Die Deutsche Wirtschaft kriecht ins neue Jahr

| Autor / Redakteur: dpa / Julia Schmidt

Nürnberg: Eine Mitarbeiterin von Continental arbeitet in der Endmontage der Produktion von Elektromotoren bei der Conti Temic microelectronic Gmbh. Die Herausforderungen der Autobranche und globale Handelskonflikte sind Schuld. Europas größte Volkswirtschaft steckt im Abschwung. Auch 2020 wird kein leichtes Jahr für Deutschland, sagen Ökonomen voraus.
Nürnberg: Eine Mitarbeiterin von Continental arbeitet in der Endmontage der Produktion von Elektromotoren bei der Conti Temic microelectronic Gmbh. Die Herausforderungen der Autobranche und globale Handelskonflikte sind Schuld. Europas größte Volkswirtschaft steckt im Abschwung. Auch 2020 wird kein leichtes Jahr für Deutschland, sagen Ökonomen voraus. (Bild: Daniel Karmann/dpa)

Es geht wieder aufwärts, jedoch nur langsam. Das legen die Prognosen mehrerer Institut nahe. Besonders die Industrie hat zu kämpfen.

Die deutsche Wirtschaft nimmt aus Sicht von Ökonomen im nächsten Jahr erst langsam wieder Fahrt auf. Nach 0,5 Prozent Wachstum in diesem Jahr werde das Bruttoinlandsprodukt 2020 um 1,1 Prozent zulegen, ein Jahr später um 1,5 Prozent, prognostizierten das Ifo-Institut und dasKieler Instituts für Weltwirtschaft am Donnerstag. Die Zahl der Arbeitslosen werde weiter sinken.

Mit einem Aufschwung der Gesamtwirtschaft sei frühestens im übernächsten Jahr, 2021, zu rechnen, sagte der IfW-Konjunkturforscher Stefan Kooths. „Zunächst kriecht die Wirtschaft aber in das neue Jahr.“ Die deutsche Wirtschaft brauche aber kein Konjunkturprogramm – die Ursachen der aktuellen Schwäche liegen im außenwirtschaftlichen Umfeld.

Weiterhin Herausforderungen der Autobranche und globale Handelskonflikte

Getrieben wird die aktuelle Schwäche durch die Rezession in der Industrie. Das Ifo-Institut verwies auf Herausforderungen der Autobranche und globale Handelskonflikte. Die normale Auslastung wird dort unterschritten, die Investitionen nehmen nach der Prognose im nächsten Jahr um 1,1 Prozent ab. Das hat viel mit einem schwächer wachsenden Export zu tun.

„Trotz der aktuellen Schwäche braucht die deutsche Wirtschaft kein Konjunkturprogramm“, sagte Kooths. „Die Industrierezession hat ihre Ursachen maßgeblich im Ausland und betrifft Produktionsbereiche, die auf staatliche Nachfrageprogramme kaum reagieren würden.“ Mittelfristig spreche viel dafür, sich im Staatshaushalt über die Prioritäten klar zu werden und Investitionen nach oben zu stellen. Dann müssten andere Bereiche zwingend weniger wichtig sein. Die Schuldenbremse stehe dem nicht entgegen.

Dagegen steht die Binnenwirtschaft, die das fast ausgleicht. So werde die Bauwirtschaft durch extrem günstige Finanzierungsbedingungen unvermindert befeuert und investiert kräftig. „Zu dieser allmählichen Erholung trägt auch die Finanzpolitik bei“, erklärte Ifo-Experte Timo Wollmershäuser in Berlin. Entlastungen bei Steuern und Sozialbeiträgen, höhere Transferleistungen und steigende öffentliche Ausgaben spülen demnach 25 Milliarden Euro zusätzlich in die Wirtschaft. Der private Konsum profitiere von Einkommenshilfen seitens der Finanzpolitik und einer nach wie vor robusten Entwicklung am Arbeitsmarkt und legt um 1,5 Prozent in diesem und dem nächsten Jahr zu, danach um 1,7 Prozent.

Ostdeutschland weniger betroffen

Die Abkühlung der Weltwirtschaft trifft die Konjunktur in Ostdeutschland nach Einschätzung des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) nicht so hart wie im restlichen Bundesgebiet. So seien Konsumgüter, die in der ostdeutschen Produktion eine größere Rolle spielten als in der westdeutschen, vom globalen Nachfrageeinbruch weniger betroffen als Investitionsgüter. Durch die schrittweise Angleichung der Renten in Ost und West steige das verfügbare Einkommen außerdem schneller als in den übrigen Bundesländern.

Für das laufende Jahr sei in Ostdeutschland ein Wachstum von einem Prozent zu erwarten, im kommenden Jahr 1,3 Prozent und 2021 sowohl im Osten wie bundesweit 1,6 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt misst den Wert der in dem Jahr erwirtschafteten Waren und Dienstleistungen. (dpa)

Traurige Trendwende: 42 Prozent mehr Pleiten bei Großunternehmen

Traurige Trendwende: 42 Prozent mehr Pleiten bei Großunternehmen

02.12.19 - Nach zehnjährigem Abwärtstrend nimmt die Zahl der Firmeninsolvenzen in Deutschland wieder zu. Hart trifft es die Automobilindustrie. Die Schadenshöhe bei Großinsolvenzen ist um über 80 Prozent gestiegen. Die Gefahr eines Dominoeffekts mit ernsthaften Auswirkungen auf die zuliefernde Elektronikindustrie steigt. lesen

Der Halbleitermarkt wächst weiter – aber langsamer

Der Halbleitermarkt wächst weiter – aber langsamer

04.12.18 - Die Elektronikbranche spürt die Folgen des US-chinesischen Handelskriegs und die weltpolitische Unsicherheit. Nach zwei Boomjahren erwartet der Elekto- und Elektronikverband ZVEI 2019 ein viel langsameres Wachstum. lesen

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 46289469 / Schweinezyklus)