World Ethical Electronics Forum Die Elektronikindustrie und ihr ethisches Engagement

| Aktualisiert am 07.10.2021Redakteur: Johann Wiesböck

Was bedeutet ethisches Handeln für Elektronikunternehmen? Welche Leitlinien, Strukturen und Konzepte fördern das Fairplay in unserer Branche? Antworten gibt das 1. World Ethical Electronics Forum am 18. November 2021.

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Johann Wiesböck, Chefredakteur ELEKTRONIKPRAXIS: „Wir organisieren das WEEF gemeinsam mit Elektor, um als bekannte Medienmarken Verantwortung gegenüber den Menschen in der Elektronikbranche zu übernehmen und unser Kommunikationsmöglichkeiten für Fairness und Nachhaltigkeit einzusetzen.
Johann Wiesböck, Chefredakteur ELEKTRONIKPRAXIS: „Wir organisieren das WEEF gemeinsam mit Elektor, um als bekannte Medienmarken Verantwortung gegenüber den Menschen in der Elektronikbranche zu übernehmen und unser Kommunikationsmöglichkeiten für Fairness und Nachhaltigkeit einzusetzen.
(Bild: J. Untch / Vogel Communications Group GmbH & Co. KG)

Die Menschen der Elektronikbranche haben ein hohes Interesse an ethischen Fragen im Kontext von Arbeit, Technik und Unternehmen. Gleichzeitig steigt auch das Bewusstsein vieler Firmen für Fragen zu sozialer Verantwortung, Nachhaltigkeit, Ökologie und fairem Handel. Das World Ethical Electronics Forum WEEF bietet diesen Themen eine Plattform und analysiert ethische Fragestellungen für Menschen und Unternehmen in der Hightech-Branche – mit Fokus auf Elektronik und Informationstechnik. Es engagiert sich für die nachhaltige Diskussion, Wahrnehmung und praktische Implementierung des Themas. Dabei kommen sowohl unabhängige Ethikexpertinnen und -experten zu Wort als auch Menschen aus Forschung und Lehre, von NGOs und Verbänden sowie von Unternehmen. Alle Forumsteilnehmer tragen aktiv zur Diskussion und Lösungsfindung bei.

Das WEEF befasst sich mit den Prinzipien ethischen Handelns, mit dem aktuellen Wissenstand und Umgang in der Branche und vergibt einen Award an First Ethical Electronics Mover für vorbildliches Handeln und Best Practice. Der Award kann sowohl an Organisationen und Unternehmen als auch an Personen verliehen werden.

Das WEEF wird organisiert und durchgeführt von den Fachmedien Elektor und ELEKTRONIKPRAXIS und finanziert sich durch Sponsoren. Ideelle Partner unterstützen durch Expertise, Kommunikation und Infrastruktur. Erster WEEF-Unterstützer ist die Messe München, die dem Forum eine Bühne im Rahmen der Productronica 2021 für Keynote, Diskussion und Award-Verleihung zur Verfügung stellt. Weitere ideelle Partner und Finanzsponsoren sind herzlich eingeladen, das World Ethical Electronics Forum zu unterstützen. Wollen Sie mitmachen? Alle Informationen finden Sie auf der WEEF-Webseite www.worldethicalelectronicsforum.com. Oder schreiben Sie an johann.wiesboeck@vogel.de.

Technik und Ethik

Die Technikethik ist ein Teil der Ethik und als Wissenschaft der Philosophie zuzuordnen. Sie besitzt aber auch einen handlungsrelevanten Stellenwert im Arbeitsleben eines Ingenieurs oder Technikers. Hier gibt es folgende Kriterien zum Bewerten und Abwägen der Technik:

  • Vorteile gegen Nachteile
  • Nutzen gegen Schaden
  • Chancen gegen Gefahren
  • Eigennutz gegen Gemeinnutz.

Sie stellt also das Tun von Technikern und deren Umgang mit Technik und technischen Gegenständen bzw. Geräten vor Fragen der Art: „Ist eine spezielle Technik gut?", „Ist es richtig, was man mit dieser Technik tut?", „Ist die Technik sicher?", „Ist die Technik allen Menschen von Nutzen?", „Nützt die Technik nur Teilen der Menschen, oder nur Teilen politischer Systeme, während sie andere ausgrenzt, oder nützt sie nur einem Einzelnen?"

