Die Leiterplatte – so modern wie nie

| Redakteur: Dr. Anna-Lena Gutberlet

Die Anfänge und stürmisches Wachstum

Doch blicken wir zurück auf die Anfangsjahre des Leiterplattenherstellers: In den 1970ern wird der Platz in Künzelsau knapp, so dass 1980 ein speziell konzipiertes Leiterplattenwerk in Niedernhall, nur wenige Autominuten von Künzelsau entfernt, mit einer Produktionsfläche von 2200 Quadratmetern gebaut wird.

Ebenfalls in den frühen 1980er Jahren kommt es unter dem Dach der Leiterplattenfertigung in Niedernhall zur Gründung zweier Geschäfts- beziehungsweise Unternehmensbereiche, die zwei wichtige Meilensteine in der Historie des Unternehmens darstellen. 1984 werden innerhalb der Würth Elektronik die Unternehmensbereiche „Elektromechanische Baugruppen (EMB)“ und „Verbindungstechnik (VBT)“ aus der Taufe gehoben.

Dies ist der Startschuss für ein rasantes Wachstum der Würth Elektronik in den Märkten für elektronische und elektromechanische Bauelemente sowie für intelligente Power- und Steuerungssysteme. Aus Würth Elektronik EMB wird im Jahr 2000 Würth Elektronik ICS (Intelligent Connecting Systems). Seit 2007 agiert Würth Elektronik ICS GmbH & Co. KG als rechtlich selbstständiges Unternehmen. Bereits 2002 war aus Würth Elektronik VBT die rechtlich selbstständige Würth Elektronik eiSos GmbH & Co. KG (emc & inductive Solutions) geworden.

Schnelligkeit als Motor des Erfolgs

Auch beim Leiterplattenhersteller Würth Elektronik CBT stehen die Zeichen auf Wachstum. In den Jahren 1986 und 1987 erfolgt eine Erweiterung der Produktionsstätte in Niedernhall. Jürgen Klohe erinnert sich: „Der Ausbau in Niedernhall hatte zwei Gründe. Zum einen wurde die Einpresstechnik­abteilung gegründet und es sollten hochlagige Multilayer produziert werden. Um 1986 herum war das eine echte Innovation.“ Das Werk in Niedernhall sei damals auch das erste Werk gewesen, das standardisierte Nutzenformate hatte. So konnte Würth Elektronik Kleinserien bedienen.

„Und dann kam ein Schritt, der, glaube ich, sehr wichtig war: Um 1988/89 begannen wir wieder Eildienste anzubieten“, blickt Jürgen Klohe zurück. Der Faktor Schnelligkeit wird in dieser Zeit zu einem Motor des Erfolges. „Die Serviceabteilung hat schließlich so viele Aufträge generiert, dass wir uns entschlossen, 1994 das Werk in Rot am See dazu zukaufen, um mehr Eildienste und Prototypen anbieten zu können“, ergänzt Klohe.

Ein weiteres einschneidendes Ereignis in der Firmengeschichte hatte sich bereits wenige Monate zuvor ereignet, wenn auch mit negativen Vorzeichen: Ein Hochwasser im Dezember 1993 und ein weiteres Anfang 1994 sorgten in Niedernhall für Überflutungen und verursachen bei Würth Elektronik einen Millionenschaden.

MicroVia und weitere Zukunftstechnologien

1994 gelingt im Werk Rot am See im Landkreis Schwäbisch Hall der Einstieg in die MicroVia-Technologie, ein weiterer Meilenstein, um den Ruf als Innovator zu festigen. 1997 kommt es schließlich zur Übernahme des Leiterplattenwerkes Metalex in Pforzheim und zur Gründung der Würth Elektronik Pforzheim. 1998 wird abermals die Fertigstellung einer Erweiterung des Leiterplattenwerks in Niedernhall gefeiert. Zudem erfolgt die Übernahme des EMV Traditionsunternehmens Radialex in Frankreich und die Gründung der Würth Elektronik Italien. Würth Elektronik wechselt im Jahr 2000 mit 660 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 188 Millionen DM in das neue Jahrtausend.

