„Die Bauteileverknappung wird eine der größten Herausforderungen“

| Autor: Margit Kuther

2018 steht nach Ansicht der Distributoren im Zeichen der weiteren Seller- und Sortimentserweiterung. Vorlauf- und Wartezeiten für Bauteile müssen besser berechnet werden.
2018 steht nach Ansicht der Distributoren im Zeichen der weiteren Seller- und Sortimentserweiterung. Vorlauf- und Wartezeiten für Bauteile müssen besser berechnet werden. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Lieferengpässe, DSGVO und Wissensaustausch – wohin wird die Reise der Elektronikbranche im Jahr 2018 gehen? Die Distributoren haben dem Gesamtmarkt im Überblick und geben gegenüber ELEKTRONIKPRAXIS Auskunft über kommende Trends, Schwierigkeiten und Lösungen.

Zu Jahresbeginn befragte ELEKTRONIKPRAXIS den Fachverband der Bauelemente Distribution (FBDi) sowie zahlreiche führende Distributoren, welche Trends und Herausforderungen im Jahr 2018 auf die Elektronikbranche warten. Im fünften und letzten Teil unserer Serie melden sich die Vertreter von Bürklin, Conrad, Hy-Line, RS Components und wts // electronic components zu Wort.

Bürklin Elektronik: Vorlauf- und Wartezeiten müssen besser berechnet werden

Alfred Lipp, Leiter Vertrieb und Marketing: „Nehmen wir das Beispiel der Kondensatoren. Die Lieferzeit der Kondensatoren wird immer länger, der Kunde muss lange auf seine Produkte warten, wenn er nicht rechtzeitig vorgesorgt hat. D.h. hier besteht die größte Herausforderung darin, die Ware immer auf Lager zu halten, so dass die Anfragen der Kunden auch bearbeitet und gedeckt werden können.

Für uns als klassischer Distributor heißt das, die Lagermengen so zu kalkulieren, dass alle Bedarfe der Kunden zu jeder Zeit gedeckt werden können. Wir haben uns in diesem Bereich gut vorbereitet und die Erfahrungswerte der letzten Jahre als Planungsgrundlage genommen.

Verknappung ist [im Jahr 2018] eine der größten Herausforderungen. Auch hier wieder das Beispiel der Kondensatoren mit bereits sehr langen Lieferzeiten. Wir animieren unsere Kunden uns rechtzeitig ihre Projekte mitzuteilen, so dass wir entsprechend unseren Einkauf steuern können. Je früher und je umfangreicher der Kunde seinen Bedarf uns wissen lässt, umso schneller können wir auch seine Nachfrage bedienen.

[Hinsichtlich Trends ist] alles rund um das Thema IoT sicherlich weiter im Fokus. Zusätzlich können wir noch mehr im Bereich Embedded Systeme und Boards erwarten. Das heißt, Raspberry Pi ist weiter aktuell und wird sich auch weiterentwickeln. Der dritte Bereich sind die Speicher.

Conrad: Kunden echte Zeitersparnis bieten

Holger Ruban, CEO, Conrad: „Seit dem erfolgreichen Launch des Marketplace conrad.biz in 2017 haben wir unser Produktsortiment rasant ausgebaut. Innerhalb weniger Monate konnten wir unser Angebot von 750.000 auf derzeit über 1,2 Million Artikel ausweiten. Was hinter dieser rasanten Entwicklung steckt, ist eine moderne IT-Architektur, ein erfahrenes Marketplace-Team und vor allem starke Seller mit qualitativ hochwertigen Produkten. Ziel ist es, den Kunden in den nächsten zwei Jahren Zugriff auf über 10 Millionen Produkte anzubieten, darunter eine Vielzahl neuer Herstellermarken aber auch starke Marken wie die erst 2017 erfolgreich eingeführte Marke TRU Components oder fest etablierte Marken wie VOLTCRAFT oder TOOLCRAFT.

Zeitgleich haben wir massiv den Außendienst und den Bereich Inside Sales ausgebaut: Seit 2015 haben wir die Anzahl der Vertriebsmitarbeiter, die proaktiv den persönlichen Kontakt zum Kunden suchen und ihn bei seinen Fragestellungen unterstützen, um über 50 Prozent erhöht.

2018 steht im Zeichen der weiteren Seller- und Sortimentserweiterung. Der Marketplace conrad.biz bietet dabei nicht nur sicheres Einkaufen durch zertifizierte Seller (nach DIN ISO:9001), sondern schafft auch eine echte Zeitersparnis bei der Bestellung und überzeugt durch eine hohe Benutzerfreundlichkeit, wie etwa den Kauf auf Rechnung. Mit “One-Stop-Shopping” ermöglichen wir unseren B2B-Kunden ein einfaches, transparentes und sicheres Einkaufserlebnis, das ihnen mehr Wirtschaftlichkeit und Zeit für das Business bringt.“

HY-LINE Computer: Kunden wollen Spezial-Knowhow kaufen, statt selbst entwickeln

Guido Brüning, Geschäftsführer HY-LINE Computer Components: „Der bestehende Margendruck im reinen Distributionsgeschäft nimmt weiterhin zu. Viele Kunden wollen nicht mehr jedes Detail selber entwickeln sondern kaufen Spezial Know-how zu, vergeben Entwicklungen nach außen oder kaufen komplette Systemlösungen. Die Bereiche Systemlösung, kundenspezifische Entwicklungen- und Anpassungen sind daher gefragt und weiter auszubauen und geben der Distribution auch in Zukunft ihre Berechtigung.

