Die Digitalisierung und das Maschinenfragment

| Redakteur: Kristin Rinortner

Kristin Rinortner, Redakteurin ELEKTRONIKPRAXIS: „Wenn keiner mehr Geld hat, um Produkte zu kaufen, können die Hersteller auch nichts mehr verdienen.“
Kristin Rinortner, Redakteurin ELEKTRONIKPRAXIS: „Wenn keiner mehr Geld hat, um Produkte zu kaufen, können die Hersteller auch nichts mehr verdienen.“ (Bild: VBM)

Heute ist alles zu jeder Zeit allen zugänglich, reproduzierbar und fast in Echtzeit tauschbar. Dahinter stehen wissensbasierte Produkte, digitale Produktionsmittel und umfassende Vernetzung. Aber auch gut ausgebildete Ingenieure und eine industrialisierte Wissensproduktion.

Vor 160 Jahren hat sich der Philosoph Karl Marx im „Maschinenfragment“ mit dem technisch möglichen Fortschritt weit über das 19. Jahrhundert hinaus auseinandergesetzt. Nach Marx durchläuft das Arbeitsmittel (das Werkzeug) verschiedene Metamorphosen, „deren letzte ein automatisches System der Maschinerie ist, in Bewegung gesetzt durch einen Automaten“. Der Automat besteht aus zahlreichen „mechanischen und mit Verstand begabten Organen, die in Übereinstimmung und ohne Unterbrechung tätig sind“ und den Menschen aus dem Produktionsprozess drängt.

Es bedarf wenig Phantasie, um das als Automatisierungssystem, IoT und Künstliche Intelligenz zu interpretieren.

Das gesellschaftliche Wissen und die Wissenschaft sind Marx zufolge dann zur unmittelbaren Produktivkraft geworden und werden, wie das gesellschaftliche Leben, von einem „General Intellect“ kontrolliert. Dieser „allgemeine Verstand“ bietet eine Wissensbasis, um die Produktivkräfte zu formen und auf einen spezifischen Wissensstand zu bringen.

Die im Produktionsprozess gewonnenen Daten werden zur wertschöpfenden Information. Der Arbeitsbegriff in der digitalisierten Welt besteht im Auswerten von Informationen, dem Pflegen von Netzwerken und der Produktion von Wissen. So wird das Wertgesetz außer Kraft gesetzt, das besagt, dass der Warenwert durch die Arbeitskraft bestimmt wird, meinen Operaisten wie Paolo Virno.

Da das in den neuen Waren vergegenständlichte Wissen für den Preisprozess immer wichtiger wird, ist neues Denken notwendig. Versuchen wir es doch einmal mit dem bedingungslosen Grundeinkommen und veränderten Steuersystemen.

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