Im Jahre 2001 verstärkt Würth Elektronik in wirtschaftlich schwieriger Zeit die Aktivitäten im Bereich Zukunftstechnologien und investiert im Werk Niedernhall in eine Laserbohrmaschine, in ein weiteres AOI-Gerät zur Prüfung von feinsten Strukturen und in eine Röntgenbohrmaschine für höhere Genauigkeit. Auch das Werk in Rot am See begegnet der um diese Zeit kritischen Marktsituation offensiv: 2001 ist hier ein Jahr der baulichen Veränderungen. Die Erweiterung der Abwasseranlage wird abgeschlossen, im Bereich Forschung und Entwicklung werden Projekte wie MOES (modulare optisch-elektrische Schaltungsträger) und ChiP (Chip in Polymere) durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Im Projekt MOES werden bei Würth Elektronik erste Mehrlagenverbunde zwischen elektrischer Leiterplatte und optischen Teststrukturen aufgebaut.

Klaus Weingärtner, Geschäftsführer der Würth Elektronik CBT in Rot am See, beschreibt die Stellung seines Werkes im Gesamtgefüge von Würth Elektronik so: „Zum Profil des Standortes Rot am See gehört die besondere Betonung der Bereiche Forschung und Entwicklung sowie der Fertigung von Prototypen. Hier sind wir schnell, gewissermaßen der Sprinter unter den Werken.“

Am 11. April 2003 wird die vertragliche Vereinbarung zum Kauf der PPE im südbadischen Schopfheim durch Würth Elektronik unterzeichnet, und die Würth Elektronik Circuit Board Technology Schopfheim nimmt am 14. April 2003 ihren Betrieb auf. „Mit dem Zukauf von PPE in Schopfheim haben wir Kapazitäten und Know-how für MicroVia ins Haus geholt“, beschreibt Jürgen Klohe die damalige Strategie.

Würth Elektronik CBT verfügt zu dieser Zeit über die Kapazitäten und das Fertigungs-Know-how von nunmehr vier Produktionswerken in Deutschland mit unterschiedlicher technologischer Ausrichtung: Niedernhall, Rot am See, Schopfheim und Pforzheim. Das Fundament ist gelegt für die heutige Unternehmensstrategie, die sich mit den Begriffen Dezentralisierung und Branchenspezialisierung beschreiben lässt. „Die Wurzeln für unsere heutige strategische Ausrichtung liegen in jener Zeit. Jedes unserer Werke hat heute sein klar geschärftes Profil und ist ausgerichtet auf spezifische Branchen- und Kundenanforderungen. In dieser Dezentralisierung sehen wir den Schlüssel für die Zukunft“, erklärt Jörg Murawski, Geschäftsbereichsleiter der Würth Elektronik.

Andreas Gimmer, Geschäftsführer der Würth Elektronik CBT in Schopfheim, sagt zur heutigen Stellung seines Werkes: „Mit dem Branchenfokus auf Automotive und Sensorik erwarten wir weiterhin gutes Wachstum. Ein Leuchtturmprojekt für das Werk Schopfheim war in den zurückliegenden Jahren die kundenspezifische Entwicklung der Baugruppe für die LKW-Getriebesteuerung.“

Das 2004 in Niedernhall eingeführte Integrierte Management System (IMS) verbindet Arbeitssicherheit, Umwelt und die QS-Norm TS 16949 miteinander. Für die CBT-Gruppe ein weiterer entscheidender Vorteil, denn durch diese Norm sind die Hohenloher Leiterplattenhersteller auch für den Automotive-Kundenkreis interessant geworden.

Der kurze Draht: Gründung von WEdirekt

Bereits 2005 wird CBT India gegründet. Vorbereitende Stellen in Asien für deutsche Produkte waren damals ein Novum, betont Jürgen Klohe. Daniel Klein, Geschäftsführer der Würth Elektronik CBT Niedernhall, erinnert sich: „Nach einigen schwierigen Jahren konnte der positive Trend von Ende 2005 fortgesetzt werden. Dementsprechend konnten Umsatz und Betriebsergebnis deutlich gesteigert werden und das Jahr 2006 als eines der erfolgreichsten Jahre in die Geschichte der CBT Niedernhall eingehen.“

Im Werk Niedernhall wird 2008 die Produktionsfläche auf 10.322 Quadratmeter erweitert. Insgesamt baut Würth Elektronik mit der Inbetriebnahme einer hochmodernen Galvanikanlage in seinem Muster- und Prototypenwerk Rot am See seine Stellung als größter deutscher Leiterplattenhersteller weiter aus.

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