Interessant sind strittige technische Anwendungen wie die Militär-Technik und auch die sogenannten Dual-Use-Techniken, die einerseits zivilen Nutzen entfalten können, andererseits die Gefahr bergen, von Unrechtsregimen gegen die eigene Bevölkerung oder die Bevölkerung von Kriegsgegnern eingesetzt werden zu können.

Prof. Dr. Stefan Heinemann, Professor für Wirtschaftsethik an der FOM, hält die Keynote „Elektrotechnik- und Elektronikindustrie und ihr ethisches Engagement“.
Prof. Dr. Stefan Heinemann, Professor für Wirtschaftsethik an der FOM, hält die Keynote „Elektrotechnik- und Elektronikindustrie und ihr ethisches Engagement“.
(Bild: FRANK LOTHAR LANGE)

Anwendungsgebiete wie die Atomenergie oder anderer Risikotechnologien sowie der technisch geprägte Umgang mit Ressourcen der Natur, z. B. Erdöl, Gas, Wasserkraft, Windenergie stehen schon seit Jahrzehnten im Fokus Technik-ethischer Betrachtung. Viele in der Politik und in der Gesellschaft aufkommende Fragestellungen berühren die Technikethik oder fordern ethischen Umgang mit der Technik heraus. Carl Friedrich von Weizsäcker wird das Zitat zugeschrieben: „Technik ist Mittel zum Zweck, nicht Selbstzweck.“

Digitalisierung und Ethik

In der voranschreitenden Digitalisierung stellt sich die Frage, welchen Status der Mensch, welchen die Maschine erhält, wenn diese zum Kooperationspartner wird oder den Menschen gar ersetzt? Die Digitalisierung verändert das menschliche Selbstverständnis in einer noch nicht dagewesenen Art. Zusätzlich vergrößert sich mit Einführung von Künstlicher Intelligenz der Kreis der moralischen Fragestellungen. Es ist die Aufgabe der Ethik auf diese moralischen Fragen zu antworten und diese Antworten vor dem Hintergrund der disruptiven digitalisierungsbedingten Veränderungen weiterzuentwickeln.

Dr. Carsten Emde, General Manager OSADL, erklärt Sinn, Bedeutung und Nutzen von Open Source.
Dr. Carsten Emde, General Manager OSADL, erklärt Sinn, Bedeutung und Nutzen von Open Source.
(Bild: OSADL)

Für die Digitalisierung der Industrie zeigt sich, dass diese nicht auf binnenunternehmerische Produktionsprozesse beschränkt wird, sondern die vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsketten einschließt. Dabei stehen der bekannten Gewinnorientierung zunehmend pluralistische Ziele wie Sozial-, Öko- und Gemeinwohlbilanz gegenüber. Buchtipp: Unternehmen und Nachhaltigkeit, Springer, ISBN: 978-3-8349-2665-4.

Das Lieferkettengesetz

Mindestens 150 Millionen Kinder arbeiten, statt zur Schule zu gehen. 25 Millionen Menschen sind gefangen in Zwangsarbeit. Den Handlungsbedarf in Sachen Menschenrechte bezweifelt wohl niemand ernsthaft. Doch wer soll die Dinge zum Besseren wenden? Die Politik? Das hat bislang nicht funktioniert. Die Unternehmen? Hier gibt es geteilte Meinungen. Manche Unternehmen haben sich auf den Weg gemacht und sind dem Lieferkettengesetz zuvorgekommen. Laut Politik allerdings nur 17 Prozent der Unternehmen – das reicht bei weitem nicht.

Deshalb hat die Politik nun das Lieferkettengesetz auf den Weg gebracht. Aber wie sollen mittelständische Unternehmen mit mehreren zehntausend Produkten und noch mehr Zulieferern einer künftigen Sorgfaltspflicht gerecht werden? Versuchen die Politiker den Schwarzen Peter abzugeben? Antworten auf diese Fragen versucht ein Podcast des VDW zu geben unter dem Motto: Lieferkettengesetz - Papiertiger oder scharfes Schwert? Diese Fragen werden auch Thema auf dem WEEF 2021 sein.

