Die Maschinenrichtlinie 2006/42/EU, Teil 3 Die Konformität zur Maschinenrichtlinie richtig erklären

Autor / Redakteur: Thomas Steffens, TÜV Rheinland Industrie Service* / Holger Zietz, Gilles Bordet

Was ist bei integrierter Sicherheitstechnik hinsichtlich der Maschinenrichtliche zu beachten? Beim Beantworten solcher Fragen helfen benannte Stellen dem Konstrukteur weiter, wie der TÜV Rheinland. Er kann das Prüfzeichen FS bescheinigen, ein Prüfzeichen, das weltweit als Nachweis für „Funktionale Sicherheit“ anerkannt ist.

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Wichtig in der Praxis sind Standard-Überwachungsfunktionen für Geschwindigkeit und Position. Und: Neben zahlreichen in der Norm gelisteten Sicherheitsfunktionen kann der Anwender auch selbst welche spezifizieren. Dabei muss der sichere Zustand eindeutig definiert sein. So gilt: Für Antriebe mit integrierter Sicherheitstechnik muss die Maschinenrichtlinie angewendet werden, wenn diese in Anwendungen verbaut werden, die unter die Maschinenrichtlinie fallen. Welche Direktiven müssen dabei für Antriebe betrachtet werden?

Abgesehen davon müssen auch die harmonisierten Standards entsprechend der anderen europäischen Richtlinien wie Niederspannungsrichtlinie und EMV-Richtlinie angewendet werden. Abhängig vom Einsatz können weitere Richtlinien und deren harmonisierte Normen von Bedeutung sein.

Wie kann man die Konformität zur Maschinenrichtlinie erklären? Die neue europäische Maschinenrichtlinie listet in ihrem Anhang IV Produkte auf, von denen im Fehlerfall aufgrund ihrer Funktion besonders hohe Gefährdungen ausgehen. Aus diesem Grund werden für diese Produkte erhöhte Anforderungen für die Konformitätsbewertung gestellt. Hierfür bietet die neue Maschinenrichtlinie verschiedene Ansätze in Abhängigkeit ob harmonisierte Normen existieren oder nicht. Selbst bei Vorhandensein von harmonisierten Normen bestehen Gefahren der Fehlinterpretation von Anforderungen aufgrund von fehlender Erfahrung in der Sicherheitstechnik.

Eine benannte Stelle einschalten

Eine Fehlerinterpretation kann zu hohen Kosten für den Endanwender führen, wenn die integrierte Sicherheitstechnik gefährlich versagt und die Produktion dadurch gestoppt wird. Darüber hinaus ist der Ruf des Herstellers der Sicherheitskomponente in Gefahr und es können gegebenenfalls juristische Konsequenzen folgen. Aufgrund dieser Tatsachen ist die Akzeptanz auf dem Markt für selbstbewertete Produkte gering und die meisten Hersteller entscheiden sich daher eine benannte Stelle wie die TÜV Rheinland Industrie Service GmbH für eine EG-Baumusterprüfung einzuschalten.

Die Abteilung “Automation, Software and Information Technologie” als akkreditiertes Prüflabor innerhalb der TÜV Rheinland Industrie Service GmbH, unterstützt Hersteller von Sicherheitsprodukten effektiv bei der EG-Baumusterprüfung.

Eine EG-Baumusterprüfung beim TÜV Rheinland bietet eine umfassende Qualitätssicherung und den Nachweis der Sicherheit und Eignung für Bediener, Überwachungsstellen und Behörden. Die EG-Baumusterprüfung ist in den folgenden drei Phasen aufgeteilt:

  • Konzeptprüfung,
  • Hauptprüfung und
  • Bericht und Ausstellung einer EG-Baumusterprüfbescheinigung.

Die Konzeptprüfung hat das Ziel Mängel im Vorfeld zu identifizieren und zu vermeiden. Während der Konzeptphase werden die Entwickler unterstützt bei der Identifizierung und richtigen Interpretation von Anforderungen und bei der Festlegung der anzuwendenden Standards.

Die Hauptprüfung beinhaltet theoretische und praktische Prüfungen zur Erbringung des Nachweises, dass das Sicherheitsprodukt den Anforderungen genügt.

Die Hauptprüfung beinhaltet unter anderem:

  • die Prüfung der Sicherheitsintegrität,
  • die Betrachtungen von Gesichtspunkten der Qualitätssicherung zur Erreichung der systematischen Integrität,
  • die Bestimmung der gefährlichen Versagenswahrscheinlichkeit,
  • die Durchführung von FMEA,
  • die Prüfung der Software, wenn erforderlich,
  • die Durchführung von Umweltprüfungen inklusive EMV unf
  • die Prüfung der technischen Unterlagen und Benutzerdokumentation.

Nach erfolgreichem Abschluss der EG-Baumusterprüfung wird eine EG-Baumusterprüfbescheinigung ausgestellt. Zusätzlich zur EG-Baumusterprüfbescheinigung kann das Prüfzeichen “Type approved – Functional Safety“ verwendet werden. Dieses Prüfzeichen ist weltweit anerkannt als ein Nachweis für „Funktionale Sicherheit“.

Zertifiziete Funktionen sind leichter integrierbar

Durch den Prüfbericht wird die Sicherheitsintegrität für die integrierte Sicherheitsfunktion im Antrieb bestätigt. Eine zertifizierte Sicherheitsfunktion hat darüber hinaus den Vorteil für den Endanwender, dass diese einfacher in die Sicherheitskette für die Anwendung integriert werden kann. Der Prüfbericht beinhaltet unter anderem die Details der Berechnung der sicherheitstechnischen Parameter, welche für die Realisierung der Sicherheitskette erforderlich sind. Durch die Zertifizierung der integrierten Sicherheitsfunktion wird bestätigt, dass die anzuwendenden fundamentalen Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen erfüllt werden. Auf Basis dieser Zertifizierung kann die Konformität zur Maschinenrichtlinie erklärt werden. Die Einbindung eines unabhängigen Prüfinstitutes als Berater im Bereich Funktionale Sicherheit spart wertvolle Zeit während der Entwicklung und hilft kostspielige Fehler in der frühen Phase der Entwicklung zu erkennen und zu vermeiden.

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*Dipl.-Ing. Thomas Steffens, Product Manager, Electro-sensitive protective equipment/Safety related Drive systems, TÜV Rheinland Industrie Service

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