Forschnungsprojekte Die Erfolgsstory von ELSYS und iSyst

Autor / Redakteur: Prof. Dr. Hans Rauch, Prof. Dr.-Ing.Norbert Graß / Reinhard Kluger

Pionier war die Projektgruppe für Elektronische Systeme, ELSYS. Sie stieß die Tür auf, dass auch Fachhochschulen öffentliche geförderte Industrieprojekte im Stil von Universitäten bearbeiten können. Heute gibt es verbindliche Regelwerke, sind die Abläufe von Forschungsprojekten standardisiert die Tür ist offen für weitere Kooperationen.

Firmen zum Thema

Ein Praxisbericht in der Ausgabe 2006 Automation Valley berichtete über die Entwicklung und den Test von elektronischen Steuergeräten. Thema: ‚Model In The Loop‘ (MIL) umfasst auch das Erproben im geschlossenen Regelkreis, zunächst nicht notwendigerweise unter Echtzeitbedingungen. Der Bericht steht exemplarisch für Projekte des iSyst.
Ein Praxisbericht in der Ausgabe 2006 Automation Valley berichtete über die Entwicklung und den Test von elektronischen Steuergeräten. Thema: ‚Model In The Loop‘ (MIL) umfasst auch das Erproben im geschlossenen Regelkreis, zunächst nicht notwendigerweise unter Echtzeitbedingungen. Der Bericht steht exemplarisch für Projekte des iSyst.
( Archiv: Vogel Business Media )

Es begann vor über 10 Jahren: Prof. Dr. Hans Rauch − gerade von der FAU Erlangen an die Ohm-Hochschule gewechselt − beschloss, auch an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg öffentlich geförderte Projekte und Industrieprojekte im Stil von Universitäten zu bearbeiten. Mit der Einstellung eines ersten Mitarbeiters entstand im Frühjahr 1996 die „Projektgruppe für Elektronische Systeme ELSYS“. Das erste Jahr verging mit der Ausarbeitung diverser Förderanträge bis zum ersten großen Förderprojekt für die FH: „UWAS“, ein Projekt zur Entwicklung eines Umweltanalysensystems für die kostengünstige Erfassung von Inhaltsstoffen im Wasser.

Sieben Professoren aus drei damals existierenden Fachbereichen, drei Forschungs- und neun Industriepartner schlossen sich von 1997 bis 1999 zum UWAS-Projekt zusammen. Mit Prof. Rauch wurde erstmalig ein FH-Professor von der Bayerischen Forschungsstiftung in einem Verbundprojekt als Projektsprecher eingesetzt. UWAS gilt als Auftakt für viele Förderprojekte an bayerischen Fachhochschulen. Im Jahr 2000 kamen die Professoren Dr. Jürgen Bäsig und Dr. Peter Urbanek dazu und brachten unter kollegialer Leitung ihre Kompetenzen mit ein. Aus der Zwei-Mann-Projektgruppe entstand ein Institut mit fünf Mitarbeitern, meist Absolventen der Fachhochschule Nürnberg. Einfach war dieser Weg zum Institut nicht. Gerade in der Anfangsphase betrat Prof. Rauch immer wieder Neuland. In den ersten Jahren waren die internen Strukturen an der FH noch nicht auf die Abwicklung von Drittmittelprojekten eingestellt. Nach einer gemeinsamen Lern- und Einschwingphase und durch das Entstehen weiterer Institute an der FH wuchs die Erfahrung kontinuierlich. Heute können wegen der geleisteten Vorarbeit alle Institute auf ein verbindliches Regelwerk zugreifen, und viele Abläufe sind standardisiert. Das hat wesentlich dazu beigetragen, dass die im Rahmen der High-Tech-Offensive geförderten Institute bei der Überprüfung durch den Bayerischen Obersten Rechnungshof überdurchschnittlich gut abgeschnitten haben.