Corporate Social Responsibility

Dirk Stans, CEO von Eurocircuits, beschreibt die vielen kleinen Schritte seines Unternehmens für Ökologie, Nachhaltigkeit und Fairplay.
Dirk Stans, CEO von Eurocircuits, beschreibt die vielen kleinen Schritte seines Unternehmens für Ökologie, Nachhaltigkeit und Fairplay.
(Bild: Eurocircuits)

Corporate Social Responsibility (CSR) ist die Verantwortung von Unternehmen für ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft. Dies umfasst soziale, ökologische und ökonomische Aspekte, wie sie etwa in international anerkannten Referenzdokumenten zur Unternehmensverantwortung ausgeführt sind, insbesondere in der ILO-Grundsatzerklärung über Unternehmen und Sozialpolitik, den OECD-Leitsätzen für multinationale Unternehmen, den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, im UN Global Compact oder in der ISO 26000. Konkret geht es beispielsweise um faire Geschäftspraktiken, mitarbeiterorientierte Personalpolitik, sparsamen Einsatz von natürlichen Ressourcen, Schutz von Klima und Umwelt, ernst gemeintes Engagement vor Ort und Verantwortung auch in der Lieferkette.

Die Umsetzung von CSR unterscheidet sich von Unternehmen zu Unternehmen: CSR-Aktivitäten sind in einem produzierenden Unternehmen andere als im Handel, der börsennotierte Konzern steht vor anderen Herausforderungen als der familiengeführte Mittelständler mit Verwurzelung in der Region. Eines ist allen gemeinsam, die CSR erfolgreich im Unternehmen umsetzen: ohne klaren Bezug zur eigenen Geschäftstätigkeit geht es nicht.

Unternehmen, die ihre CSR-Aktivitäten als Zusatzleistung verstehen, die nichts mit dem Geschäftsmodell und den Kerngeschäftsprozessen zu tun haben, greifen zu kurz. Ob Arbeitssicherheit, Mitarbeiterzufriedenheit, Energieeffizienz oder Mindeststandards in der Lieferkette - viele CSR-Handlungsfelder sind entscheidend für den unternehmerischen Erfolg.

Machen Sie mit beim WEEF 2021

Welche Bedeutung hat ethisches Handeln für Ihr Unternehmen? Verfügen Sie über Leitlinien, Strukturen oder Konzepte, die ethisches Verhalten fördern? Welche ethischen Fragestellungen sind Ihnen persönlich wichtig? Gibt es bereits Projekt bzw. Best-Practice-Beispiele aus Ihrem Haus? Ich lade Sie ein, diese Fragen zu beantworten, uns mit Ihren Erfahrungen zu helfen und am 1. WEEF am 18. November 2021 mitzuwirken.

Vorläufiges Programm WEEF 2021

Für das World Ethical Electronics Forum am 18. November sind derzeit folgende Vorträge und Programmpunkte geplant. Weitere Vorträge ergeben sich aus dem noch offenen Call for Paper:

  • Die Ziele der World Ethical Electronics Initiative und Vorstellung der Partner.
  • Keynote: Elektrotechnik- und Elektronikindustrie und ihr ethisches Engagement, Prof. Dr. Stefan Heinemann, Professor für Wirtschaftsethik FOM
  • Bedeutung, Sinn und Nutzen von Open Source, Dr. Carsten Emde, General Manager OSADL
  • Best Practice: Viel kleine Schritte für Ökologie, Nachhaltigkeit und Fairplay, Dirk Stans, CEO Eurocircuits
  • Das Lieferkettengesetz ab 2023: Intention und die Folgen
  • Weitere Vorträge, Statements und Diskussionsrunden komplettieren das Programm.

WEEF und ethisches Handeln – Vorteile für Unternehmen

Was sind die Vorteile für Unternehmen, die sich für ethisches Handeln einsetzen und das WEEF unterstützen? Ethik entfaltet in ihrer Managementgestalt als Nachhaltigkeit und CSR auch wirtschaftliche Erfolgskraft. Über der gesetzlich notwendige hinaus ist Ethik deshalb auch unternehmerisch angezeigt. Ganz konkrete Vorteile eines Engagements im Rahmen des WEEF sind:

  • motivierende Impulse und Anregungen nach innen
  • positiver Kommunikationsanlass nach außen
  • Positionierung in einem erfolgskritischen Themenfeld

Alle Informationen zum WEEF 2021 finden Sie unter www.elektormagazine.com/weef. Ihre Fragen richten Sie bitte an johann.wiesboeck@vogel.de.

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