Des weiteren steigen die Anforderungen rund um das Thema Environment & Compliance dramatisch. Um den neuen Gesetzesanforderungen und Konformitätserklärungen zu REACH, POP, CE usw. in Zukunft genüge zu tragen sind umfangreiche Investitionen notwendig. Dieses Thema wird in Zukunft die gesamte Branche nachhaltig belasten.

Verknappungstendenzen sehen wir derzeit nur bei Speicherprodukten. Und der Trend rund um die Visualisierung (Display + Touch) ist ungebrochen und wächst noch weiter an. [Digitale Währungen wie Bitcoin] sehen wir aktuell als nicht relevant an.“

RS Components: Open-Source-Software beschleunigt das IIoT

Jürgen Lampert, Vice President, Central Europe, RS Components: „Wenn es sicher gegenwärtig viele Faktoren gibt, die eine Prognose nicht einfacher machen, so lässt sich eines klar sagen: Auch das Jahr 2018 wird durch das Industrial Internet of Things geprägt. Das IIoT ist einer der Träger der nächsten industriellen Revolution und damit alles andere als eine Eintagsfliege. Es beruht auf der Sammlung einschlägiger Daten über Prozesse wie der Herstellung und vielem mehr. Diese werden dann in High-Level Software Suites aufgearbeitet und Entscheider erhalten genau die Informationen, die sie benötigen.

Ein wichtiger globaler Trend in IoT-Technologie, der das Wachstum zusätzlich beschleunigt, ist die zunehmende Verfügbarkeit von Open-Source-Software. Darauf reagieren die Hersteller und RS Components. So haben Siemens und RS mit der SIMATIC IOT2020 ihre Kräfte vereint, um eine IoT-Plattform für die Ingenieure von morgen zu bieten. Das neue IOT2020 greift den Trend der zunehmenden Verfügbarkeit von Open-Source-Lösungen auf und bietet Ingenieuren und Technikern den einfachsten Weg, um in die Welt des industriellen IoT einzusteigen und den Herausforderungen einer zunehmend vernetzten Welt zu begegnen.

Um Interessenten drüber hinaus die Produktauswahl zu erleichtern und mehr Informationen über das Thema IIoT zu bieten, stellt das RS Entwicklerforum DesignSpark eine wahre Goldgrube an hilfreichen Hinweisen dar. Es präsentiert neueste IIoT News, -Lösungen und -Produkte.“

wts: Mit Alternativherstellern gegen Bauteileverknappung

Wolfgang Tschierswitz, Geschäftsleitung bei wts // electronic components: „Die derzeitige Knappheit an Widerständen mischt den Markt auf. Die große Nachfrage erhöht die Lieferzeit auf bis zu 80 Wochen. Gleichzeitig ziehen die Hersteller die Preise an. Für viele erscheint die Situation hoffnungslos. Ist sie aber nicht zwangsläufig. Denn es gibt immer noch Hersteller, die deutlich bessere Lieferzeiten bieten.

Bei der MELF-Bauform können wir mit Alternativherstellern Neufertigungszeiten von 30-40 Wochen realisieren. Nun liegt es an den Kunden, zügig die Freigaben für neue Hersteller zu erwirken.

Derzeit zeichnet sich eine Verknappung auch für keramische Kondensatoren ab. Noch bietet unser Partner Knowles (Brands Syfer und Novacap) eine Lieferzeit von 8-10 Wochen, auch für AEC-Q200 Kondensatoren. Unsere Empfehlung an Sie: Lassen Sie sich von uns zu Alternativen beraten. Planen Sie vorausschauend und bestellen Sie zeitnah. 25 Jahre Markterfahrung zeigen uns, dass sich jede Krise überstehen lässt, insbesondere mit dem richtigen Partner an Ihrer Seite.

Elektronikjahr 2018: Erfolgreich trotz Bauteileverknappung und EU-Regularien

Elektronikjahr 2018: Erfolgreich trotz Bauteileverknappung und EU-Regularien

19.02.18 - Wie wird das Jahr 2018 für die Elektronikbranche? Die ELEKTRONIKPRAXIS befragte Distributoren zu Trends, Lieferengpässen, EU-DSGVO – und zur digitalen Währung Bitcoin. lesen

„Distributoren sind nicht die verlängerte Werkbank der Hersteller“

„Distributoren sind nicht die verlängerte Werkbank der Hersteller“

20.02.18 - Wie wird das Jahr 2018 für die Elektronikbranche? Die ELEKTRONIKPRAXIS bat den Fachverband der Bauelemente Distribution um Einschätzung zu Entwicklungen, Lieferengpässen, EU-DSGVO und zur digitalen Währung Bitcoin. lesen

„Angespannte Liefersituation für diskrete Halbleiter und passive Bauelemente“

„Angespannte Liefersituation für diskrete Halbleiter und passive Bauelemente“

22.02.18 - Welche Trends bestimmen das Jahr 2018, welche Bauteile könnten knapp werden? Keiner weiß dies besser als die Distributoren. In diesem Teil blicken Arrow, Codico, Distrelec und Endrich für Sie in die Glaskugel. lesen

„Chinas hoher Bedarf an Bauelementen leert den europäischen Markt.“

„Chinas hoher Bedarf an Bauelementen leert den europäischen Markt.“

21.02.18 - Welche Zukunftstechnologien und Trends bestimmen das Jahr 2018 – und welche Bauteile könnten knapp werden? Keiner weiß dies besser als die Distributoren, die Mittler zwischen Bauteile- und Produkthersteller. Im Interview: Andreas Mangler, Director Strategic Marketing bei Rutronik. lesen

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45144645 / Distribution)