Daniel Domscheit-Berg Die Dimension der Digitalisierung

Redakteur: Kristin Rinortner

Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen in der digitalen Welt muss die Debatte „Was darf Technologie und was darf Technologie nicht“ angestoßen werden. Der deutsche Mittelstand muss Lobbyarbeit leisten. Dies verkündete Daniel Domscheit-Berg in seiner Keynote auf dem Steckverbinderkongress.

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Daniel Domscheit-Berg während seiner Keynote 2014 auf dem Würzburger Steckverbinderkongress.
Daniel Domscheit-Berg während seiner Keynote 2014 auf dem Würzburger Steckverbinderkongress.
(Bild: VCG)

Immer dann, wenn ein neues Kommunikationssystem mit einer neuen Form der Energieproduktion kombiniert wird, entsteht so etwas wie eine industrieelle Revolution. So adaptiert Ex-WikiLeaks-Sprecher Daniel Domscheit-Berg Jeremy Rifkins Buch „Die dritte industrielle Revolution“ in seiner Keynote auf dem 8. Anwenderkongress Steckverbinder vergangene Woche in Würzburg. Denn mit der Kombination Internet und dezentraler Energiewende sind wir in Deutschland an diesem Punkt angekommen.

Für Domscheit-Berg ist das Internet die technologische Abbildung kleiner und mittelständischer Unternehmen. Dezentral aufgebaut und aus vielen kleinen Bausteinen zusammengesetzt.

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Das Internet bietet eine Technologie, um Menschen miteinander zu verbinden und um den Fluss von Wissen zu ermöglichen. Allerdings werde diese Technologie derzeit gegen uns verwendet und es werde genau das Gegenteil gemacht, was in unserer aller Interesse sei. Denn einige Kräfte einer „alten Welt“ versuchen das Potenzial, das für uns alle entsteht, zu unterwandern und zu verhindern.

So entstehe laut Domscheit-Berg ein digitaler Rüstungsmarkt, den er für extrem gefährlich halte. Ein Rüstungsmarkt, der ihn an die Zeiten des kalten Krieges erinnere, mit dem Unterschied, dass sich nicht mehr lediglich zwei Blöcke gegenüberstehen.

Diese Entwicklung führt zu einer Welt, in der jeder potenziell vor jedem Angst haben muss, in der die Grenzen verschwimmen, wer hier auf wen aufpassen muss. Das sei eine Diskussion, die wir gesellschaftlich überhaupt nicht führen: Was darf gemacht werden mit der Technologie, die wir produzieren? Wofür darf sie eingesetzt werden? Und wo muss vielleicht eine moralische Grenze gezogen werden?

Domscheit-Berg hätte gerne, dass diese Debatte was Technologie darf und was nicht und wofür sie eingesetzt werden darf in den nächsten zehn Jahren geführt worden ist, denn laut IBM ist das Unternehmen dann soweit, Roboter, die selbständig denken, zu bauen (bitte mal nach KI Watson und Boston Dynamics‘ Big Dog und Cheetah googeln). Denn danach sei eine derartige Diskussion nicht mehr möglich.

Für ihn ist es auch ganz wichtig, dass diese Debatte in der Industrie geführt wird, denn im Endeffekt trügen alle auf die eine oder andere Art und Weise dazu bei, dass diese Technologie entsteht. Und man könne nicht erwarten, dass die Politik, „die überhaupt nicht mehr versteht, was sich hier entwickelt, wie schnell sich Dinge entwickeln und vor allem, worauf das alles hinausläuft“, diese Themen löse.

„Wir brauchen diese Lobby innerhalb der Industrie.“

Von daher hoffe er, dass die Steckverbinderbranche, die zumindest metaphorisch an einer Schnittstelle stehe, begreift, welche Potenziale sich zum einen mit dieser Technologieentwicklung eröffnen, aber auch, was auf dem Spiel stehe.

Das Video des Vortrags von Daniel Domscheit-Berg können Sie sich kostenfrei, registrierungspflichtig hier ansehen.

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