ESE Kongress Die Frage nach der Ethik im autonomen Fahrzeug

Redakteur: Franz Graser

Die Entwicklung autonomer Fahrzeuge hat schwerwiegende ethische und rechtliche Konsequenzen. Beim diesjährigen ESE Kongress (28. November bis 2. Dezember in Sindelfingen) befasst sich der Philosophieprofessor und Staatsminister a. D. Julian Nida-Rümelin mit diesem Thema.

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Professor Dr. Julian Nida-Rümelin: Der Philosophieprofessor der LMU München hat sich intensiv mit den ethischen Problemen des autonomen Fahrens befasst.
Professor Dr. Julian Nida-Rümelin: Der Philosophieprofessor der LMU München hat sich intensiv mit den ethischen Problemen des autonomen Fahrens befasst.
(Bild: Bernd Euring 2010)

Entwickler und Konstrukteure autonomer Fahrzeuge stehen vor einem schwierigen Problem: Was passiert, wenn ein sich selbst steuerndes Vehikel einer Gefahrenquelle ausweicht, etwa einem Kinderwagen, der in die Straße rollt, und dadurch andere Verkehrsteilnehmer gefährdet? Menschliche Autofahrer, die mit einer solchen Situation konfrontiert sind, reagieren instinktiv. Sollen aber autonome Systeme so programmiert werden, dass sie eine Abwägung vornehmen, ob etwa ein Kind oder ein älterer Verkehrsteilnehmer verletzt oder eventuell getötet werden?

Als einer der wenigen Vertreter seines Faches hat sich der Philosophieprofessor Julian Nida-Rümelin, der an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität lehrt, mit solchen Fragen beschäftigt. Am Donnerstag, dem 1. Dezember, wird sich Nida-Rümelin, der von 2001 bis 2002 auch Kulturstaatsminister im Kabinett von Bundeskanzler Gerhard Schröder war, in seiner Keynote „Philosophie trifft Elektronik – menschliche Verantwortung und technologische Praxis“ diesem Thema annehmen. Aus seiner Sicht verbieten es Recht und Ethik, Menschenleben gegeneinander aufzurechnen. Der 1. Artikel des Grundgesetzes, der die Würde des Menschen in den Vordergrund stellt, untersagt die Verletzung dieser Würde auch dann, wenn dadurch andere Menschenleben gerettet werden könnten.

Ein ethisches Dilemma: Wer darf leben, wer muss sterben?

In einem ZDF-Interview illustrierte Nida-Rümelin dieses Dilemma an einem Beispiel: Ein schwer verletzter Motorradfahrer, der in ein Krankenhaus eingeliefert wird, könnte möglicherweise als Organspender mehreren Menschen das Leben retten. Dennoch sei es unethisch, diesen Verletzten zu Tode zu bringen. Im Gegenteil müsse man alles dafür tun, das Leben des Motorradfahrers zu erhalten.

In dem Interview gab Nida-Rümelin auch zu, dass weder die Philosophie noch die Rechtswissenschaft noch die Technik auf dieses Dilemma eine klare und schlüssige Antwort besäßen. Falls es jedoch soweit kommen sollte, dass in autonome Fahrzeuge derartige Entscheidungsmechanismen eingebaut würden, müssten diese Kriterien aber offengelegt werden. Denn Käufer oder Benutzer solcher Fahrzeuge müssten über diese Entscheidungsmechanismen informiert sein. Er forderte daher die Gesellschaft auf, sich dieser Debatte zu stellen.

Gerade in der Autostadt Sindelfingen werden die Gedanken des Philosophen sicher mit Spannung gehört, da sich die deutsche Autoindustrie das Thema des autonomen Fahrens auf die Fahnen geschrieben hat.

Am 29. November steht das Thema „RoboCup“ im Vordergrund: Dr. Thomas Röfer vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Saarbrücken und RoboCup-Weltmeister, erläutert in seiner Keynote, wie man Robotern das Fußballspielen beibringt. Die Kommunikationsexpertin Dr. Sylvia Löhken referiert am 30. November über das Kontaktmanagement für intro- und extrovertierte Teammitglieder. Das vollständige Programm und alle weiteren Informationen finden Sie unter www.ese-kongress.de.

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