Die Blockchain schickt Geschäftsmodelle auf den Prüfstand

| Redakteur: Eilyn Dommel

Tobias Reisberger: ist Chief Digital Officer bei Nexinto. Mit zwei Rechenzentren werden dort mehr als 20 % des deutschen E-Commerce Markt gemanagt.
Tobias Reisberger: ist Chief Digital Officer bei Nexinto. Mit zwei Rechenzentren werden dort mehr als 20 % des deutschen E-Commerce Markt gemanagt. (Bild: www.rene-lahn.de)

Industrie 4.0, Autonomes Fahren oder KI wären ohne die Cloud nicht denkbar. Gerade erst haben sich Unternehmen mit ihr arrangiert, da taucht bereits eine neue Schlüsseltechnologie auf: die Blockchain.

Konkret handelt es sich bei der Blockchain um eine dezentrale, digitale Datenbank beziehungsweise Register, das eine Vielzahl von Transaktionen linear speichert. Ist ein Block voll, folgt der nächste unmittelbar dahinter. Das heißt: Die neuen Daten hängen nachgelagert an den alten dran, analog zu einer Kette. Am Anfang eines jeden Blocks steht die Prüfsumme des vorherigen Blocks. So ist sichergestellt, dass keine Daten verloren gehen. Virtuell entsteht somit eine Kette von Blocks.

Datenbank oder Register sind nicht zentral auf einer Festplatte gespeichert, sondern dezentral auf einer Vielzahl von permanent miteinander vernetzten Computern. Alle Teilnehmer besitzen die gleichen Zugriffs- und Nutzerrechte. Sie prüfen die verfügbaren Daten auf ihren Wahrheitsgehalt. Blockchain gehört keinem zentralen Verwalter, das System ist kaum zu hacken oder zu manipulieren. Darin liegt ein wesentlicher Vorteil von Blockchain, auch als Distributed-Ledger-Technologie bezeichnet (DLT): Der Schutz gerät lediglich dann in Gefahr, wenn Angreifer mehr als die Hälfte des Systems kontrollieren.

Die Blockchain ist im Grunde eine dezentrale Peer-to-Peer-Datenbank und dient der kryptografischen Verkettung einzelner Blöcke. Sie ist eine grundlegende Technologie, um Datenintegrität für verschiedenste Transaktionen und Prozesse zu gewährleisten. Für die Blockchain sprechen Aspekte wie Sicherheit, Transparenz sowie gesteigerte Effizienz.

Die Blockchain gab es schon vor Bitcoin

In den Blickpunkt der Öffentlichkeit gelangte Blockchain im Zusammenhang mit der digitalen Währung Bitcoin. Dabei ist jede einzelne Transaktion dezentral und offen abgespeichert. Alle Teilnehmer sind in der Lage, die Geldgeschäfte einzusehen und zu kontrollieren. Eine übergeordnete Bank als Kontrollinstanz ist nicht mehr erforderlich. Mittlerweile verändert die Blockchain nicht nur die Finanzwelt, sondern eine Vielzahl von Branchen wie den Handel oder Tourismus. Im Zentrum stehen dabei sogenannte Smart Contracts: Verträge liegen nicht mehr in Papierform vor, sondern sind in Computerprotokolle eingebettet. Diese überprüfen oder unterstützen die technische Verhandlung oder Abwicklung eines Vertrags. So wäre es beispielsweise für Versicherer möglich, Beiträge entsprechend des Verhaltens des Versicherten laufend zu evaluieren und entsprechend anzupassen.

Die Blockchain bietet die Möglichkeit, große Datenmengen unternehmensübergreifend zu sammeln und zu analysieren. Gleichzeitig erlaubt sie das automatische Aufspüren von Schwachstellen in der Lieferkette, im Zahlungsverkehr und anderen Geschäftsprozessen. Mit Blockchain lassen sich die Kosten für die aufwendige Installation und den Unterhalt einer eigenen IT-Infrastruktur spürbar senken. Derzeit handelt es sich bei den Einsatzszenarien der Blockchain oft um Gedankenspiele oder Pilotprojekte. Das Verfahren ist bisher nicht gänzlich ausgereift. Nachteile ergeben sich durch die noch geringe individuelle Skalierbarkeit sowie Einschränkungen beim Speicherplatz.

Blockchain vs. bestehende Sicherheitsrichtlinien

Berechtigungen sind nur schwer zu verwalten und die Integration von Blockchain stößt häufig auf den Widerstand bestehender IT-Sicherheitsrichtlinien in den Unternehmen. Neben den unternehmenseigenen Richtlinien zum Datenschutz spielt in diesem Zusammenhang zudem die Meinung des Gesetzgebers eine gewichtige Rolle. Zwar basiert das Konzept von Blockchain darauf, die Datenpakete durch eine möglichst hohe Zahl verschiedener Teilnehmer prüfen zu lassen. Doch wer prüft die Teilnehmer? Schließlich sind Änderungen an den Datensätzen auf diese Weise genauso für die Unternehmen der Konkurrenz nachvollziehbar. Als Folge steigt die Zahl privater Blockchains, in denen nur bestimmte Teilnehmer zugelassen sind.

Die Blockchain-Technologie ist dabei bestehende Konzepte auf den Kopf zu stellen. Damit geraten bisherige Geschäftsmodelle auf den Prüfstand. Wo diese Entwicklung letztlich enden wird, weiß heute niemand. Die Ära der Blockchain bricht gerade erst an.

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