Aufnahme in die Champions League

Ein großer Sprung für ELSYS war 2000 die Aufnahme in das „Bayerische Kompetenznetzwerk für Mechatronik“ (BKM). In dem von der High-Tech-Offensive Zukunft Bayern mit insgesamt 32 Mio. Euro geförderten Projekt bearbeitete ELSYS auf Augenhöhe mit fünf international renommierten Partnern (DLR, Fraunhofer Institute IISB und IZM, FAU Erlangen, TU München) sehr anspruchsvolle Querschnitts-Forschungsprojekte. In den fünfeinhalb Jahren Projektlaufzeit hat das Institut auch sein inhaltliches Profil entwickelt: ELSYS hat seine Stärken in der Entwicklung von Prototypen für mess-, steuerungs- und regelungstechnischen Systemen. Ein weiteres Standbein ist der Test von Steuergeräten fürs Automobil zu dem Zeitpunkt, an dem in der Entwicklungsphase die Hardware mit der Software „verheiratet“ wird. In Spitzenzeiten waren im Institut neun Projektingenieure und eine Assistentin beschäftigt und eine Vielzahl von DiplomandInnen und studentische Hilfskräfte in die Projekte eingebunden.

Aus Eins mach Zwei

Im Rahmen des BKM wurde der Projekterfolg vom Fördermittelgeber unter anderem an der Zahl der erfolgreichen Ausgründungen festgemacht. So entstand im Jahr 2001 die iSyst Intelligente Systeme GmbH, die sich vor allem mit der intelligenten Reparatur elektronischer Systeme und dem „Hardware In The Loop“ - Test beschäftigt. Die Gründungsväter waren Prof. Dr. Urbanek und Prof. Dr. Rauch. Nach dem Ausscheiden von Prof. Urbanek aus der Firma haben Mitarbeiter von iSyst Gesellschaftsanteile erworben.

Die Ausgründung war wegen der mit damals acht Mitabeitern zu geringen Größe des Instituts problematisch. Wären die besten Mitarbeiter mit den besten Ideen gegangen, wäre das Institut ELSYS gestorben. Eine Ausgründung der weniger guten Ideen wäre von vorne herein zum Scheitern verurteilt. So war klar, dass nur eine Ausgründung mit gleichzeitiger Bindung der Ausgründung an die ausgründende Einrichtung und umgekehrt Erfolg haben kann. Von der daraus resultierenden engen Kooperation zwischen ELSYS und seiner Tochter iSyst profitieren auch die Studenten. Vom studienbegleitenden Job als studentische Hilfskraft bei ELSYS über Praktika/Werkstudententätigkeit bei der iSyst GmbH bis hin zur abschließenden Diplomarbeit bei ELSYS oder iSyst bekommen sie alles aus einer Hand. Das Angebot wird durch seine Praxisnähe von den Studierenden sehr gut angenommen, merken sie doch, dass sie so optimal auf ihr späteres Berufsleben vorbereitet werden. Bei entsprechender Eignung ist der Berufseinstieg auch im Team von ELSYS oder iSyst möglich.

Das Dreisäulenmodell

Wie das Bild mit dem Dreisäulenmodell zeigt, entstand aus einigen Laboren der Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg das Institut für Elektronische Systeme ELSYS und daraus die Ausgründung, die iSyst Intelligente Systeme GmbH. War Prof. Rauch vor zwei Jahren noch in allen drei Säulen verantwortlich tätig, zog er sich nach seiner Wahl zum Prorektor der Hochschule im Jahr 2006 wegen Ämteranhäufung aus der Leitung des Instituts ELSYS zurück. Mit Eintritt in die Ruhephase der Altersteilzeit ist Prof. Rauch nun auch nicht mehr für Labore zuständig.

Die Zusammenarbeit der drei Säulen ist jedoch trotzdem gesichert. Sie funktioniert nicht nur, weil ein Kooperationsvertrag die Zusammenarbeit regelt, sondern besonders weil alle beteiligten Personen, einschließlich Hochschulleitung und Hochschulverwaltung, sehen, dass ein für alle Betroffenen sehr gutes Win-Win-Verhältnis entstanden ist, das sich lohnt, weiter gepflegt zu werden.

Die Erfolgsstory von ELSYS und iSyst hat schon im Jahre 2003 das Bundesministerium für Bildung und Forschung erreicht. Die damalige Ministerin, Frau Bulmahn, hat sich auf der CeBIT 2003 über das erfolgreiche Dreisäulenmodell informiert.

Prof. Rauch unterstützt weiterhin ELSYS beim Ausbau der Aktivitäten. Mitarbeiter von ELSYS bearbeiten z.B. Entwicklungs- und Forschungsprojekte im Auftrag von der iSyst GmbH. Die Konstellation mit Hochschule für angewandte Wissenschaft, einem Hochschulinstitut und einer Ausgründung bietet auch eine ideale Basis für die Beantragung und Durchführung von öffentlich geförderten Projekten.

