150 Jahre Transatlantikkabel

Die Leitung, die erstmals die Welt verband

| Redakteur: Sebastian Gerstl

Der Beginn eines neuen Kommunikationszeitalters

Ein früher Morseapparat: Kreuzten anfänglich nur wenige hundert Nachrichten pro Woche per Telegraf den Atlantik, stieg die Zahl innerhalb weniger Jahrzehnte auf über 10.000 täglich.
Ein früher Morseapparat: Kreuzten anfänglich nur wenige hundert Nachrichten pro Woche per Telegraf den Atlantik, stieg die Zahl innerhalb weniger Jahrzehnte auf über 10.000 täglich. (Bild: Morse Telegraph (1837), historical collection of France Telecom / Zubro / Wikimedia Commons / BY-SA 3.0)

Im folgenden Jahr ist es soweit: Vom 13. bis zum 27. Juli 1866 verlegt die SS Great Eastern erfolgreich ein Telegrafenkabel von England nach Amerika. Am nächsten Tag, dem 28. Juli 1866, nimmt die erste beständige Kommunikationsleitung zwischen den Kontinenten ihre Verbindung auf. Eine der ersten Nachrichten, die der Chefredakteur der englischen Zeitung Times an seine Kollegen in den USA schreibt, meldet den erst kürzlich verkündeten Frieden zwischen Österreich und Preußen – eine Nachricht, die zuvor mehr als eine Woche gebraucht hätte, überquert den Atlantik auf elektronischem Weg innerhalb weniger Stunden.

Ein neues Kommunikationszeitalter bricht an. Nur wenige Jahre später vernetzen Telegrafenleitung praktisch die gesamte Welt. 1869 gehen durch das Atlantikkabel zunächst nur 321 Nachrichten pro Woche, doch technische Neuerungen und zusätzliche Leitungen sollten diese Zahl schnell erhöhen. Um 1900 durchziehen allein zwölf Seekabel den Atlantik – sechs davon legte alleine das Siemens-Kabelschiff Faraday. Technische Neuerungen wie Duplex- und später Quadruplex-Telegrafie erlauben das gleichzeitige Versenden von zwei oder vier Nachrichten von beiden Enden des Kabels. 1903 verarbeitet die Atlantikverbindung bereits rund 10.000 Nachrichten täglich. Etwa 406.000 Kilometer Seekabel umspannen damals den Globus.

Allerdings: Nicht jeder ist vollauf von dem schnellen Nachrichtendienst begeistert. Da lange Nachrichten teuer sind – eine zehn Worte lange Nachricht von England nach Amerika kostete Anfangs in heutige Maßstäbe umgerechnet etwa 2600 US-$ – kommunizieren die Menschen per Telegraf meist in der knappen Telegramm-Form. Abkürzungen und knappe, abgehackte Floskeln bestimmen diese Art des Nachrichtenverkehrs.

Ähnlich wie seinerzeit die SMS oder wie Twitter heutzutage musste sich dadurch der Telegraf weltweit den Vorwurf gefallen lassen, Grammatik, Sprachstil und gepflegte Konversationen nachhaltig zu verderben. „Die Kunst, einen Brief zu schreiben, stirbt bald aus,“ klagte bereits 1871 das britische Zeitschrift The Sunday Magazine. „Wir feuern nur noch eine Vielzahl rascher und kurzer Nachrichten ab, anstatt uns hinzusetzen, um eine vernünftige Unterhaltung auf einem echten Blatt Papier zu führen.“

Projekt Marea: Transatlantische Kabelverbindungen haben bis heute Bestand. Im August 2016 wollen Facebook und Microsoft gemeinsam eine neue Hochgeschwindigkeits-Glasfaserleitung von Virginia, USA, nach Bilbao, Spanien legen.
Projekt Marea: Transatlantische Kabelverbindungen haben bis heute Bestand. Im August 2016 wollen Facebook und Microsoft gemeinsam eine neue Hochgeschwindigkeits-Glasfaserleitung von Virginia, USA, nach Bilbao, Spanien legen. (Bild: Microsoft)

Zwar hat die Telegrafie heutzutage ausgedient – das letzte offizielle, drahtgebundene Telegramm wurde im Sommer 2013 über das staatliche indische Netzwerk Bharat Sanchar Nigam, Ltd. verschickt. Satelliten und Glasfaserleitungen vernetzen heute die Welt. Doch die kabelgebundene Kommunikation ist auch heute noch von großer Bedeutung für Kommerz, Politik und Welthandel: Mehr als 90 Prozent des Internetverkehrs laufen über die Verbindungen am Boden der Weltmeere. Im August diesen Jahres wollen Facebook und Microsoft gemeinsam eine neue Glasfaserleitung von Virginia Beach, USA, ins spanische Bilbao legen. Anders als die ersten Kupferkabel bleibt die Bedeutung der Atlantikleitungen somit weiterhin ungebrochen.

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