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Die Renaissance des Rundsteckverbinders

| Redakteur: Kristin Rinortner

Rundsteckverbinder wie der M12 sind seit langem weit verbreitet. Seit einiger Zeit ist die Nachfrage allerdings höher als das Angebot. Torsten Janwlecke erklärt in unserem Interview, warum das so ist.

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Torsten Janwlecke, Phoenix Contact: „Die kleinen Steckverbinder und dort insbesondere M12 gehen ab, wie die Post.“
Torsten Janwlecke, Phoenix Contact: „Die kleinen Steckverbinder und dort insbesondere M12 gehen ab, wie die Post.“
(Bild: Phoenix Contact)

Industrielle Rundsteckverbinder in den Formaten M8, M12 oder M40 sind zunehmend gefragt. Stetige Weiterentwicklungen und der hohe Grad der Standardisierung sind Gründe für die hohe Akzeptanz am Markt. Torsten Janwlecke, Mitglied der Geschäftsleitung von Phoenix Contact und Präsident der Business Area Device Connectors, kennt die Marktdynamik.

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Herr Janwlecke, wie sieht der Markt für Rundsteckverbinder aus?

Der Markt boomt geradezu. Die Nachfrage nach industriellen Rundsteckverbindern vor allem in der Baugröße M12 ist aktuell enorm. Als Hersteller freut uns das Wachstum natürlich, es führt aber auch dazu, dass wir derzeit flexibel unsere Liefer- und Produktionsketten anpassen müssen.

Das heißt in Zahlen ausgedrückt?

Allein für Steckverbinder der Baugröße M8/M12 und deren Verkabelungsstrecken gehen wir davon aus, dass der weltweite Markt dieses Jahr das Volumen von 1 Milliarde Euro übersteigt.

Wie schätzen Sie das Marktwachstum ein?

Der Markt für M12-Steckverbinder entwickelt sich bei Phoenix Contact aktuell mit einem Auftragswachstum von fast 50 Prozent mit Abstand am dynamischsten. Über alle Baugrößen nehmen wir bei den metrischen Steckverbindern ein Umsatzwachstum von circa 25 Prozent wahr und liegen damit sicherlich auch auf dem Niveau des Markts.

Woher kommt dieser Steckverbinder-Hype?

Gerade die Baugröße M12 ist praktisch zum Verkabelungsstandard für Maschinen- und Industrieanlagen geworden. Das liegt einerseits am hohen Normierungsgrad und der damit verbundenen Zukunftssicherheit. Andererseits werden diese kleinen Rundsteckverbinder aber auch immer leistungsfähiger und ersetzen nach und nach größere Bauformen wie M16 oder 7/8-Zoll. Selbst in den USA setzen Anwender inzwischen bei Neuinstallationen häufig auf die metrische Bauform statt auf die zöllige. Damit erobern diese Rundsteckverbinder insgesamt immer neue Anwendungsgebiete.

Was sind die Zielmärkte?

Der größte Zielmarkt für Rundsteckverbinder ist nach wie vor die klassische Indus­trieautomatisierung. Wann immer Signale, Daten und Leistungen in der Feldebene sowie zwischen der Feld- und Steuerungsebene übertragen werden müssen, kommen Rundsteckverbinder zum Einsatz. Die kleineren Baugrößen wie M8 und M12 werden vielfach zur Vernetzung von I/O-Baugruppen verwendet. Der typische Markt für M16, M23 und M40 sind eher die Servomotoren und Frequenzumrichter. Aufgrund seiner hohen Leistungsfähigkeit und Flexibilität erobert der M12 aber auch diese Anwendungen zunehmend.

Eröffnen sich neue Anwendungsfelder?

Das größte Anwendungsumfeld bleibt die Industrieautomatisierung. Der zunehmende Datenbedarf der intelligenten Fabrik schafft aber neue Einsatzgebiete wie zum Beispiel die Kameratechnik. Hochauflösende Kameras helfen heute, die Produkt- und Prozessqualität zu optimieren. Dafür sind aber hohe Datenmengen erforderlich. X-kodierte M12-Steckverbinder bieten eine kompakte Lösung, um Datenraten von bis zu 10 GBit/s zu übertragen.

Wie geht es mit der Miniaturisierung weiter?

Die Miniaturisierung ist und bleibt ein Trend. Bei gleicher oder sogar höherer Leistungsfähigkeit können Rundsteckverbinder immer kompakter gebaut werden. Dies reduziert den Materialeinsatz und den Platzbedarf am Gerät und im Feld. Aktuell gibt es beispielsweise Normierungsbemühungen, M8-Rundsteckverbinder für das zweipaarige Ethernet zu standardisieren. Solche Anstrengungen erhöhen die Akzeptanz am Markt und unterstützen den allgemeinen Trend zur Miniaturisierung. Für die Bau­größe M8 sehe ich daher ein großes Entwicklungspotenzial.

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