Meilensteine der Elektronik

Die Mutter der modernen Kabeleinführung

| Redakteur: Kristin Rinortner

UNI Dicht: Mit dieser Kabelverschraubung aus Messing begann eine Entwicklung, die bis heute in tausenden Anwendungen überall auf der Welt im Einsatz ist.
UNI Dicht: Mit dieser Kabelverschraubung
aus Messing begann eine Entwicklung,
die bis heute in tausenden Anwendungen
überall auf der Welt im Einsatz ist. (Bild: Pflitsch)

Das System UNI Dicht von Pflitsch hat vor 50 Jahren die Entwicklung der modernen Kabeleinführung eingeläutet und gilt bis heute als der Wegbereiter in diesem anspruchsvollen Technologie-Segment.

Es war Anfang der 1960er Jahre, als Otto Pflitsch und dessen Team nach einer Alternative zu den damals üblichen Stopfbuchsen suchten, die aufwändig und wartungsintensiv verkittet wurden, um für eine halbwegs dichte Kabeleinführung zu sorgen. Von Zugentlastung konnte gar keine Rede sein.

Zunächst verwendete Pflitsch einen flexiblen Gummiring, der in der Messing-Stopfbuchse beim Anziehen einer Überwurfmutter zwischen zwei Unterlegscheiben so gequetscht wurde, dass sich der Spalt zum durchgeführten Kabel schloss. Diese erste wirkliche Kabelverschraubung „Opeco“ wurde zum Erfolg. Doch Pflitsch wollte eine zukunftsweisende Kabeleinführungen schaffen mit Vollisolation des Kabels in der Durchführung, eine sehr hohe Dichtigkeit und Zugentlastung.

Im Jahr 1965 läutete die Geburtsstunde des Systems UNI Dicht: Mit dieser Kabelverschraubung aus Messing begann eine Entwicklung, die bis heute in tausenden Anwendungen überall auf der Welt im Einsatz ist. Neuartige PVC-Dichtungen sorgten erstmals für die perfekte Abdichtung zum Kabel hin. 1966 krönte das Deutsche Patentamt in München die Entwicklungsarbeit: Unter der Patentnummer 1 263 134 wurde der Urvater der modernen Kabelverschraubungen technisch beschrieben und geschützt.

Die neuen Kabelverschraubungen mit ihren unverlierbaren Dichtungen, die Verarbeitung von weichen Kunststoffen zu Dichteinsätzen und das Baukastensystem stießen im In- und Ausland auf großes Interesse, z.B. bei Automobilherstellern und Maschinenbauern. Unter Harald Pflitsch gelang es, entsprechende Werkzeuge für die Kunststoff-Verarbeitung zu realisieren, z.B. Spritzwerkzeuge für die speziellen PVC-Dichteinsätze des Unternehmens, die in die Verschraubungskörper aus Messing und Trogamid passten.

Die Vorteile für den Kunden lagen damals wie heute auf der Hand: Vollisolation in der Metall-Verschraubung ohne Verkitten, perfekte Abdichtung durch die Verwendung von kabelspezifischen Dichteinsätzen, Abdichtung der Verschraubungen gegenüber der Gehäusewand durch einen nutgeführten O-Ring aus Kautschuk, weit über der Norm liegende Schutzart (bis IP 68) sowie eine umfassende Zugentlastung.

Änderten sich Kabelquerschnitte, konnte der Anwender den bestehenden Kabelverschraubungskörper einfach mit einem passenden Dichteinsatz ausstatten. Auch die Kombinationsmöglichkeit mit Schläuchen zum mechanischen Schutz von Kabeln wurde bald realisiert.

Problemlösungen aus dem Systembaukasten

Aus diesen Grundideen wurden eine Vielzahl von Produktlösungen entwickelt, immer wieder angestoßen durch Anforderungen wie spezielle Kabelquerschnitte und -formen, die elektromagnetische Verträglichkeit (EMV), ATEX, länderspezifische Gewinde oder die Führung von konfektionierten Kabeln.

UNI Dicht erfüllt mit seiner Typenvielfalt alle Anforderungen der EN 50 262 und relevanten internationalen Richtlinien für Kabel- und Leitungseinführungen. Das Einführen von Flach- und Sonderkabeln oder konfektionierten Kabeln durch geteilte Dichteinsätze oder von mehreren Leitungen durch eine Mehrfach-Kabelverschraubung sind ebenso realisiert wie Winkel- und Flansch-Verschraubungen.

Die Dichteinsätze werden aus hochwertigem, thermoplastischen Elastomer (TPE) hergestellt, das resistent gegen viele Chemikalien ist und eine verbesserte Zugentlastung bringt. Über die Auswahl des Dichteinsatzes entscheidet der Einsatzfall. Der UNI-Farbcode erleichtert dabei dem Anwender die Zuordnung des Dichteinsatzes zum Kabeldurchmesser. Mit den transparenten Dichteinsätzen aus LSR-Silikon ist die Kabelverschraubung einsetzbar bei Umgebungstemperaturen von -60 bis 200 °C.

Die Erfolgsstory geht weiter

Der Systembaukasten UNI Dicht birgt ein hohes Entwicklungspotenzial für neue, praxisorientierte Varianten. Aktuell gibt es die Kabelverschraubungen in den Größen M4 für ganz dünne Kabel bis zur M120 für dicke Energieleitungen. Die Verschraubungskörper sind verfügbar in Messing, Zink, Edelstahl, Aluminium und in den Kunststoffen PVDF und PA 6(3).

Mit UNI FLANSCH und UNI Split Gland hat das Unternehmen teilbare Systeme entwickelt, damit auch konfektionierte Kabel einfach, sicher und montagefreundlich in Gehäuse eingeführt und abgedichtet werden können. Auch sie überzeugen mit hohen Schutzarten bis IP 67 und sicherer Zugentlastung. Mit der neuen UNI Dicht 2M kam man 2015 mit einer optimierten Kabelverschraubung auf den Markt, um die hohe Qualität des UNI Dicht-Systems wirtschaftlich zu machen für Kunden, die große Stückzahlen verbauen.

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