Die modernisierte Servicewerkstatt

| Autor / Redakteur: Timo Henkelmann * / Dr. Anna-Lena Gutberlet

In der Servicewerkstatt der Berliner Verkehrsbetriebe kommen neue Arbeitsplatz- und Industrie 4.0-Lösungen von ELABO zum Einsatz. Sie erleichtern die Konzentration auf die handwerklichen Tätigkeiten und führen die Techniker an digital unterstützte Prozesse heran.
In der Servicewerkstatt der Berliner Verkehrsbetriebe kommen neue Arbeitsplatz- und Industrie 4.0-Lösungen von ELABO zum Einsatz. Sie erleichtern die Konzentration auf die handwerklichen Tätigkeiten und führen die Techniker an digital unterstützte Prozesse heran. (Bild: clipdealer)

Flexible Arbeitsplatzsysteme und Industrie-4.0-Lösungen optimieren die Reparaturprozesse in der Servicewerkstatt der Berliner Verkehrsbetrieben – und sorgen so für einen reibungslosen Betriebsablauf.

„Aufgrund von Verzögerungen im Betriebsablauf kommt es derzeit zu Verspätungen, wir bitten um Ihr Verständnis“ – Lautsprecherdurchsagen wie diese trüben die Stimmung jedes Fahrgastes. Schuld an den Verspätungen sind oft technische Defekte. Verkehrsbetriebe investieren daher in die Optimierung ihres Instandhaltungsprozesses.

So auch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die mithilfe von Modernisierungsmaßnahmen die Arbeitsprozesse ihrer Servicewerkstatt deutlich verschlanken konnten. Gerade in Hinblick auf die Unternehmensgröße war dies ein wichtiger Schritt. Das vom Bundesland Berlin geführte Nahverkehrsunternehmen ist mit rund 14.600 Mitarbeitern das größte kommunale Verkehrsunternehmen Deutschlands. In Berlin und dem Berliner Umland betreibt die BVG U-Bahnen, Straßenbahnen und Linienbusse. Hinzu kommen ein Sammeltaxidienst sowie Fähren.

Schlanke Prozesse für einen reibungslosen Betriebsablauf

Nicht zuletzt diese Vielfältigkeit macht schlanke Prozesse für die Sicherstellung eines reibungslosen Betriebsablaufs unabdingbar. Um die optimalen Abläufe sicherzustellen, wurden die Arbeitsplatzumgebungen der Servicewerkstatt daher an die neu­sten ergonomischen Standards sowie die steigende Bedeutung von Industrie-4.0-­gestützten Prozessen angepasst.

Unterstützt wurden die BVG hierbei von der euromicron-Tochtergesellschaft ELABO, die die Servicewerkstatt mit neuen Industrie-4.0-­kompatiblen Arbeitsplatzsystemen ausstattete. Besonders die Industrie-4.0-Lösung führt in der BVG-Werkstatt künftig zu einem effizienteren Reparaturprozess. Die Smart-Industry-Software Elution wurde speziell zur Unterstützung manueller Tätigkeiten entwickelt und im Rahmen der Modernisierungsmaßnahmen auf allen Arbeitsplatz-PCs der Servicewerkstatt installiert.

Sie wird derzeit vorrangig zur Erstellung und Anwendung digitalisierter Werkerführungen genutzt. Die Anleitungen führen die Techniker in Wort und (Bewegt-)Bild durch alle Arbeitsabläufe. Die Elution-Software wird zusammen mit einer zentralen SQL-Datenbank betrieben, in der alle prozessrelevanten Daten hinterlegt und geordnet werden können.

Aus diesem Datenpool lassen sich mithilfe der Software anschließend alle benötigten Hintergrundinformationen extrahieren und den Nutzern parallel zur Werkerführung zur Verfügung stellen. So wird den Technikern beispielsweise eine zeitintensive Suche nach Montageanleitungen und Konstruktionsplänen erspart.

Die tägliche Arbeit am Leitfaden der Werkerführungen führt die Servicetechniker außerdem schrittweise und praxisnah an den softwareunterstützten Arbeitsalltag heran. Auf diese Weise wird den BVG-Mitarbeiten gewissermaßen „nebenbei“ ein tiefergehendes Verständnis von Industrie 4.0 vermittelt, ohne dass die durchgeführten Veränderungen zu einer Überforderung führen.

ELABO unterstützt das Werkstattpersonal darüber hinaus mit Workshops zur Digitalisierung. Auch bei der Erschließung neuer Tätigkeiten profitieren die Techniker von den software­basierten Werkerführungen, stehen doch jederzeit alle benötigten Informationen und Hilfestellungen zur Verfügung. Dadurch können selbst völlig unbekannte Arbeitsschritte schnell selbstständig durchgeführt werden. Auf diese Weise wird die Einarbeitung von neuem Personal ebenso unproblematisch möglich wie das Übernehmen neuer Aufgaben, beispielsweise im Rahmen einer Urlaubsvertretung.

