Meilensteine der Elektronik

Die Geschichte vom Rückgrat der Elektronik

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Nun könnte Apple unter die Räder kommen

Nun könnte es Apple selbst treffen, denn das vor fünf Jahren gegründete Unternehmen Xiaomi, schlägt Apple nicht nur in Preis, Funktionalität und Kundenakzeptanz, sondern übertrifft das amerikanische Unternehmen auch bei den Verkaufszahlen. Apple musste für das 1. Quartal 2016 einen Rückgang von 26% im Hauptabsatzmarkt China hinnehmen.

Die Globalisierung wurde mit dem schnellen Datenaustausch über Kontinente hinweg durch das Internet zusätzlich gefördert. Vordergründig machte sich das auch in weiter fallenden Preisen bemerkbar, doch werden in der Argumentation in den meisten Fällen nur Preise mit Preisen (und nicht Gesamtkosten mit Gesamtkosten) verglichen. Was an zusätzlichen Ausgaben anfällt (z. B. Reise- und Qualifikationskosten, intensive Qualitätsüberwachung, Betreuungsmanagement, Logistik, Währungsrisiko und vieles mehr) wird meist auf anderen Kostenstellen verbucht und nur in den seltensten Fällen dem Einkauf zugeordnet.

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Die großen europäischen Hauptabnehmer von Leiterplatten kaufen seit Jahren in China. Wenn ein Unternehmen wie Continental einen Leiterplattenbedarf von 915 Mio USD hat und daran 5% sparen kann, dann lohnt sich auch das eigene Büro in China, das permanent die Qualität überwachen kann. Für einen kleinen Bedarfsträger dagegen nicht.

Vielfach übernehmen Handelsunternehmen den Part der Kontrolle, doch da kommt es darauf an, wie groß das Unternehmen ist und wie gut und zuverlässig dessen Lieferbasis ist. Mit den in den letzten 30 Jahren gestiegenen Anforderungen an Qualität, Rückverfolgbarkeit und Gewährleistung kann eine Einmannfirma auch bei nur einem Qualitätsproblem schon überfordert sein.

Chinesische Hersteller sind viel mehr profitorientiert als europäische. Daher gibt es nur wenige Handelsfirmen, die länger als fünf Jahre mit den gleichen Herstellern in China zusammenarbeiten. Um einen ungeliebten (weil zu kleinlichen oder zu kritischen) Kunden loszuwerden, werden z.B. anstehende Lieferungen einfach kurzfristig storniert. Und eine Klage in China ist teuer, langwierig und nur gelegentlich erfolgreich.

Wer produziert heute die Leiterplatte?

Wenn man nicht das Produktionsland, sondern das Herkunftsland der Firmen mit ihrem Hauptsitz als Maßstab nimmt, so kommt man auf ganz andere Ergebnisse als die allgemein publizierten. Für 2015 sieht die Übersicht dann wie folgt aus:

(Bild: VBM)

Was bedeutet das für die europäische Leiterplattenindustrie?: In China haben sich gigantische Firmen gebildet, knapp 50% der weltweiten Leiterplattenproduktion entstehen dort. Einzelne Standorte haben Dimensionen, die weder in Amerika noch in Europa vorstellbar sind: Hallen mit Abmessungen von 2 km x 2 km und mit 50.000 bis 100.000 Beschäftigten an einem Standort! Derartige Fabriken beliefern die sog. "3-C-Industrien" (Computer, Communication, Consumer), die etwa 60% der weltweit gefertigten Elektronik ausmachen.

Die in Europa ansässigen Abnehmer-Branchen verfügen aber nicht über die für derartige Betriebe erforderlichen Bedarfsmengen. Manche Firmen möchten außerdem aus grundsätzlichen Erwägungen nicht in China produzieren lassen ("wir sehen nicht nur Kopien unserer Produkte, sondern sogar Kopien von Kopien…"). Andererseits sind die chinesischen Großunternehmen an den kleinen Bedarfsmengen – die sich außerdem noch durch große Typenvielfalt auszeichnen – gar nicht interessiert.

Insofern ist es unbedingt erforderlich, dass die europäische Produktionsbasis erhalten bleibt. Allerdings setzt das auch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit voraus. Nicht nur als "Notnagel", wenn in China mal wieder ein Großbrand, eine Krankheit, ein Transport- oder Qualitätsproblem aufgetreten ist, sondern eine solche Beziehung muss gepflegt werden.

Damit erhält der europäische Hersteller auch die Möglichkeit, beratend tätig zu werden. Die früher einmal übliche Praxis, einen etablierten Zweitlieferanten zu haben, sollte wieder ernsthaft in Erwägung gezogen werden.

Denn eine zu kleine Leiterplattenindustrie hat auch Auswirkungen auf die Zulieferer. Für wichtige Materialien gibt es inzwischen fast nur noch asiatische Lieferanten und sollte es einmal zu globalen Engpass-Situationen kommen, so dürfte klar sein, welche Region mit Präferenz versorgt wird.

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