Weitere Kooperationen zeichnen sich ab

Weiter vertieft wurde die Zusammenarbeit noch dadurch, dass Prof. Rauch es geschafft hat, die Stiftungsprofessur „Automatisierung und Mechatronik“ an der Hochschule einzurichten. Die Firmen Baumüller GmbH Nürnberg, Conti Temic Nürnberg und Siemens Medical Solutions Erlangen tragen jeweils ein Viertel der Kosten eines Professors, eines Ingenieurs und einer Halbtagssekretärin über einen Zeitraum von 5 Jahren. Das vierte Viertel übernimmt die iSyst Intelligente Systeme GmbH. So zeigt das Dreisäulenmodell an der Ohm-Hochschule Nürnberg noch einen ganz besonderen Scharm: Die letztendlich aus der Hochschule entstandene iSyst GmbH unterstützt jetzt im Gegenzug die Hochschule auch materiell durch die Übernahme eines wichtigen Anteils der Kosten für die Stiftungsprofessur. Nicht zu vernachlässigen sind auch die zahlreichen Lehrbeauftragten aus dem Kreis der Mitarbeiter von iSyst, die der Hochschule zur Verfügung stehen.

Automatisierung basiert auf Regelungen mit Rückkopplungen. Wen wundert es, dass ELSYS und iSyst nicht nur gemeinsam Regelungen und Steuerungen entwickeln, diese Systeme In The Loop testen sondern auch die Zusammenarbeit mit Rückkopplung, d.h. In The Loop betreiben. ELSYS und iSyst streben an, den gemeinsamen Umsatz um 50% auf 2 Mio€ im Jahr 2007 zu erhöhen.

Längst reichen die Räume, die die Ohm-Hochschule an die iSyst GmbH vermietet hat, nicht mehr aus.

iSyst ist dabei in die Forschungsfabrik im Nordostpark von Nürnberg umzuziehen. Das bedeutet jedoch keine Trennung von ELSYS. Die Ohm-Hochschule und die iSyst Intelligente Systeme GmbH stellen dem Partner jeweils Räume gegenseitig zur Verfügung. Somit ist iSyst weiterhin an der Hochschule zugegen und die Ohm-Hochschule zeigt Präsenz in der Forschungsfabrik. Weiter Kooperationen zeichnen sich ab. Die TU Chemnitz plant eine Außenstelle in den neuen Räumen von iSyst einzurichten. Das RMIT und die University of Melbourne in Australien planen den Aufbau eines Austauschzentrums für Studenten und Wissenschaftler bei ELSYS/iSyst.

ELSYS und iSyst sind in die Kooperationsnetzwerke „Automation Valley Nordbayern“ und „mechatronik-net e.V.“ eingebunden. Deren Mitglieder kommen aus den Branchen Mechatronik, Robotik und Produktion. Hauptauftraggeber von ELSYS und iSyst sind die Conti Temic microelectronic GmbH in Nürnberg und die Continental Automotive Systems in Sibiu, Rumänien. Weitere Standorte von Continental Automotive Systems im In- und Ausland sind dabei, den erarbeiteten Standard bei Qualifikation und HIL-Test zu übernehmen. Der von den Automobilherstellern und deren Zulieferern eingeführte Standard ist auch für andere Branchen interessant. Dies sind z.B. die Medizin-, die Antriebs- und die Energietechnik. So konnten Unternehmen wie Siemens Medical Solutions, Siemens CT, die Baumüller A.G., die Brose Fahrzeugteile GmbH & Co, Metzeler Automotive Profile Systems GmbH, AEbt Angewandte Eisenbahntechnik GmbH, Pilkington Holding GmbH die BMW AG sowie die vhf electronic GmbH und die ITF Fröschl GmbH als Auftraggeber und Projektpartner gewonnen werden. Potenzielle Partner sind Siemens A&D und die INTER CONTROL Hermann Köhler Elektrik GmbH Co. KG.

ELSYS

Prof. Dr.-Ing. Hans Rauch, iSyst Intelligente Systeme GmbH, Nordostpark 9190411 Nürnberg, Prof. Dr.-Ing. Norbert Graß, Georg-Simon-Ohm Hochschule Nürnberg, Institut für elektronische Systeme ELSYS, Keßlerplatz12, 90489 Nürnberg.

(ID:229562)