Meilensteine der Elektronik Die Erfolgsgeschichte des Han-Steckverbinders

Redakteur: Kristin Rinortner

Einen Rechtecksteckverbinder, der robust und leicht handhabbar sein soll, stellt sich Wilhelm Harting in den 1950er Jahren vor. Aus diesem Grundgedanken entwickelte er den „Harting Norm“ Steckverbinder.

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Industriesteckverbinder: Der „Harting Norm“ Steckverbinder (Han) basiert auf dem Staf-Steckverbinder und wurde in den 1950er Jahren von Willhelm Harting an die Bedürfnisse der Industrie angepasst.
Industriesteckverbinder: Der „Harting Norm“ Steckverbinder (Han) basiert auf dem Staf-Steckverbinder und wurde in den 1950er Jahren von Willhelm Harting an die Bedürfnisse der Industrie angepasst.
(Bild: Harting)

Die Geschichte der Han-Steckverbinder (Harting Norm Steckverbinder) beginnt Mitte des 20. Jahrhunderts: 1945 gründet der Ingenieur Wilhelm Harting zusammen mit seiner Frau Marie in Minden die „Mechanischen Werkstätten“. Gefertigt werden in der frühen Nachkriegszeit zunächst Artikel des täglichen Bedarfs – etwa Kochplatten, Sparlampen und Bügeleisen.

Doch bald entdeckt der Jungunternehmer den Bedarf der aufstrebenden deutschen Industrie nach neuen technischen Produkten, vor allem nach Steckverbindern. Harting ist überzeugt von den Vorzügen dieses Produkts für die deutsche Industrie und sieht die Entwicklungschancen. Zugleich denkt er darüber nach, welche zusätzlichen Funktionen er in die vorhandenen Steckverbinder integrieren kann, um so auf die Bedürfnisse der Industrie zu reagieren.

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Im Jahr 1950 siedelt Wilhelm Harting seinen Betrieb im benachbarten Espelkamp an, zieht dort eigene Ingenieure, Fachleute der heimischen Werkzeugmaschinenindustrie und Experten aus der Automobilbranche zu Rate und lässt seine Steckverbinder-Ideen auf Tauglichkeit prüfen. Das Ergebnis sind mehrere Pilotprojekte für die Kfz-Industrie und Werkzeugmaschinenhersteller.

Die hergebrachten Steckverbinder werden zunächst modifiziert: Harting stellt sich einen Steckverbinder vor, der zugleich robust und leicht handhabbar sein soll. Vor allem aber geht es ihm darum, ein besonders leistungsfähiges Produkt für vielfältige Zwecke und Anwendungsbereiche zu entwickeln. Deshalb wird die Kontaktdichte der Steckverbinder erhöht und die bisherige Anschlusstechnik mit Feder und Stift auf umschließende Steckkontakte mit Stift und Buchse umgestellt. Der bisherige Schraubanschluss wird zudem durch neue Schraub- und Crimptechniken erweitert. Die elektrischen Eigenschaften orientieren sich an den deutschen VDE-Vorschriften.

Die Testserien verlaufen erfolgreich. Qualität und Zuverlässigkeit der neuen Verbindungs-Lösungen erfüllen alle Ansprüche. Der Han-Steckverbinder überzeugt zum Beispiel in Maschinenbau und Energiewirtschaft. Der Siegeszug des neuen Produkts „Made in Germany“ beginnt. Der Han-Steckverbinder entwickelt sich zum Umsatztreiber – und wird zum Meilenstein in der Unternehmensgeschichte der Technologiegruppe.

Die modulare Variante

Das Programm Han-Modular schreibt die Erfolgsgeschichte des Han- Steckverbinders fort. Hier kombinieren Han-Industriesteckverbinder Gehäuse, Kontakteinsätze und Kontakte für eine effiziente Übertragung elektrischer Leistung. Wenige grundlegende Elemente werden je nach Anforderung zu einer leistungsfähigen Lösung zusammengestellt.

Als in den 1990er Jahren die ersten industriellen Ethernet-Netzwerke aufkamen, ging man einen Schritt weiter: Aus der Anforderung, Übertragungsmöglichkeiten für unterschiedliche Medien − elektrische Leistung und Signale, Lichtwellen, Gase – in einem Verbindungselement zu bündeln, entstand die Idee des modularen Steckverbinder-Programms. Das Ergebnis Han-Modular bietet eine Vielzahl von Modulen, aus denen sich anwendungsspezifisch Steckverbinder konfigurieren lassen. Halterahmen und Adapter ermöglichen die Anpassung an verschiedene Gehäusearten.

Seit dem Start hat sich das offene Steckverbindersystem in der Industrie immer weiter verbreitet. Durch den modularen Aufbau lässt es sich besonders flexibel an individuelle Anforderungen anpassen. Aus Modulen, Gehäusen und Zubehör können Anwender Steckverbinder in der gewünschten Konfiguration zusammenstellen.

Um den sich wandelnden Versorgungsbedarf zu decken, wird die Serie stetig um neue Module erweitert, zuletzt auch um solche, die geeignet sind, die Digitalisierung voranzutreiben (Reihe smart Han).

Han-Modular liegt nach wie vor im Trend, der in Richtung immer kompakterer Lösungen, Miniaturisierung und Integration von Elektronik und Rechner-Intelligenz weist. Die Serie deckt insbesondere den Bedarf nach hybrider Nutzung von Schnittstellen. Neben der Installation neuer hybrider Steckverbinder gibt es die Option, in vorhandenen Schnittstellen Module zu platzieren, die das Medienspektrum je nach Bedarf erweitern.

Derzeit befinden sich die hybrid konfigurierten Han-Steckverbinder mit etwa einem Drittel Marktanteil noch in der Minderheit. Doch das Verhältnis könnte sich bald umkehren: Für hybride Steckverbinder gibt es ein Potenzial von mindestens zwei Dritteln des Marktes – bei wachsendem Gesamtumsatz, so Harting.

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