Zum Schutz vor Fehlern lässt sich ein Blockademechanismus außerdem so voreinstellen, dass ein Überspringen von Arbeitsschritten nicht möglich ist. Die Durchführung der einzelnen Arbeitsschritte muss dann erst per Mausklick bestätigt werden, bevor die Software neue Informationen und Anleitungen zu den nachfolgenden Reparaturschritten bereitstellt.

Zusätzlich minimieren die neuen Arbeitsplatzsysteme der Servicewerkstatt die prozessbegleitenden Faktoren. So entfällt etwa die papiergestützte und zumeist arbeitsintensive Prozessdokumentation komplett: Alle ausgeführten Arbeitsschritte sowie Funktionstests und deren Ergebnisse werden von der ELABO-Software automatisch protokolliert.

Vollvernetzte betriebliche Prozesse inklusive ESD-Schutz

Auch um den Entladungsschutz müssen sich die Techniker der BVG jetzt nicht mehr sorgen. Die Überwachung von Stromfluss und Erdungskreis wird durch einen integrierten elektrostatischen Entladungsschutz (Electro-Static-Discharge / ESD) sichergestellt. Die Schutzvorrichtung wurde durch die ESD-Akademie nach IEC 61340-5-1 zertifiziert und stellt nicht nur eine kontinuierliche Kontrolle der Arbeitsplätze sicher, sondern auch eine automatische Systemabschaltung im Störfall. Auf diese Weise können ESD-Schäden konsequent vermieden werden. So wird die Konzentration auf den eigentlichen Kern der handwerklichen Tätigkeit deutlich erleichtert.

Perspektivisch ermöglicht die Smart-Industry-Software außerdem den Aufbau vollvernetzter betrieblicher Prozesse. Für die BVG ist dabei insbesondere die Option einer Verknüpfung der Service-Arbeitsplätze mit dem Warenwirtschaftssystem interessant. Ebenso ist eine digital unterstützte Warenannahme möglich. Mithilfe der Produktkennzeichnung (z.B. RFID) kann dann unmittelbar festgestellt werden, welcher Servicetechniker für die Instandsetzung zuständig ist. Der Techniker selbst kann auf der Grundlage dieser Kennzeichnung anschließend sofort auf alle produktspezifischen Datensätze inklusive Fehler- und Reparaturstatistiken zurückgreifen, wodurch sich Fehlersuche und -behebung deutlich vereinfachen.

Und die Servicetechniker wissen die neuen Arbeitssysteme nicht nur aufgrund der optimierten Prozessorganisation zu schätzen: Die ELABO-Arbeitsplätze lassen sich außerdem unkompliziert an die unterschiedlichen Instandhaltungsprozesse adaptieren und ermöglichen so ein komfortables Arbeiten.

Die Flexibilität der Arbeitssysteme beginnt bei der Arbeitsfläche selbst, die elektromotorisch höhenverstellbar ist. Auch die Beleuchtung kann aufgabenspezifisch eingestellt werden. So kann beispielsweise nur ein bestimmter Punkt des Tisches ausgeleuchtet oder das Deckenlicht gedimmt werden, um Spiegelungen auf der Baugruppe zu vermeiden. Darüber hinaus lässt sich die Farbtemperatur des Lichtes an individuelle Vorlieben und altersbedingte Bedürfnisse anpassen.

Zusätzlich verbessert werden die Arbeitsbedingungen durch die benutzerfreundlich gestalteten Anschlüsse und Aufbauten. Durch die hohe Flexibilität der Arbeitsumgebung wird Fehlbelastungen und vorzeitigen Ermüdungserscheinungen vorgebeugt und die Zufriedenheit der Mitarbeiter gesteigert.

Erhöhte Qualität für eine gute Fahrt

Die Arbeitsplatzsysteme und Smart-Industry-Lösungen von ELABO haben die Arbeitsbedingungen der BVG-Servicetechniker schon heute nachhaltig verbessert. Besonders die Organisation der Reparaturprozesse konnte durch den Einsatz der Elution-Software deutlich verschlankt werden.

Dadurch ergibt sich ein komfortables Arbeiten, das nicht nur Effizienz und Qualität, sondern auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter erhöht. Zudem hält die Software für die Zukunft noch weitere Möglichkeiten der Prozessoptimierung bereit, sodass die BVG ihren Fahrgästen auch weiterhin eine „gute Fahrt“ wünschen kann.

* Timo Henkelmann ist Geschäftsbereichsleiter Arbeitsplatzsysteme bei ELABO, Crailsheim

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