150 Jahre Transatlantikkabel

Die Leitung, die erstmals die Welt verband

| Redakteur: Sebastian Gerstl

Das Kabelschiff SS Great Eastern verlegte zwischen dem 13. und 27. Juli 1866 die erste beständige Telegrafenleitung durch den Atlantik. Am Tag darauf, vor genau 150 Jahren, nahm der erste schnelle Kommunikationskanal zwischen Europe und Amerika seinen Betrieb auf.
Das Kabelschiff SS Great Eastern verlegte zwischen dem 13. und 27. Juli 1866 die erste beständige Telegrafenleitung durch den Atlantik. Am Tag darauf, vor genau 150 Jahren, nahm der erste schnelle Kommunikationskanal zwischen Europe und Amerika seinen Betrieb auf. (Bild: gemeinfrei / CC0)

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Was vormals Wochen dauern konnte, verkürzte sich auf wenige Stunden: Vor genau 150 Jahren, am 28. Juli 1866, nahm die erste beständige Telegrafenleitung zwischen Amerika und Europa ihren Betrieb auf. Die Ära der elektronischen Kommunikation rückte die Kontinente schlagartig näher zusammen.

Anfang des 19. Jahrhunderts läutete der Erfinder Samuel Morse die Ära der elektronischen Kommunikation ein: Am 4. September 1837 führte er erstmals einen aus Draht, Blech und einem ausgeschlachteten Uhrwerk gefertigten Morseapparat vor. Innerhalb weniger Jahre sollte seine Erfindung die Nachrichtentechnik revolutionieren: 1844 werden die ersten kommerziellen Telegrafenleitungen in den USA in Betrieb genommen, kurze Zeit später kommt die Technologie auch in Europa zum Einsatz.

Für aufstrebende Nationen wie die USA oder Weltreiche wie das britische Empire weckt diese Entwicklung starke Hoffnungen. Denn die Kommunikation zwischen den Kontinenten gestaltet sich Mitte des 19. Jahrhunderts weiterhin als schwierig: Selbst die schnellsten Dampfschiffe benötigen noch mehr als eine Woche, um die Distanz über den Atlantik von Europa nach Amerika zu überbrücken. 1856 stellt die 3600 PS starke "Persia" einen Rekord auf, als sie die Strecke in 9 Tagen zurücklegt.

Route des ersten, nicht beständigen Transatlantikkabels von 1858. Die Strecke zwischen Westirland und Neufundland ging von einer vagen Einschätzung des Ozeonografen Matthew F. Maury aus, der zwischen den Inseln ein transatlantisches Plateau vermutete.
Route des ersten, nicht beständigen Transatlantikkabels von 1858. Die Strecke zwischen Westirland und Neufundland ging von einer vagen Einschätzung des Ozeonografen Matthew F. Maury aus, der zwischen den Inseln ein transatlantisches Plateau vermutete. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Angesichts dessen fasste der amerikanische Unternehmer Cyrus W. Field einen ambitionierten Entschluss: Ein Telegrafenkabel soll die Westküste Irlands und das nordamerikanische Neufundland miteinander verbinden und somit erstmals eine direkte Kommunikationslinie zwischen Amerika und England schaffen. Möglich wurde dies, unter anderem, durch eine Siemens-Erfindung: Mit der 1847 durch Werner von Siemens entwickelten Guttaperchapresse wurde es möglich, Kupferkabel nahtlos zu isolieren, so dass sie auch unter Wasser eingesetzt werden konnten. Mit einer eigens gegründeten Firma wagt sich Field ab 1856 an den Versuch, die 1800 Seemeilen zwischen den Kontinenten mit einem Kabel zu verknüpfen.

Ein Versuch, der viele teure Anläufe benötigt: Beim ersten Start bricht das Kabel bereits kurze Zeit, nachdem das Schiff vom westirischen Valentia ablegt, erstmals. Beim nächsten Start geht die Leitung nur wenige Tage nach Ablegen des Schiffes unwiederbringlich unter Wasser verloren. Der Schaden, den die Crew mit jedem Fehlschlag verursacht, liegt bei 200.000 britischen Pfund – mehrere Millionen Euro nach heutigen Maßstäben.

Das erste Kabel verschmort

1858 gelingt es erstmals, eine komplette Verbindung herzustellen. Doch die Leitung hat nur etwa drei Wochen Bestand. Grund hierfür war ein technologisches Missverständnis. Mit der ersten Verbindung benötigte eine 103 Wörter lange Nachricht Botschaft der britischen Königin an den US-Präsidenten geschlagene 16 Stunden. Da man fälschlicherweise davon ausging, die Signalqualität könnte mit einer höheren Stromstärke verbessert werden, erhöhte einer der verantwortlichen Chefingenieure die Voltzahlen bei der Übertragung – und hinterließ damit ein durchgebranntes, unbrauchbares Kabel.

Somit muss das Projekt nachmals von Neuem angegangen werden. Zwischen 1861 und 1865 kamen die Unternehmungen zwischenzeitlich komplett zum Erliegen – Schuld war der amerikanische Bürgerkrieg. Am 15. Juli 1865 startet Field einer neuen Firma und dem mit 4300 Kilometer Leitung ausgestatteten Kabelschiff SS Great Eastern einen weiteren Anlauf – und scheitert erneut, als das Kabel zwei Wochen später beim Verlegen bricht und in den Tiefen des Atlantik verloren geht. Field gibt allerdings nicht auf, sichert die Finanzierung für ein neues Unternehmen – die Anglo-American Telegraph Company – und startet von vorn.

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