Die Nachfrage ist da: Wo stehen wir beim Thema industrielles 5G?

Redakteur: Dominik Stephan

Bereits 90 Anträge für den Aufbau industrieller 5G-Campusnetze liegen bei der Bundesnetzagentur auf dem Tisch: Dass es – anders als bei der kommerziellen 5G-Nutzung – aber in der Praxis noch länger dauert, liegt nicht nur an Politik und Bürokratie.

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(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Frankfurt/Main – Ein Jahr nach Inkrafttreten der Vergabebedingungen für lokale industrielle und landwirtschaftliche Mobilfunknetze sind knapp 90 Anträge für sogenannte "Campusnetze" aus der Industrie bei der Bundesnetzagentur eingegangen. Während die kommerzielle 5G-Technik für Endkunden schon verfügbar ist, befindet sich das industrielle 5G noch in der Standardisierung.

Von der drahtlosen Vernetzung von Produktionsstätten , Anlagen und Maschinen versprechen sich Ausrüster und Betreiber eine deutliche Steigerung der Anpassungsfähigkeit, Flexibilität und Effizienz ihrer Geschäftsprozesse: „Industrielle 5G-Campusnetze entfalten mit Automationstechnik komplett neue Anwendungsfelder, etwa in der flexiblen, vernetzten Produktion oder der Überwachung von Systemen. Für die Elektroindustrie sind die vielfältigen Anwendungsfelder zukunftsichernd“, so Herbert Wegmann, General Manager Digital Connectivity and Power bei Siemens und Vorsitzender im ZVEI-Lenkungskreis Industrielle Kommunikation.

Vom öffentlichen Mobilfunk ist kein Zugriff auf das Campus-Netz möglich, während umgekehrt das "private" Funknetz an das normale Mobilfunknetz angebunden ist, um die Kommunikation mit externen Dienstleistern zu ermöglichen.

Survival of the Fittest oder alles nur ge-Cloud?

Lokale Campusnetzwerke ermöglichen Unternehmen die vollständige Kontrolle über die eigenen Daten, eine maßgeschneiderte Abdeckung des Firmengeländes sowie eine von bestehenden Netzwerken (wie beispielsweise WLAN) unabhängige Netzwerk-Implementierung. Damit eröffne sich ein enormes Potenzial für technologische Entwicklung und Innovation.

„Im Maschinen- und Anlagebau sind 5G Campusnetze im Zusammenspiel mit einer Edge Cloud ein wichtiger Baustein für neue technische Lösungen mobiler und stationärer Maschinen. Die hohe Sicherheit und geringe Latenzzeiten von 5G-Campusnetzen gepaart mit der Skalierbarkeit von Rechenleistung in der Cloud reduziert drastisch die Entwicklungsaufwände. Gerade Echtzeitapplikationen oder sonstige sehr rechenintensive System, wie z.B. die Bildverarbeitung oder KI-Algorithmen, profitieren hiervon“, bekräftigt Ansgar Bergmann, Technology & Innovation – CTR, Project Manager CTO, KION Group/Still und Mitglied der VDMA 5G User Group.

Das betrifft nicht nur Auto- und Maschinenbauer sondern auch die Prozess- und Chemieindustrie, erklärt Martin Schwibach, Industrial Connectivity & Industrial Mobility bei BASF SE und Gremienmitglied im VCI für Digitalisierung: „Gemeinsam mit unterschiedlichen Anbietern bauen wir derzeit im Produktionsumfeld eine Testumgebung auf, um 5G in verschiedenen Anwendungsbereichen zu pilotieren. Die gesamte Prozessindustrie betritt mit 5G Neuland. Eine enge Zusammenarbeit mit Partnern ist daher besonders wichtig, um kontinuierlich voneinander zu lernen. So können wir zukünftig das Potenzial der Technologie voll ausschöpfen.“

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Wie und mit welcher Technologie welches Zulieferers ein solches lokales Netzwerk aufgebaut wird, ist derzeit allerdings nicht einheitlich geregelt - ein Fakt, den die Industrie ausdrücklich begrüßt: Unternehmen haben derzeit die Möglichkeit, ihre 5G-Mobilfunknetze selbst aufzubauen und zu betreiben oder über öffentliche Netzbetreiber und die Netzausrüsterindustrie zu planen und betreiben zu lassen. Aus Sicht der Industrieverbände VCI, VDA, VDMA und ZVEI ist dieser Wettbewerb im Bereich der 5G-Netze ein wichtiger Schritt für die erfolgreiche Etablierung der 5G-Technologie in Deutschland.

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Dieser Beitrag erschien zuerst auf unserem Partnerportal Process.de.

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