dadurch erreicht, dass diese Bestätigung Gültigkeit innerhalb des gesamten Wirtschaftsraumes hat und dass kein Staat das Inverkehrbringen von Produkten behindern darf, die unter Beachtung der Richtlinie konstruiert wurden.

Technische Vorgaben sind in Normen verankert

Konkretere technische Vorgaben sind in Normen verankert. Europäische Normen für die Sicherheit an Maschinen werden unterschieden in

  • übergeordnete Normen, so genannte A-Normen (Sicherheitsgrundnormen),
  • in produktübergreifende Normen, die B-Normen und
  • in produktspezifische Normen, die C-Normen.

Die B-Normen teilen sich noch einmal in 2 Gruppen. Die B1-Normen behandeln spezielle Sicherheitsaspekte, die B2-Normen sicherheitstechnische Einrichtungen. Für Hersteller ist es wichtig, die existierenden Normen zu beachten, denn es darf unterstellt werden, dass eine Maschine, die unter Beachtung von harmonisierten Normen konstruiert und gebaut wurde, auch der Maschinenrichtlinie entspricht. In Fachkreisen spricht man hier von der sogenannten Vermutungswirkung.

In den USA muss die Sicherheit beim Arbeiten gewährleistet sein

In den Vereinigten Staaten von Amerika gibt es, anders als in Europa, keine einheitliche Gesetzgebung, die eindeutig regelt, in welchem Umfang Hersteller und Betreiber von Maschinen und Anlagen verpflichtet sind, Sicherheitstechnik einzusetzen. Vielmehr ist es so, dass im „Occupational Safety and Health Act“ (OSHA) von 1970 generell die Anforderung besteht, dass die Sicherheit beim Arbeiten gewährleistet sein muss. Dieses Gesetz wendet sich vor allem an die Arbeitgeber. Aufgrund des Gesetzes entstand im Jahr 1971 die Behörde „Occupational Safety and Health Administration“ (ebenfalls OSHA). Die Aufgaben der Behörde sind die Umsetzung des Gesetzes zu überwachen und Normen zu erstellen. Ziel ist es, im gewerblichen Bereich Leben zu retten, Unfälle zu vermeiden und die Gesundheit zu erhalten. Zuständig ist die Behörde für nahezu alle Arbeitsbereiche mit ganz wenigen Ausnahmen, wie Selbständige oder auch Minenarbeiter.

Ähnlich wie in Europa, darf ein Hersteller, der die Normen einhält, annehmen, dass er damit dem Gesetz genügt. Auch der Aufbau der Normen ist, wie in Europa, so geregelt, dass die produktspezifischen Normen Vorrang vor den generellen Normen haben. Übergeordnete Normen werden von der OSHA selbst erstellt, darüber hinaus werden aber auch vom American National Standards Institute (ANSI) Normen erstellt, die eine ähnliche Bedeutung haben. Seitens der OSHA wird vielfach auf ANSI-Normen verwiesen. Auch Normen von anderen Verbänden, wie z. B. der Conveyor Equipment Manufacturers Association (CEMA) finden Anwendung. Diese Verbände erstellen vor allem produktspezifische Normen.

Japan hat gegenüber den USA und Europa ein anderes System. Hier gibt es keine Gesetzgebung, die den Einsatz von Sicherheitstechnik vorschreibt, aber es gibt eine ganze Reihe an Normen.

Japan hat viele internationale Normen übernommen

Alle nationalen Normen werden in Japan vom „Japanese Industrial Standards Committee“ (JISC) koordiniert. Auch die Mitarbeit der Japaner an weltweiten Normen wird vom JISC koordiniert und betreut. Sehr viele internationale Normen der Sicherheitstechnik wurden in das japanische Normenwesen übernommen. Veröffentlicht werden Normen in Japan durch die „Japanese Standards Association“ (JSA).

Die japanischen Normen (Japanese Industrial Standards, JIS) werden vom JISC herausgegeben. Die Anwendung der Normen ist in Japan völlig freiwillig. Dadurch, dass es auch kein Produkthaftungsgesetz wie in den USA oder in Deutschland gibt, haben sich an vielen Stellen auch Firmennormen durchgesetzt. Diese wiederum bilden die Basis für die Normen der Herstellerverbände, in denen Standardlösungen, die sich bei den Mitgliedsfirmen durchgesetzt haben, festgelegt werden.

Derzeit entstehen zwei neue Normen, welche die bekannte Norm EN 954-1 (Sicherheit von Maschinen, Sicherheitsbezogene Teile von Steuerungen, Allgemeine Gestaltungsleitsätze) ablösen sollen. Dies sind die IEC 62061, die bereits gültig und harmonisiert ist, und die ISO 13849-1. Letztere ist der direkte Nachfolger der EN 954-1. Es wird eine Übergangszeit geben, in der sowohl die ISO 13849-1 als auch die EN 954-1 gültig sind. Damit werden Regeln eingeführt, die weltweit angewendet werden können. Dies erspart fast immer die Anwendung lokaler Normen.

Die statistische Ausfallwahrscheinlichkeit von Bauteilen ist neu

Die genannten neuen Normen erweitern die Beschreibung der Kategorien aus der EN 954-1 erheblich. Es wird nicht länger nur die Struktur einer Applikation betrachtet, sondern darüber hinaus auch die statistische Ausfallwahrscheinlichkeit von Bauteilen. Durch diese neuen Berechnungsverfahren wird die sicherheitstechnische Beurteilung aber auch erheblich schwieriger. Hersteller von Sicherheitsbauteilen sind jetzt gefordert, hierfür die entsprechenden Daten über ihre Bauteile zur Verfügung zu stellen. Die Maschinenhersteller wiederum müssen lernen, diese Daten in der neuen Norm anzuwenden. Hersteller von Sicherheitsbauteilen sowie die BG bieten hierbei ihre Hilfe an. Zwischenzeitlich sind auch schon einige Hilfsmittel erschienen, welche die Anwendung der Normen erleichtern. Auch EUCHNER wird seine Kunden im Umgang mit den neuen Normen aktiv unterstützen.

Trotz des hohen Aufwands überwiegen die Vorteile der neuen Verfahren. Durch die bessere Beurteilung von Fehlerausschlüssen kann die Sicherheit von Maschinen eindeutiger beurteilt werden und für den Bediener wird ein Stück mehr Sicherheit geschaffen – und das weltweit.

EUCHNER

Tel. +49(0)711 75970

*Dipl.-Ing. Jens Rothenburg ist Produktmanager bei der EUCHNER GmbH + Co. KG, Leinfelden.

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